Fotos: Yana Toyber

Ein Blick hinter die Kulissen der New Yorker Stripper-Szene der 90er

Fotografin Yana Toyber begibt sich mit ihrem Zine auf eine Zeitreise zurück in ihre Teenager-Jahre.

von Tish Weinstock
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20 September 2016, 11:20am

Fotos: Yana Toyber

Seit ihrer Jugend ist die Fotografin Yana Toyber von der Stripper-Szene New Yorks fasziniert gewesen. Mit 19 ließ sie sich dann von der Kultur komplett mitreißen und fing an, selbst in einem der Stripclubs zu arbeiten. Neunzehn Jahre später hat sie jetzt eine Reihe unglaublich ehrlicher und freimütiger Fotos veröffentlicht, die in dieser Zeit entstanden sind. Die Fotos, die in Form eines Zines herausgebracht wurden, lassen eine Welt der Fantasie, des Verlangens und des Tabus erahnen und geben uns einen Einblick hinter die Kulissen der New Yorker Stripclubs um 1997.


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"Die Stripclubs haben sich seit 1997 sehr stark verändert", sinniert Yana. "Der Besuch eines solchen Clubs wird heute viel eher akzeptiert. Wir mussten diesen Teil unseres Lebens damals streng geheim halten. Die Leute meinten, Frauen, die sich dafür entschieden hatten, in diesem Bereich zu arbeiten, müssten extrem verzweifelt sein." Yana will die Frauen, mit denen sie so lange zusammengearbeitet hat, mit ihren Fotos keinesfalls objektivieren – ganz im Gegenteil: Sie möchte sie damit bevollmächtigen. Schließlich handelt es sich um Frauen, die großes Vergnügen dabei hatten, ihren Körper zu zeigen. Anlässlich der Veröffentlichung ihres Zines vergangene Woche bei der Independent Artbook Fair in New York haben wir uns mit Yana über das sich verändernde Gesicht New Yorks, über die weibliche Sexualität und die Grundidee des Strippens unterhalten.

Woher kam dir die Idee für dieses Projekt?
Ich war damals 19 und war gerade in meinem ersten Semester an der SVA (School of Visual Arts). Ich hatte geplant, in die Subkultur der Stripper-Szene einzutauchen und sie zu dokumentieren. Das war schon seit der Oberschule mein Plan gewesen.

Und warum gerade ein Zine?
Zines sind sehr typisch für die 90er Jahre und das ist auch die Zeit, in der ich die Fotos gemacht habe, es bot sich also geradezu als passendes visuelles Medium an.

Warum veröffentlichst du die Fotoreihe ausgerechnet jetzt?
Ich habe das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist. New York hat sich sehr stark verändert und tut es weiterhin in einem rasenden Tempo. Es ist interessant, auf etwas zurück zu blicken, das jetzt so nicht mehr existieren könnte.

Inwieweit haben sich Stripclubs deiner Meinung nach seit 1997 kulturell betrachtet verändert?
Die Strip-Kultur ist heutzutage kein Tabu mehr. Der Großteil der Leute waren damals davon überzeugt, dass Frauen, die sich freiwillig dafür entschieden hatten, in diesem Bereich zu arbeiten, extrem verzweifelt sein müssten. Heute ist es denke ich viel akzeptabler. Außerdem sind die Clubs selbst größer und opulenter.

Was ist deiner Meinung nach die Grundidee des Strippens?
Ich denke, die Grundidee dahinter ist sehr simpel und ehrlich. Es ist ein Austausch von Energien; eine Energie ist die, die das Geld mit sich bringt, und die andere ist die Energie der Lust und der Fantasie.

Was hältst du persönlich von Frauen, die strippen?
Ich glaube, dass jede Frau zumindest an einem Tag in ihrem Lebens mal gerne strippen würde. Die Frauen, die das beruflich machen, lieben die Aufmerksamkeit der Männer, sie lieben es, sich zu verkleiden und sich aufzustylen, kleine Geschenke zu bekommen, angehimmelt zu werden und Geld zu verdienen. Auf gewisse Weise sind die Frauen, die strippen, besonders emanzipiert. Sie leben im Einklang mit ihrer Sexualität; sie sind sehr selbstbewusst und auch ein wenig rebellisch. Sie sind oft überdurchschnittlich intelligent und äußerst kreativ.

Wo endet die Objektifizierung und wo beginnt das Empowerment?
Wenn es ums Strippen geht, gibt es immer einen gewissen Aspekt der Objektifizierung. Die Frauen, die strippen, sind sich dessen aber durchaus bewusst und können damit gut leben. Sie nutzen sie zu ihrem Vorteil. Mir hat es auch nie etwas ausgemacht und auch ich habe sie zu meinem Vorteil genutzt, um meinen Zielen näher zu kommen. Mit dem Geld, das ich dort verdient habe, habe ich mein Studium und alles andere, das ich erreichen wollte, finanziert.

Was steht bei dir als nächstes an?
Ich habe vor, diese und andere Arbeiten von mir auszustellen, Drucke davon zu verkaufen und vielleicht sogar Auftragsarbeiten anzunehmen, wenn es sich ergeben sollte.

Backstage ist über PAPER WORK NY erhältlich.

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