wer hat eigentlich wann und warum festgelegt, wie männer und frauen aussehen sollten?

Der Fotograf und Designer Rad Hourani entwirft bereits seit über zehn Jahren Unisex-Mode, von Ready-to-wear bis Haute Couture. Warum für ihn alles doch nur eine Illusion ist, hat er uns im Gespräch erzählt.

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30 Juni 2016, 3:45pm

„Es gibt so viele Menschen, die denken, es sei so einfach, Unisex-Kleidung zu entwerfen, dabei ist es alles andere als das. Vor der Gründung meines Labels, habe ich mich über ein Jahr lang mit weiblichen und männlichen Körpern beschäftigt. Mit ihren Proportionen, mit ihren Bewegungen, mit ihren Maßen—ich habe regelrechte Studien erstellt, habe viel mit Schnitten und Stoffen experimentiert," erklärt der Designer Rad Hourani. Geboren wurde er in Jordanien und aufgewachsen ist er in Kanada. Damals, als er zu designen begonnen hat, haben ihn seine Freunde gefragt, warum er sich für den Unisex-Weg entschlossen habe. „Weil ich eine Botschaft hatte, eine starke Meinung, die ich unbedingt an die Öffentlichkeit bringen wollte. Es ging mir nie darum, unbedingt ein eigenes Label haben zu wollen, ich wollte mehr erreichen", schießt es aus ihm heraus. 

Rad Hourani arbeitet seit fast zehn Jahren als Designer für Unisex-Kollektionen, der geschlechtsspezifische Kleiderordnungen hinterfragt und durchbricht und mit ihnen spielt, ohne dabei Männer wie Frauen und Frauen wie Männer aussehen zu lassen. Er wollte einfach zurückgehen zum Ursprung, zum Punkt Null, alles auf Anfang. „Ich habe die Auffassung, dass alle Menschen gleich wertgeschätzt werden sollten, egal welchen Geschlechts. Ich möchte gar nicht erst, dass es feministisch klingt, denn ich bin der Auffassung, dass es eigentlich gar nicht diskutiert werden müsste, weil ich das alles für selbstverständlich halte." 

2013 wurde er von der Chambre Syndicale de la Haute Couture angeschrieben, ob er Mitglied des exklusiven Kreises an Couturieren werden wolle.  Dadurch hat sich seine Herangehensweise noch einmal komplett verändert. „In der Haute Couture musst du sehr präzise arbeiten, bis ins Detail. Dadurch habe ich noch mal verstanden, wie komplex Mode sein kann." Komplex, das ist auch ein Wort, womit man Rad Hourani beschreiben kann. Künstler, Fotograf, Designer—und dabei immer auch: Alltags-Philosoph. Das sieht man nun auch bei seiner neusten Kollaboration mit der Brillenmarke VAVA, die heute Abend in Berlin präsentiert wird. Der in Paris lebende und arbeitende Designer hat eine Sonnenbrille entworfen, die er selbst als architektonisches Objekt beschreibt und die sowohl Frauen als auch Männer tragen können—und sollen. Und während andere Designer wahrscheinlich einfach den Anspruch gehabt hätten, ein tragbares Accessoire für den Sommer zu entwerfen, hat Rouani gleich noch eine passende Ausstellung seiner Fotos und Gedanken zur Kollaboration entworfen. Alles ist eins, alles kommt zusammen, weil es zusammen gehört. Oder weil wir denken, es gehört zusammen?

„Alles ist eine Illusion", betont er immer wieder im Gespräch. Wie definiert er sie denn, diese Illusion? „Sie kennt keine Limits und keine Grenzen. Sie kann überall sein—ganz wundervoll, aber auch sehr gefährlich zugleich. Wir sollten immer achtsam sein, sie darf uns nicht austricksen." Die Fotos, die in der Ausstellung zu sehen sind, hat er über Monate hinweg mit seinem Smartphone aufgenommen.

„Ich wollte mich loslösen von allem, was ich kannte, wollte nach nichts suchen, sondern nur finden. Naiv sein, unbefangen sein, ehrlich sein. Ich sag dir was: Die Farbe des Himmels sieht überall auf der Welt anders aus. Das hat mich dazu angeregt, über unsere Augen nachzudenken und wie sie funktionieren. Die Farbe ändert sich durch das Licht, durch den Blickwinkel, durch den Augenblick."

Heute Abend eröffnet die Ausstellung zur Kollaboration mit VAVA in Berlin-Mitte. 

Credits


Text: Lisa Leinen