Anzeige

ein jahr, zwei frauen, unzählige fotos

Heute Abend eröffnet die Ausstellung des Sybille-Fendt-Seminars der Ostkreuzschule in Berlin. Einer der ausstellenden Künstlerinnen ist Nina Naußed. Wir haben vorab mit ihr über ihre Porträtserie „Lidia—ein Tag wie dieser endet nie" gesprochen und...

von Lisa Leinen
|
17 März 2016, 11:15am

Die Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin gilt seit jeher als zuverlässige Schmiede für Fotografie-Talente. Neben dem regulärem Studium werden dort auch Seminare von bereits etablierten Fotografen angeboten. Heute Abend findet die Vernissage des Seminars unter der Leitung von Sybille Fendt in Berlin-Kreuzberg statt, die Ausstellung kann man noch bis Sonntag besuchen. 

Wir haben Nina Naußed, eine der teilnehmenden Fotografinnen, deren Arbeiten uns ins Auge gefallen sind, vorab ein paar Fragen zu ihrer Serie „Lidia—ein Tag wie dieser endet nie" gestellt, und zeigen dir exklusiv einige Fotos der Strecke jetzt schon auf i-D.

Erzähl uns ein bisschen was von dir, woher kommst du, was hast du gemacht, bevor du an die Ostkreuzschule gegangen bist?
Ich lebe in Halle an der Saale und habe an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Bildende Kunst im Fachbereich Plastik/Keramik studiert. Seit drei Jahren arbeite ich freiberuflich als Künstlerin mit ganz unterschiedlichen Materialien, hauptsächlich aber keramisch ebenso wie fotografisch. Das Seminar bei Sibylle Fendt war sehr bereichernd und eine gute Möglichkeit, mich noch intensiver mit der Fotografie zu beschäftigen.

Seit wann fotografierst du?
Im Studium habe ich an einem Fotografiekurs bei Eva Mahn teilgenommen, in dem wir unter anderem eine Lochkamera aus Karton selbst gebaut haben, das war wunderbar. Natürlich habe ich vorher schon fotografiert, aber seitdem lässt mich vor allem die analoge Mittelformatfotografie nicht mehr los. Meine erste zweiäugige Mittelformatkamera habe ich von meinem Großvater bekommen, mit der er damals viel fotografierte.

Erzähl uns mehr zu deiner Strecke „Lidia - Ein Tag wie dieser endet nie"! Wer ist Lidia? Wann und wie kam dir diese Idee?
Ich habe zusammen mit Lidia studiert, sie ist eine gute Freundin von mir, eine ganz besondere Frau und Künstlerin, die ursprünglich aus Moskau kommt. Die Arbeit ist im Prozess entstanden. Es gab keine zündende Idee, sondern einfach die Lust, zusammen zu arbeiten. Für mich war es auch ein Experiment und eine spannende Herausforderung einen Menschen so konzentriert zu fotografieren.

Wie lange hast du daran gearbeitet?
Ich habe Lidia ein Jahr lang begleitet, wir haben uns mindestens einmal im Monat mehrere Tage getroffen und viele Aufnahmen gemacht.

Was war dir wichtig? Was wolltest du mit den Fotos erzählen?
Mich fasziniert ihre ganz persönliche Welt, ihre Freude an kleinen, für viele Menschen nebensächlichen Dingen und dem Besonderen im Alltag, ihre Wertschätzung des Lebens an sich. Ich wollte sie als Person mit ihren vielen Facetten einfangen. Für mich handelt die Serie außerdem von Liebe und Sehnsucht.

Hattest du irgendwann das Gefühl, dass Lidia die Kamera gar nicht mehr wahrnimmt? 
Ich kann nicht sagen, ob das wirklich eingetroffen ist, aber sie war immer unglaublich ehrlich vor der Kamera und ist immer ganz bei sich geblieben. Ich würde behaupten, dass das nicht jeder kann.

Wann hattest du zuletzt das Gefühl, dass ein Tag nicht endet?
Es geht um den Wunsch, der Tag möge nicht enden, nicht um die Trauer darüber, dass er ewig weitergeht. An schönen Tagen möchte ich nie, dass sie enden. Die Zeile stammt aus einem Gedicht von Lidia.

nina-naussed
lidia-beleninova.jimdo

Credits


Text: Lisa Leinen
Fotos: Nina Naußed