robin eisenbergs verträumtes universum starker frauen

Die amerikanische Illustratorin kreiert eine Fantasiewelt, in der sie den weiblichen Körper und das Frausein zelebriert. Wir haben ihr buntes Weltall genauer unter die Lupe genommen und uns mehr von Eisenbergs Ästhetik, Zeichenkulisse und Frauenbild...

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März 28 2017, 3:10pm

Robin Eisenbergs Illustrationen haben etwas an sich, das einen sofort in den Bann zieht. Das liegt womöglich an der ganz eigenen Welt, die sich die Amerikanerin selbst erschaffen hat und in der wir uns nur allzu gerne verlieren. Warum auch nicht? Schließlich vereint ihr kreatives Universum all die Dinge, die wir am liebsten haben: starke Frauen, bunte Farben und dieses gewisse Etwas, das man nur schwer beschreiben kann. Fasziniert von ihrem kreativen Kopf haben wir uns gefragt, was tatsächlich hinter dieser Fantasiewelt steckt, wie alles begann und wer diese Frauen sind, die sich im Weltall von ihrer besten Seite zeigen.

Wie bist du zum Illustrieren gekommen?
Ich habe schon früh damit angefangen und hatte Kunst interessierte Eltern. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich nicht gezeichnet habe. Das waren damals meistens Elfen, Feen, Drachen und Einhörner, die gehören immer noch zu meinen Lieblingsmotiven.

Wann hast du angefangen, mit so starken Farben zu arbeiten?
Erst 2014! Davor habe ich kaum mit Farben gearbeitet, weil ich nicht wusste, wie ich es gut aussehen lassen konnte. Ich habe deswegen hauptsächlich schwarz-weiß gezeichnet, wenn ich dann doch mal mit Farben gearbeitet habe, war es eher verdeckt. Frustrierend daran war, dass ich von bunten Illustrationen zwar besessen war, aber nicht das, was in meinem Kopf war, auf Papier bringen konnte. Dann habe ich angefangen, mit Photoshop zu experimentieren und konnte meine Farben stärker und interessanter gestalten, das kam meiner Vorstellung näher.

Wer sind die Frauen, die du zeichnest?
Viele der Frauen, die ich zeichne, sind von echten Frauen inspiriert. Das sind Frauen, die mich begeistern und mich kreativ inspirieren. Das sind Visionen von mir selbst und von einigen Menschen, denen ich gerne ähnlicher sein möchte.

Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Schräg, verträumt und lebendig.

Wie musst dich fühlen, wenn du arbeitest?
Ich muss in keiner besonderen Gefühlslage sein. Mein Arbeitsplatz muss nur organisiert und hell genug sein und interessante Details haben. Ich hasse es regelrecht, in einer schlecht ausgeleuchteten und unaufgeräumten Umgebung zu arbeiten. Ich fühle mich dadurch unruhig und frustriert, dadurch kann mich kaum konzentrieren.

Warum leben deine Figuren im Weltall?
Ich träume selbst davon, im Weltall zu leben. Und weil sich das wahrscheinlich leider nicht so schnell ändern wird, kommt es dem am nächsten, wenn ich meine Szenen im Weltall spielen lasse. Die Idee vom Leben auf anderen Planeten hat mich schon immer fasziniert, einfach wegen der schieren Weite und der Möglichkeiten in anderen Universen. Wenn ich eine Welt erschaffe, in der diese Dinge Realität sind, fühle ich mich weniger irritiert durch den Fakt, dass sie nicht zu meinem Leben gehören.

Bitte korrigiere mich, wenn ich falsch liegt, aber mir scheint es, dass du mit deinen Illustrationen den weiblichen Körper und das Frausein zelebrierst. Wo stehen wir in der Debatte um Sexualität und Nacktheit? Und was muss noch passieren?
Ja, absolut! Es ist wichtig, dass man sich in seiner eigenen Haut und mit seiner eigenen Sexualität wohlfühlt, was auch immer das für jeden einzelnen heißen mag. Ich hatte das Glück, dass ich in einer Familie großgeworden bin, die offen und kommunikativ war. Ich konnte immer alles fragen, egal was das Thema war. Auch wenn ich nicht so aufgewachsen bin, dass ich mich für mich selbst oder meinen Körper schämen müsste, bin ich natürlich nicht vor dem Gefühl des Selbstzweifels, der Angst und Unsicherheit gefeit, wie es wohl den meisten geht. Mit meinen Illustrationen feiere ich, dass sich Frauen selbst wohlfühlen. Das kann manchmal auch zu einer Art Therapie werden und uns daran erinnern, es ihnen gleich zu tun. Hoffentlich können sich Frauen, die sich meine Zeichnungen anschauen, damit identifizieren.

Ich liebe es, wie stark die Frauen in deinen Illustrationen sind. Woher nimmst du diese Stärke? Und was machst du, wenn es dir schlecht geht?
Ich komme aus einer Familie starker Frauen, die ich sehr bewundere. Ich wünschte mir oft, dass ich tougher und mutiger wäre oder öfter meinen Mund aufmache. Durch das Zeichnen habe ich das Gefühl, dass ich das alles vielleicht auch sein kann.

Welche Botschaft möchtest du vermitteln?
Ich habe keine bestimmte Botschaft. Die Menschen, die sich die Illustrationen anschauen, sollen sich freuen, verstanden fühlen oder dadurch auf irgendeine Art motiviert werden. Wenn das passiert, dann fühlt es sich gut an, Kunst zu machen.

Wie reagieren die Leute auf deine Arbeiten? Gibt es eine Geschichte, an die du dich erinnerst?
Viele schreiben mir einfach nur, um mir zu sagen, dass meine Illustrationen bei ihnen bestimmte Reaktionen ausgelöst haben. Das ist so cool und ehrt mich, aber es ist auch noch komisch. Als ich zu Halloween Fotos von anderen Frauen gesehen habe, die sich selbst als „Robin Eisenberg Alienbabys" verkleidet haben, war das schon schräg. Die coolste Sache überhaupt und das beste Halloween-Geschenk, wenn es so etwas überhaupt gibt.

Was planst du für die Zukunft?
Ich konzentriere mich gerade auf meine Arbeit. Ich habe so viele Projekte für dieses Jahr im Kopf und hoffe, dass ich ihnen gegenüber Auftragsarbeiten mehr Priorität einräumen kann. Toll wäre es, mich selbst zu überraschen, wenn ich etwas total Neues zeichne. Außerdem arbeite ich daran, das Angebot in meinem Onlineshop zu erweitern und neben den Buttons und Aufnähern auch mehr Mode anzubieten. Das langfristige Ziel ist eine Reise durch die Galaxie!

@robineisenberg

Credits


Text: Alexandra Bondi De Antoni
Fotos: Robin Eisenberg