Foto: Katja Sonnewend (links) / Pepper Levain (rechts)

Berlin ist die eigentliche Stadt der Liebe

Im Zuge der Ausstellung "Berlin is for Lovers" haben fünf in Berlin ansässige Fotografen ihre ganz intimen Momente in Polaroids festgehalten.

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Juli 29 2016, 10:45am

Foto: Katja Sonnewend (links) / Pepper Levain (rechts)

Über Berlin kann man viel sagen: Dass es laut ist, bunt, schrill und schnell und man hier gut feiern kann zum Beispiel. Berlin war schon immer und wird immer die Stadt bleiben, in der alles möglich ist, es keine Konsequenzen zu geben scheint und in der man sich von einem intimen Moment zum nächsten treiben lassen kann. Jeder hat seine ganze eigene Liebesgeschichte zu und in der Stadt.


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Wie verschieden diese Geschichten sein können, zeigt die Ausstellung Berlin is for Lovers, die nächste Woche im Impossible Space in Berlin eröffnet wird und bei der fünf Fotografen ihren Blick auf Liebe in Berlin zeigen. Zu sehen sind die Arbeiten von Matt Lambert, Jessica Wolfelsperger, Oliver Mark, Katja Sonnewend und Pepper Levain. Und weil die Ergebnisse unterschiedlicher nicht sein können, wollten wir mehr über die verschiedenen Ansätze wissen und haben die Fotografen vorab nach ihrer ganz besonderen Liebesbeziehung mit Berlin gefragt und uns erklären lassen, was das Besondere an der Sofortbildfotografie ist.

Pepper Levain

"Berlin is for Lovers" – Hast du eine Geschichte dazu?
Es hat eine Weile gedauert, bis ich hier richtig angekommen bin, Berlin kann kalt und anonym sein. Außerdem ist es ein Nirvana für Selbstzerstörung. Mittlerweile habe ich hier in Berlin meine Familie gefunden und liebe die Stadt für ihre wilde Energie, die immer noch anhält. Der wachsende Kapitalismus und die Menschen, die sich mehr mit dem Image von Berlin schmücken, anstatt etwas Eigenes beizutragen, rauben der Stadt ihre guten Vibes, aber das passiert wohl in jeder größeren Stadt. Jeder lebt hier eine ganz eigene Realität. Für mich ist es besonders wichtig, unter Menschen zu sein, die nicht nur vom Image dieser Stadt leben, sondern ihr eigenes Ding durchziehen.

Was ist das Spannendste an Sofortbildfotografie?
Es ist haptisch – Du fühlst, was du tust. Ich lasse die unfertigen Fotos nahe an meinem Körper, da sie durch die Wärme besser entwicklen. Jedes Bild ist wie ein kleines zerbrechliches Kükenkurz vor dem Schlüpfen. Es hat etwas Organisches.

Welchen Moment hältst du am liebsten mit der Kamera fest?
Den Moment, wenn ich einen Look, besonders im Queer Nightlife sehe, der eine ganz eigene Schönheit hat. Diese Porträts haben eine ganz eigene Energie, wie alte Gemälde von Adeligen. Ich porträtiere die Queens von heute.

Intimität bedeutet für mich…
Etwas, das sich zu schwer in Worten beschreiben lässt. Es kann so viel sein und lässt sich nicht kategorisieren.

@pepperlevain

Matt Lambert

"Berlin is for Lovers" – Hast du eine Geschichte dazu?
Als ich ein Teenager war, habe ich ein Haufen Polaroidfilme gestohlen, um dann auf Partys sexy Fotos von Menschen schießen zu können, die nackt in der Küche herumgetanzt sind – du weißt schon, diese Dinge, die auf High School Partys passieren. Danach habe ich irgendwie mein Interesse an Fotografie verloren und habe angefangen, mich fürs Filmemachen zu interessieren. Als ich vor ein paar Jahren nach Berlin gezogen bin, habe ich wieder angefangen mehr zu fotografieren. Einfach als Mittel, um Ideen für Filme zu entwickeln. Ich mag es sehr, darüber nachzudenken, in welcher Weise die Person auf dem Foto das Foto berührt hat – der Rauch in dem Raum, seine DNA, alles hat dieses Bild berührt. In meinen Fotos gibt es keine sexuelle Ausbeutung, mir ist es sehr wichtig, dass jeder begeistert davon ist, ein Teil davon zu sein. Meine Fotos sind natürlich und ehrlich.

Was ist das Spannendste an Sofortbildfotografie?
Der Prozess ist viel fesselnder, vor allem für die Menschen, die abgelichtet werden. Es hat etwas an sich, das dem Ganzen diese dokumentarische Amateurqualität verleiht, gerade dort, wo nicht alles perfekt komponiert ist – Es ist so unmittelbar und ehrlich.

Intimität bedeutet für mich…
Die Person, die das Foto gemacht hat. Sie hinterlässt ein Stück von sich selbst in diesem Foto—das steckt etwas Romantisches dahinter.

dielamb.com

Oliver Mark

"Berlin is for Lovers" – Hast du eine Geschichte dazu?
Ich lebe und arbeite in Berlin und meistens fotografiere ich hier und in der Umgebung.

Welchen Moment hältst du am liebsten mit der Kamera fest?
Man ist so nah an seinen Modellen dran, das ist das Aufregendste.

Intimität bedeutet für mich…
In Bezug auf intime Porträts ist es die Tatsache, dass du mit einer Sofortbildkamera nicht immer unbedingt als Fotograf ernst genommen wirst. Das kreiert oft noch mehr Nähe zum Protagonisten. Ich durfte zum Beispiel Daniel Barenboim auf sein Konzert in Rom begleiten und saß im Flugzeug eine Reihe hinter ihm, wo ich einige sehr intime Fotos von ihm gemacht habe, die ich besonders gerne mag.

oliver-mark.com

Katja Sonnewend

"Berlin is for Lovers" – Hast du eine Geschichte dazu?
Die meiste Zeit verliebe ich mich während des Fotografierens in die Person, die ich ablichte. Fotografie ist ein Zusammenspiel zwischen Zeit und Licht. Ich nehme mir meine Zeit, um Farbe zu zelebrieren. Wenn du anfängst, mit deinem Herzen zu sehen und mit deinen Augen zu fühlen, ist es der perfekte Zeitpunkt, um die Kamera herauszuholen. Solche Momente habe ich meistens in Berlin, meine engsten Freunde leben hier.

Was ist das Spannendste an Sofortbildfotografie?
Ich bin fasziniert davon, dass du Momente des Lebens auf kleinen Papierstücken festhalten kannst. Und weil ich warten nicht leiden kann, ist Sofortbildfotografie wohl die beste Lösung für ungeduldige Menschen wie mich.

Intimität bedeutet für mich …
Nah an der Seele eines anderen zu sein.

sonnewend.com

Jessica Wolfelsperger

"Berlin is for Lovers" – Hast du eine Geschichte dazu?
Die Stadt ist für mich ein verdrehter, charismatischer, gelassener Liebhaber, der mich belebt und mich immer und immer mehr herausfordert.

Was ist das Spannendste an Sofortbildfotografie?
Die spielerische Kombination aus dem Kamerageräusch, der Magie, wenn das Foto dann erscheint, dem Blick auf das Polaroid und die Art, wie es sich in deinen Händen anfühlt.

Welchen Moment hältst du am liebsten mit der Kamera fest?
Den Moment, in dem du einfach nur liebst, was du siehst.

Intimität bedeutet für mich…
Zusammengehörige Seelen.

jessicawolfelsperger.com

Die Ausstellung Berlin is for Lovers eröffnet am 04. August im Impossible Space. Hier findest du alle Infos.