balenciaga-skandal: immer mehr melden sich zu wort

Das französische Modehaus hat sich von der Castingagentur getrennt, der „sadistisches und unmenschliches Verhalten“ gegenüber den Models vorgeworfen wird. Immer mehr bekannte Gesichter aus der Branche durchbrechen die Mauer des Schweigens und melden...

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März 2 2017, 10:55am

Immer mehr Größen der Modeindustrie, darunter Helena Christensen, Alana Zimmer, Joan Smalls, Jacquelynn, Edie Campbell, Creative Movement Director Stephen Galloway und Make-up-Artist Kay Montano, unterstützen den Casting Director James Scully, der vor wenigen Tagen auf Instagram die „sadistische und unmenschliche Behandlung" von Models bei einem Balenciaga-Casting in Paris öffentlich gemacht hat.

Vor zwei Tagen hat Scully einen langen Beitrag detailliert beschrieben, wie 150 Models in einem engen Treppenhaus ohne Licht von den Casting Directors stundenlang allein gelassen wurden. Scully benennt in dem Post Maida und Rami als die Verantwortlichen, damit sind Maida Gregori Boina und Rami Fernandes gemeint. Balenciaga, für die die beiden das Casting durchgeführt haben, hat mittlerweile in einer Stellungnahme den Vorfall verurteilt und bestätigt, dass das französische Modehaus nicht länger mit den beiden zusammenarbeiten wird: „Am Sonntag, den 26. Februar, wurden Balenciaga die Probleme bei dem Modelcasting an dem Tag bekannt. Das Haus hat sofort reagiert und den Castingprozess radikal verändert, darunter auch die Zusammenarbeit mit der aktuellen Castingagentur beendet. Zusätzlich hat Balenciaga an die Modelagenturen, deren Models von dieser besonderen Situation betroffen waren, schriftliche Entschuldigungen geschickt, mit der Bitte, diesen Brief an die Models weiterzuleiten. Balenciaga verurteilt diesen Vorfall und engagiert sich auch weiterhin dafür, dass die Models Arbeitsbedingungen vorfinden, die von Respekt geprägt sind."

Das bekannte Model Helena Christensen hat den Post von James Scully mit den Worten kommentiert: „Danke fürs Teilen! Das ist wichtig. Menschen können solche Drecksäcke sein, selbstsüchtig, arrogant und krank. Teilt diesen Post, Girls, so sorgen für mehr Bewusstsein." Joan Smalls schreibt: „Amen. Man sollte auch mehr casten, um die Industrie gerechter zu machen". Das Model spielt damit auf Scullys Ruf an, der dafür bekannt ist, Diversität in der Modeindustrie großzuschreiben. Alana Zimmer fügt hinzu: „Danke James, dass du über etwas sprichst, dass schon viel zu lange so geht". Hilary Rhodes erklärt: „Ich liebe dich James. Du hast immer das Richtige getan. Du warst schon immer so nett, liebevoll, respektvoll und dir war Vielfalt wichtig. Danke dafür."

Das britische Model Edie Campbell hat das Bild von James Scully geteilt und geschrieben: „Danke @jamespscully dafür, dass du die Leute in der Modeindustrie an den Pranger stellst, die ihre Macht ausnutzen. Und das ist auch ein Dankeschön an alle, die Models, Assistenten oder Praktikanten nicht herabwürdigen, schlechtbehandeln oder schlechtmachen." i-D Coverstar Dilone kommentiert: „Das bedeutet uns so viel! Vielen Dank". Greta Varlese schreibt: „Ein Dankeschön reicht gar nicht x". Für Hollie May Saker sei Scully „unsere Stimme, unser Held". Ähnlich haben sich auch Siouxsie Leenaars, Lida Fox, Julie Hoomans, Ari Westphal, Nimue Smit, Katie Moore, Ali Michael und Julia Stegner geäußert.

Die Reaktionen kommen auch aus dem Establishment des Modebusiness. Antoine Arnault, Sohn von LVMH-Boss Bernard Arnault und CEO von Berluti schreibt: „Wenn du irgendwas in dieser Richtung in unseren Häusern hörst, kontaktiere mich direkt unter @berluti". Alexis Alex Borges, Präsident von Next Models LA, schreibt: „Vielen Dank James! Respekt!" Make-up-Artist Kay Montano hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet: „Vielen Dank für die offenen Worte. Die High Fashion zieht die schlimmste Sorte von Menschen an, die über so etwas hinwegsehen". Zu anderen Unterstützer aus der Industrie gehören die Make-up-Artists vom Streeters Mark Carrasquillo und Tiphaine de Lussy sowie die Textildesignerin und Partnerin bei Dinos Chapman, die Stylistin Lori Goldstein und außerdem Paper Editorial Director Mickey Boardman.

All diese Reaktionen zeigen, dass James Scully mit seinem Post die Kultur des Schweigens über die Behandlung von Models in der Modeindustrie durchbrochen hat. Viele weisen in ihren Kommentaren daraufhin, dass dieser Vorfall kein Einzelfall ist, auch wenn er sehr extrem ist. 

Mittlerweile hat sich Boina gegenüber Business of Fashion zu Wort gemeldet, und alle Vorwürfe abgestritten und das Modehaus dafür verantwortlich gemacht. Wir von i-D hoffen, dass wir als Modeindustrie weiterhin all jene unterstützen, die öffentlich machen, wenn Models, Praktikanten oder irgendeine andere Person schlecht behandelt werden. Wir müssen alle die Modeindustrie zu einem sicheren, freundlicheren und akzeptierenden Ort für alle machen.

Credits


Text: Charlotte Gush
Foto: via Instagram