aus dem sketchbook von laura stellacci und katharina lutat

Wir freuen uns, die Zusammenarbeit zwischen dem Institut für experimentelle Bekleidungsgestaltung der UdK und i-D bekanntzugeben.

von Alexandra Bondi de Antoni
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05 Juni 2015, 9:25am

Junges Designtalent muss gefördert werden! Nachdem wir die deutsche Mode so oft verflucht haben, ist es uns eine besondere Freude, die Kollaboration zwischen i-D und dem Institut für experimentelle Bekleidungsgestaltung der UdK in Berlin bekanntzugeben. In den letzten Monaten hatten wir die Möglichkeit, die Studenten und Arbeiten der Modeklasse in gemeinsamen Essen und Präsentationen im i-D Büro und in der Universität selbst kennenzulernen. Im Zuge des Projektes „I am you and you are me too" sollen die Studenten, die im letzten Jahr vor ihrem Bachelor-Abschluss stehen, ihre bisherige Arbeit hinterfragen, sich vielleicht umorientieren und, bevor sie in die große Modewelt entlassen werden, noch einmal erkennen und verstehen, wo sie mit ihrem eigenen kreativen Schaffen gerade stehen.

„Mir ist es wichtig, dass die Studierenden so kurz vor ihrem Abschluss innehalten und nachdenken. Wir leben in einer solch schnellen Zeit, die von Überkonsum diktiert wird, dass es wichtig ist, zu verstehen, was man eigentlich tut und was man eigentlich will. Wo finden sich gestalterische Allianzen oder Oppositionen? Was sind die Zielsetzungen in der eigenen Arbeit? Welche Motive, Beweggründe und Ziele treiben die Arbeit voran? Welche Rolle spielt der Körper in der Arbeit, welche Rolle Design, Bekleidung und Produkt?", erklärt der Projektleiter Lars Paschke.

Für i-D ist es schon immer wichtig gewesen, die Talente von morgen zu entdecken und zu fördern. Gerade vor dem Hintergrund unseres 35. Geburtstags und unseren Rückblicken ist es wichtig, diesen Aspekt nicht zu vergessen. Das haben wir die letzten 35 Jahre gemacht und das werden wir auch in den kommenden 35 Jahre weiterhin tun.

In den kommenden Wochen werden wir dir einzelne Studenten vorstellen. Gemeinsam haben wir Beiträge erarbeitet, die einen Einblick in das Schaffen von Deutschlands jungen Kreativen geben. Wir beginnen heute mit Laura Stellacci und Katharina Lutat, die gemeinsam an diesem Projekt arbeiten. Sie haben ihr Sketchbook für uns geöffnet, lassen uns an dem Entstehungsprozess ihrer Kollektion teilhaben und erzählen und über ihre Zusammenarbeit.

Wer seid ihr und wie alt seid ihr?
Wir sind Laura Stellacci und Katharina Lutat. Wir sind 23 Jahre und 24 Jahre alt.

Wir studieren Mode, weil ...
Uns das Metaphorische an Mode interessiert; die Möglichkeit, sich mit Textilien einem Thema zu nähern.

So gehen wir an die Kollektionsentwicklung heran ...
Am Anfang steht die Recherche, die den Rahmen des Themas definiert und oftmals nur in Teilen in die praktische Ausführung einfließt. Dabei ist es uns wichtig, tief in das Thema einzutauchen und sich über einen modepraktischen Kontext hinaus damit auseinanderzusetzen. Anhaltspunkte und Bildmaterial finden wir zum Beispiel in Publikationen des Victoria & Albert Museums, historischen Schnittbüchern, aber auch in kostümgeschichtlichen, mode- und kulturtheoretischen Texten und aktuellen Magazinen.

Als nächsten Schritt versuchen wir, Methoden zu entwickeln und Parameter zu setzen, an denen wir unsere Arbeiten immer wieder überprüfen. In unserem aktuellen Projekt spielen Tragbarkeit und die Sensibilität der Materialien eine wichtige Rolle. Außerdem haben wir von Anfang an festgelegt, dass es eine Kollektion nur aus Overalls werden soll.

Die Beschäftigung bleibt selten nur auf das Projekt begrenzt, sondern entwickelt sich oft schon vorher aus Themen, die privater Natur sind und uns interessieren.

Warum arbeitet ihr zusammen?
In den letzten zwei Jahren sind uns gegenseitig Ähnlichkeiten in unserer Arbeitsweise und Gedankenwelt aufgefallen und es war klar, dass wir im Laufe unseres Studiums gemeinsam an einem Projekt arbeiten wollten. Deshalb ist dieses, unser letztes Projekt im Hauptstudium, eine gedankliche und emotionale Zusammenarbeit.

Das beste und vielleicht schlechteste an der Zusammenarbeit?
Das Wertvollste ist die ständige Kommunikation zwischen uns. Was nicht anders ist als in einer guten Freundschaft.

Worum geht es bei eurer Kollektion?
Unsere Kollektion heißt ‚Re: ein androgyner Moment?'
Seit Beginn unseres Studiums ist das Thema des sich wandelnden Körper- und Geschlechterbildes und wie es in der Bekleidung zum Ausdruck kommt für uns beide immer wichtig gewesen, bisher aber vor allem im theoretischen Rahmen. Besonders interessiert hat uns dabei die Untersuchung des zeitgenössischen Männerbildes und seines Ursprungs Ende des 18. Jahrhunderts. Uns faszinieren auch historische Beispiele extremer Körpermodifikation beider Geschlechter durch Bekleidungspraktiken wie Halskrausen oder verschiedenste Ausprägungen der Krinoline und des Korsetts.

Erzählt mir mehr über euren Gedankengang.
Wir haben uns beide mit dem Spannungsfeld von Crossdressing, Verkleidung, Aneignung, Androgynie und Unisex-Mode auseinandergesetzt. Aktuell stellt sich uns die Frage, ob die Tendenz zur Angleichung bzw. Verwischung der Geschlechtergrenzen hinführt zu einer individuellen Freiheit und Gleichberechtigung aller Geschlechter, die sich auch in der äußeren Erscheinung abbildet oder in einem sich stetig veränderndem Crossdressing verharrt. Jeder Körper ist einzigartig und verschieden. Unsere Kollektion versucht, individuelle Merkmale zu unterstreichen, Geschlechterbezüge zu durchmischen und die schmale Grenze zwischen Unisex und Crossdressing zu untersuchen.

Was nehmt ihr aus dem Projekt mit?
Hoffentlich einen Ausblick auf die Zukunft; uns kommt es nämlich so vor, als bewegen uns diese Ideen noch eine Weile länger.

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Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni