Foto: Kyle Weeks  

'DICKPRINT' kämpft gegen die Fetischisierung schwuler, Schwarzer Körper

Woher kommt Fetisch überhaupt? Und wie viel Macht – vor allem vorgetäuschte Macht – steckt dahinter?

von Shakeena Johnson
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02 Juli 2019, 2:50pm

Foto: Kyle Weeks  

Es ist nicht ungewöhnlich, dass wir im Internet auf Ausdrücke wie "keine Dicken, keine Fems, keine Schwarzen und keine Asiaten" stoßen. Auch Aussagen wie "Er ist zu schwul, um Schwarz zu sein oder zu Schwarz, um schwul zu sein" sind leider verbreitet – und weit weg von einem offenen Umgang mit Schönheit, Sexualität und Akzeptanz.

CSM-Absolvent Kacion Mayers wehrt sich gegen diese Diskriminierung mit seinem Magazin DICKPRINT: Es ist kompromisslos Schwarz, kompromisslos schwul, kompromisslos sexuell. Die Inspiration dahinter? Seine eigene Frustration über all das, was bei schwulen, Schwarzen Männern als "sexy" bezeichnet wird. Auf über 250 Seiten erstreckt sich Mode, Fetisch und Nacktheit in seiner vollsten Form. i-D Fashion Editor At Large Ibrahim Kamara und Stylist Ola Ebiti fangen die wahre Energie der schwulen Kultur durch die Augen und den Kopf eines schwulen, Schwarzen Mannes ein.

Obwohl die Schnittstelle zwischen Fetisch und Mode nichts Neues ist, präsentiert DICKPRINT sie auf einzigartige, authentische Weise und frei von vorurteilsbehafteten Wahrnehmungen. Für Kacion geht es vor allem um die Fetischisierung schwarzer Körper – sowohl in den Mainstream-Medien als auch auf Dating Apps wie Grindr.

Vor der Veröffentlichung der ersten Ausgabe haben wir uns mit dem CSM-Absolventen über Fetischisierung und natürlich Penisse unterhalten.

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Styling: Ibrahim Kamara. Foto: Kyle Weeks

Was hat dich dazu inspiriert, ein Magazin über Mode, Fetisch und Penisse zu machen?
Es war Teil meines Abschlussprojekts an der Uni; damals bin auf eine Stelle in Man Rays Memoiren Self Portrait gestoßen, in der er über seine Reise nach Paris erzählt. Er hat Koffer voller Holzobjekte gefunden, darunter auch Abbildungen von Fetisch-Idolen aus dem Kongo. Sie sind Machtfiguren, die angeblich besondere Kräfte hatten, wie zum Beispiel Streitereien zu lösen und Krankheiten zu heilen. Doch für die westlichen Schwulen waren es nur kleine Holzobjekte. Das hat mich nachdenklich gemacht: Woher kommt Fetisch überhaupt? Und wie viel Macht – vor allem vorgetäuschte Macht – steckt dahinter? Wenn du heute daran denkst, geht es bei Fetisch in erster Linie um die Macht der Kleidung. Mich hat dagegen die Verbindung zwischen Sex und Lust interessiert.

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Styling: Ola Ebiti. Foto: Danielle Fummo

Wenn wir schonmal dabei sind, was bedeutet das Wort DICKPRINT für dich?
DICKPRINT hat zwei Bedeutungen: Es ist die zeitgenössische Idee von Fetisch und Penissen, hat gleichzeitig aber auch eine wortwörtliche Bedeutung. Ich hatte das Gefühl, dass viele schwule Männermagazine aggressiv wirken. Klar, wir können sehr sexuell sein, sogar hypersexuell. Das Problem ist nur, dass diese Sexualität immer aggressiv dargestellt wird. Die schwulen Mainstream-Medien haben sich in den letzten 30 bis 40 Jahren nicht wirklich verändert, in keine andere Richtung entwickelt. Genau das hat mich dazu bewegt, mein eigenes schwules Magazin zu machen. Ich wollte zeigen, dass es mehr gibt, als bisher immer dargestellt wurde.

Fetischismus ist eines der Schlüsselelemente in DICKPRINT. Wie kam es dazu?
Es ging mir auch um die Macht von Kleidung. Etwas, das wir leicht übersehen. Mode spielt in unserem Alltag eine entscheidende Rolle. Was du trägst, gibt dir Macht. Alleine zu wissen, dass du mit Mode etwas bewirken kannst. Stell dir vor, du gehst zu einem Vorstellungsgespräch. Vermutlich trägst du einen schönen Anzug, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Das Gleiche gilt, wenn du dich sexy fühlst und eine Lederhose oder einen Seidentanga trägst. Das alles ist ein Spiel mit der Macht.

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Ein weiteres Schlüsselelement ist die schwule Kultur. Wie wichtig war es für dich als schwuler, Schwarzer Mann, dass alles im Magazin perfekt recherchiert und dargestellt wird?
Ich wollte schwule Geschichte und Kultur nicht zensieren. DICKPRINT erkundet diesen wirklich großen Teil unserer Community, den Leute gerne stigmatisieren. Ob sie es zugeben wollen oder nicht: Fetischismus, Sex und Körper sind Teil unserer Kultur – und das macht dieses Magazin so wichtig. Bei meiner Recherche stellte ich fest, dass viele schwule Männermagazine diesen Teil nur sehr oberflächlich behandeln – und sich nicht mit den Hintergründen beschäftigen. Das hat mich frustriert, also habe ich nach spezifischen Themen und Menschen recherchiert.

Ich war zum Beispiel überwältigt von dem queeren Künstler Ajamu aus Jamaika, der Mitte bis Ende der 90er Sexpartys für Schwarze Schwule in Brixton veranstaltete. Davon habe ich noch nie etwas gehört. Ich bin auch zum Bishopsgate Institute in London gegangen und habe herausgefunden, dass das erste LGBT-Treffen Schwarzer Schwuler in Camden stattfand. Aber versteh mich nicht falsch, DICKPRINT ist mehr als eine Schwarze Publikation. Es ist für Menschen wie mich. Als Schwarzer, schwuler Mann spreche ich Leute an, die meine Erfahrungen teilen können. Es ist für Jungs, die Jungs mögen, und für die, die einfach nur neugierig sind. Nimm das Magazin gerne in die Hand und lies darin, es ist wirklich interessant.

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Styling: Ibrahim Kamara. Foto: Kyle Weeks

Die Mehrheit der Leute, die an DICKPRINT mitwirken, sind schwule People of Colour. Ich gehe davon aus, dass das eine bewusste Entscheidung war.
Immer wenn queere, Schwarze Männer in schwulen Mainstream-Medien dargestellt werden, passiert das durch die Augen weißer Männer. In diesen Darstellungen schwingt oft ein subtiler oder sogar offenkundiger sexueller Rassismus mit. Das Magazin sollte von Schwarzen, queeren Männern fotografiert und gestylt werden, die sich in ihrem Körper wohlfühlen und das in ihrer Arbeit kommunizieren möchten. Alle, die meine Vision teilten, haben sofort verstanden, worum es mir ging.

Hier kannst du mehr über DICKPRINT erfahren. Dieser Artikel stammt ursprünglich von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.