Fotos: Lesha Berezovskiy

Das sind die Frauen hinter 'TIGHT', die neue Plattform für Underground-Musik

Dem Trio aus Kiew geht es um Inhalte, die über die Tanzfläche hinausgehen.

von Juule Kay
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25 März 2019, 11:31am

Fotos: Lesha Berezovskiy

Über Musik zu schreiben, ist nicht immer so einfach, wie es sich vielleicht anhört. Es ist vielschichtiger, komplexer. Wenn du es spannend aufziehen willst, musst du neue Formate finden, die auch Leser in den Bann ziehen, die keine Ahnung von dem haben, was du da eigentlich schreibst. Etwas, das TIGHT ganz wunderbar auf die Reihe bekommt, indem das ukrainische Online-Magazin jegliche Form von "einfachem" Content von ihrer Website verbannt. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Geschichten, die tiefer ansetzen als austauschbare Festival- oder Record Reviews. Ihr Fokus liegt auf den Persönlichkeiten. Das, was hinter der Musik steckt. Manchmal trinken sie aber auch mit Underground-Größen und erfahren die wirklich wichtigen Dinge des Lebens ... dazu gehört auch die ein oder andere seltsame "Damals, als ich sehr betrunken war"-Geschichte (wenn sich die Protagonisten denn noch daran erinnern können).

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Foto: Lesha Berezovskiy

"TIGHT wurde aus dem Gefühl heraus geboren, dass wir etwas anders machen können", erklärt Tanya Voytko, eine der drei Gründerinnen. Sie traf Maya Baklanova, die für die Kommunikation und Koordination verantwortlich ist, auf einem Protest gegen die unfaire Drogenpolitik, der nach einer brutalen Polizeirazzia in einem der Clubs in Kiew stattfand. "Wir haben zu Drum and Bass vor dem Regierungsgebäude getanzt und sofort eine Verbindung gespürt", erzählt Tanya weiter. Später kam das dritte Mitglied, Vita Zhyriakova, hinzu, die mittlerweile in Stockholm lebt. Gemeinsam mit Jugoceania, ein kleines Design Studio aus Kiew, ist sie für die Website und Art Direction der Seite zuständig.

"Wir wollten uns selbst herausfordern und eine Plattform kreieren, die die Leser näher zueinander bringt", so Vita. "Wir wollen, dass du die Artikel fühlst – und das nicht nur mit Worten." Damals gab es noch keine passende Plattform, die das geschafft hätte. Keine russischen oder ukrainischen Medien, die über die Musik schrieben, die ihnen gefiel. Also entschied sich das Trio dazu, ihr eigenes aufzuziehen. Aus Freundschaft heraus geboren, ist TIGHT mehr als nur eine weitere Online-Plattform, die sich rund um experimentelle Musik dreht. TIGHT findet auch im echten Leben statt, mit Workshops und Lesungen, Partys und Ausstellungen, die von der Crew und ihren Freunden organisiert werden.

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Foto: Lesha Berezovskiy

Alle, die sich in der Underground-Musikszene von Kiew noch nicht auskennen, sollten ihr definitiv eine Chance geben. In nur wenigen Jahren wurde der berüchtigte Cxema-Rave zu einem weltweiten kulturellen Phänomen, während Closer, einer der größten Clubs der Stadt, jedes Wochenende Acts wie Helena Hauff und Seth Troxler beherbergt. "Die Musikszene hier ist definitiv gerade im Kommen, auch wenn es immer noch zu wenige Künstlerinnen gibt", erklärt Maya. "Namen wie ШЩЦ, Worn Pop und die Schwulenparty Veselka bringen Diversität und einen positiven Vibe voller Freiheit in die Stadt. Und Freiheit haben wir sehr viel hier, weil im Grunde keiner den Kulturraum kontrolliert."

Tight Lesha Berezovskiy
Foto: Lesha Berezovskiy

Diese Freiheit spiegelt sich auch in TIGHT wider. Tanya, Maya und Vita wollen sich nicht auf die ukrainische Szene einschränken lassen, sondern sehen sich selbst, aufgrund der unendlichen Möglichkeiten, die ihnen das Internet bietet, als global. Und wenn wir schon mal dabei sind, stellt sich nur noch eine Frage: Mit wem würden die Drei gerne das nächste Bier im Zuge ihrer "Drinking With"-Serie exen? "Mit Lorenzo Senni. Ich glaube, er hat einige lustige Geschichten zu erzählen", sagt Maya. "Manchmal sehe ich mit mit Cosey Fanni Tutti trinken und über das Leben philosophieren", hakt Tanya ein. " Linn da Quebrada, ohne Frage", so Vita. "Ihre Musik ist brutal, ehrlich, politisch und ihre Performances so gut, dass sie nur schwer in Worte zu fassen sind." Dinge, die sich auch über TIGHT sagen lassen.

@tight_magazine

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