Fotos: via i-D US / Courtesy of Mary Neely

Zwei beste Freundinnen, ein pinker Wohnwagen und zu wenig Antidepressiva

Der Kurzfilm "Pink Trailer" ist die perfekte Metapher für das Erwachsenwerden in all seiner Unberechenbarkeit.

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Aug. 7 2018, 11:19am

Fotos: via i-D US / Courtesy of Mary Neely

"Jeder denkt, dass sie Teenager sind", sagt Regisseurin Mary Neely über die beiden Hauptfiguren in Pink Trailer. Die Tatsache, dass die beiden Protagonistinnen in ihren Zwanzigern sind, macht den Film noch absurder. Die Story ist einfach erklärt: Lucy (Macey Isaacs) und Julie (Jenny Leiferman) vergraben sich im Haus von Lucys Oma und versuchen, jede Verantwortung zu vermeiden. Das Setting fühlt sich dabei an wie eine pinkfarbene Zeitkapsel voller beängstigender Puppen, Plastikblumen und Gesellschaftsspielen.


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Aus der anfänglichen Langeweile wird pure Angst, als Lucy feststellt, dass sie sich der Vorrat an Antidepressiva dem Ende neigt. Dank des gruseligen Nachbarns Benny, der um den Wohnwagen herumschleicht und hofft, mit ihnen abhängen zu können, traut Lucy sich nicht, ihr Zuhause zu verlassen, um zur Apotheke zu gehen. Der Film ist mit seinem pinkfarbenen Setting und den jugendfreien Wahrheit-oder-Pflicht-Spielen eine perfekte Metapher für das Erwachsenwerden mit all seiner Unberechenbarkeit. Wir haben uns mit der Regisseurin Mary Neely über psychische Gesundheit, ihre Inspirationen und das Erwachsenwerden im echten Hollywood unterhalten.

Die Einrichtung in dem Haus ist total verrückt. Wie kam es dazu?
Das ist der Wohnwagen von Maceys Familie. Macey und Jenny haben ihre Oma in San Bernardino besucht, ein Familiending. Du betrittst das Haus dieser Frau und es ist, als würdest du in eine andere Welt eintauchen. Die Einrichtung sieht wirklich so aus – wir haben nichts verändert.

Wie bist du das Thema psychische Gesundheit für Pink Trailer angegangen?
Jenny und Macey haben beide selbst Erfahrungen mit dem Thema. Ich habe auch meine eigenen Erfahrungen und sehe die beiden Charaktere als Facetten: Macey will ihre Medikamente und aus dem Haus raus und Jenny hat so viel Angst vor der Außenwelt, dass sie das Haus nicht verlassen will.

Woher nimmst du deine ganze Inspiration?
Ich bin mit Musicals aufgewachsen und habe sie so lange angeschaut, bis die DVD kaputtgegangen ist. Als kleines Kind habe ich immer Theater gespielt, das hat mich sehr geprägt. Ich habe schon früh erlebt, was Filme für verschiedene Menschen bedeuten können – und habe meine eigene Nische erst gefunden, als ich auf der Uni einen Kurs in dänischer Filmgeschichte belegt habe. Das hat meine Sicht auf Film völlig verändert, insbesondere die Dogme-95-Bewegung.

Warum ist Los Angeles so präsent in deinen Arbeiten?
Hier fühlt sich jedes Viertel wie eine andere Stadt an. Mein Vater hat in den 70ern als Taxifahrer gearbeitet, er hat mich oft mit dem Auto mitgenommen und mir viele Geschichten über bestimmte Orte erzählt, das hat meine Sicht auf Los Angeles geprägt. Die Freunde meiner Eltern waren vor allem Kostümbildner, Regieassistenten, Drehbuchautoren und Schauspieler, die in billigen Produktionen auf dem Sunset Boulevard mitgearbeitet haben, um sich ihr Leben zu finanzieren. Ich bin also mit der Realität aufgewachsen, es hatte nichts Glamouröses, das du mit Hollywood verbindest.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.