Dani Coyle aka @inter_sexy 

Intersex Awareness Day: "Unsere Körper für das feiern, was sie sind"

Aktivist_in und Künstler_in Dani Coyle erzählt, warum es ziemlich toll ist, intergeschlechtlich zu sein.

von Dani Coyle
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26 Oktober 2019, 7:22am

Dani Coyle aka @inter_sexy 

Solltest du dir unsicher sein, was Intergeschlechtlichkeit bedeutet, dann bist du definitiv nicht allein. Aus meiner Erfahrung heraus haben die meisten Leute keine Ahnung – und genau das ist einer der Gründe, warum es den 'Intersex Awareness Day' gibt. Um Menschen zu informieren, um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, um die Vielfalt unserer Körper zu feiern.

Das Wort Intergeschlechtlichkeit ist ein Sammelbegriff, der dann verwendet wird, wenn Menschen mindestens eine Abweichung in ihren Geschlechtsmerkmalen aufweisen, die nicht zu dem traditionellen Verständnis eines männlichen oder weiblichen Körpers 'passt'. Manchmal werden diese Variationen schon bei der Geburt festgestellt, bei einigen wird es erst während der Pubertät oder noch viel später im Leben deutlich. Ich habe mit 14 Jahren herausgefunden, dass ich inter* bin.

An diesem Tag, dem internationalen 'Intersex Awareness Day', möchte ich über ein paar der Dinge sprechen, warum ich es liebe, inter* zu sein. Wir sind nämlich keine medizinischen Versuchskaninchen für Chirurg_innen – wir sind ziemlich coole Menschen. Menschen mit Körper, mit Persönlichkeit, mit verschiedenen Identitäten.


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Aber eines vorweg: Meine Erfahrungen als intergeschlechtliche Person repräsentieren natürlich nicht die Erfahrungen aller inter*-Personen. Außerdem möchte ich nicht die Probleme von intergeschlechtlichen Menschen kleinreden oder abwerten. Ich weiß selbst nur zu gut, dass es kein leichter Weg ist. Doch genau deswegen nutze ich jede Chance, die Liebe zu uns selbst, unsere Erfolge zu feiern.

Also, nun zu den tollen Sachen: Ich habe nie meine Periode bekommen, was ich als ziemlich fetten Gewinn betrachte, wenn ich so sehe, was bei den Menschen in meinem Leben passiert, die menstruieren. Ich bin zwar eine Frau, aber ohne die monatlichen Schmerzen oder die vom Patriarchat erhobene Luxussteuer auf notwendige Hygieneartikel. Wenigstens spare ich so jeden Monat ein paar Euro.

"Als ich jünger war, hätte ich alles dafür gegeben 'normal' zu sein."

Mir wachsen keine Achselhaare. Eine andere Sache, die in Erzählungen eher nervig klingt. Respekt an alle, die welche haben, doch ich habe das frisch-rasierte Gefühl jeden Tag meines verdammten Lebens, ganz ohne Gillette.

Noch was, das ziemlich super ist: Ich existiere irgendwo zwischen den binären Gender-Grenzen. Eine Erfahrung, die viele Menschen niemals machen werden. Als ich jünger war, hätte ich alles dafür gegeben 'normal' zu sein. Doch jetzt finde ich Kraft in meiner maskulinen und meiner femininen Seite, die beide gleichzeitig in mir leben.

Ganz wichtig für mich: Ich bin Teil einer unglaublichen Community. Zugegeben, diese Community erst einmal zu finden, war nicht ganz leicht, aber dem Internet sei dank ist es viel leichter sich mit anderen zu connecten, die deine Erfahrung (wenn auch nur ansatzweise) teilen. Diese Menschen allein digital kennenzulernen, ist schon fantastisch, doch ich wollte einige dieser Personen auch IRL treffen. Also habe ich eine Porträt-Reihe über Intergeschlechtlichkeit gestartet, von der ihr hier auch einige Bilder sehen könnt.

"Wenn wir aktiv darüber sprechen, was wir an unserer Intergeschlechtlichkeit mögen, können wir hoffentlich ein neues Narrativ kreieren."

Eine Sache, die ich während des Projekts gelernt habe: wie komplett unterschiedlich alle unsere Geschichten sind. Es gibt nicht nur eine inter*-Identität. Und obwohl jede Reise anders ist, so verbindet uns doch alle eine angeborene queere Erfahrung, die Scham und das Stigma bekämpfen zu müssen, die sich durch so viele unserer Leben ziehen.

Denn darum geht es heute wirklich: Die Scham etwas mildern. Allein dadurch dass wir diese Konversation führen. Wenn wir aktiv darüber sprechen, was wir an unserer Intergeschlechtlichkeit mögen, können wir hoffentlich ein neues Narrativ kreieren. Eines, in dem wir nicht dazu 'verflucht' sind in einem inter*-Körper zu leben. Eines, in dem wir fähig sind, unsere Körper zu lieben und zu feiern für genau das, was sie sind.

Gemeinsam mit der Gruppe 'Voices 4 Berlin' hat Danielle eine Demonstration organisiert, die heute ab 13 Uhr in Berlin stattfinden wird. Mehr Infos findet ihr hier.

River-Gallo-intersex-awareness-day
"Ich liebe es, inter* zu sein, da es mir geholfen hat, mich selbst zu finden. Mit einem Körper geboren zu werden, der außerhalb der binären Grenzen liegt, erlaubt es mir, niemals nur eine Sache zu sein – und das zu feiern. Es gibt zwar auch Herausforderungen, aber inter* zu sein ist wunderschön." - River Gallo, they/them, Foto: Dani Coyle im Rahmen des Projekts @inter___face
Noah-intersex-awareness-day
"Ich liebe es, wie viele intergeschlechtliche Menschen in der Lage sind, ihre Energie umzuleiten und das, was uns angetan wird, in etwas Schönes, Starkes zu wandeln. In einer Welt, die so darauf erpicht ist, uns auszuradieren, ist es eine Form des Widerstands meinen Körper zu lieben." - Noah, Prinzess_in, Foto: Dani Coyle im Rahmen des Projekts @inter___face

And for our English speaking friends:

If you're not sure what intersex means, you're not alone. From my experience, most people don't, and that's one of the reasons we have intersex awareness day: not only to inform people about what it is, but also to share our experiences, raise awareness of the issues we face, and celebrate the diversity of our bodies.

The word intersex "is an umbrella term that refers to people who have one or more of a range of variations in sex characteristics that fall outside of traditional conceptions of male or female bodies. For example, they may have variations in their chromosomes, genitals, or internal organs like testes or ovaries. Sometimes these characteristics are identified at birth, while other people might not discover they have intersex traits until puberty or later in life."

I found out I was intersex when I was 14, but you can read more about my experience here. On this day, I want to talk about some of the reasons I love being intersex, because we're not just medical play-toys for surgeons, we're people with bodies and identities that are fucking cool.

Firstly, a small disclaimer: my experience of being intersex doesn't represent that of every other intersex person, just like the experience of any one human can't be representative for any group. I also don't want to undermine or devalue the struggles intersex people face, because it hasn't been an easy ride (for myself included), but that's exactly why I'd like to celebrate our self-love victories when we get the chance.

So, for the cool things: I don't get a period, which, after living with people who do my whole life, I consider that a damn big win. I get to be a woman, but without the messy inconvenience, the monthly pain, or the patriarchy taxing my necessary sanitary products as 'luxuries'. If nothing else, at least I save a few bob each month.

I don't grow armpit hair, which just seems like another thing that would be annoying to have. Power to those that have it and all that, but I get that fresh-shave feeling every day of my damn life, no Gillette required.

I also get to exist in-between the binary, which is an experience a lot of people will never discover. When I was younger, I would have done anything to be 'normal', but now I find power and strength in both the masculine and feminine sides which exist within me, and a freedom in exploring the inherent liminality in my existence.

Lastly, I also get to be part of an incredible community. Granted, this community hasn't always been easy to find, but now with the help of *ThE iNtErnEt*, it's far easier to connect with others who've shared your experience in one way or another. These online link-ups are fab, but I also wanted to meet some of these humans IRL, so started an intersex portrait series.

One thing I learned through this project is just how different all of our experiences are. There is no one singular intersex identity, and although each of our journeys has been so different, something that connects us all is the inherently queer experience of battling the shame and stigma so many of us are made to carry throughout our lives. But this is what today is all about: alleviating some of that shame, simply by having these kinds of conversations. Hopefully by providing the opportunity to discuss what we actively enjoy about being intersex, we can bring about another narrative: one in which we're not 'cursed' to live in intersex bodies, but able to love and celebrate them for what they are.

Thanks again to Eloise Knights.

If you want to join a protest to #endintersexsurgery, look no further. Here you can find out more about the protest organised by Danielle and Voices 4 Berlin.

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"Ich liebe es, inter* zu sein, wegen der Community, die es schafft. Klar, wir haben alle Schmerzen. Doch wir teilen sie in der Hoffnung auf Fortschritt. Eine sehr menschliche Erfahrung." Hans Lindahl, she/they, Foto: Dani Coyle im Rahmen des Projekts @inter___face
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"Es ist nicht cool, inter* zu sein, ich bin es einfach. Es ist nichts sonderlich 'Cooles' daran, aber ich habe das Recht zu existieren. Intergeschlechtlichkeit ist tatsächlich recht normal, für mich zumindest. Ich möchte, dass Menschen das sehen und respektieren, das ist alles. Wir sind nicht krank und wir sollten das Recht haben, uns nicht entscheiden zu müssen, ob wir als Mann oder Frau leben wollen. Wir sind, was wir sind." - Lynn, he/they, Foto: Dani Coyle im Rahmen des Projekts @inter___face

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