Foto via i-D UK

10 verrückte Dinge, die du noch nicht über "Gummo" wusstest

"Ich will einfach gebratene Bacon-Streifen an den Wänden sehen, denn sowas gibt es in keinem anderen Film."

von Oliver Lunn
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16 August 2017, 12:25pm

Foto via i-D UK

1997 hat die New York Times Gummo als "schlechtesten Film des Jahres" betitelt. Werner Herzog wiederum hat ihn einen "wahren Science-Fiction-Film" genannt. Regisseur Harmony Korine hat ihn selbst als "neuartigen Film" beschrieben, weigerte sich aber, ihn zu analysieren. "Eher springe ich aus dem Fenster und erschieße mich", hat er einst gesagt. Über die Jahre hinweg hat er dennoch einige interessante Dinge über sein Regiedebüt Gummo zu sagen.


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Wahrscheinlich weißt du, dass der Titel eine Hommage an den Schauspieler Gummo Marx ist; dass Korine erst 23 Jahre alt war, als er den Film gedreht hat; und dass er zu Gast bei Letterman einige verrückte Dinge wie "Ich will Tom Cruise in einer Minstrel-Show sehen" gesagt hat. Aber es gibt so viel mehr Fakten zum Film, von denen du wohl noch nie gehört hast. Wir haben zehn davon für dich herausgesucht.

Korine hat Tummler gecastet, nachdem er ihn in der Talkshow M y Child Died From Sniffing Paint gesehen hat
Korine hat sich eine Folge der Talkshow My Child Died From Sniffing Paint angesehen, als er Nick Sutton (Tummler) entdeckt hat. Darin ging es um Drogenprävention, und Sutton wurde als ein ehemaliger, überlebender Lack-Schnüffler ins Studio geholt. Den Großteil der Besetzung für Gummo habe er sehr schnell und unter den merkwürdigsten Umständen überhaupt gefunden, sagt Korine. "Ich habe mir selbst nur 45 Minuten gegeben, um alle Schauspieler auszuwählen, beispielsweise bei Burger King oder in einem Schlachthaus." Ganz offensichtlich hat er Chloë Sevigny nicht an einem dieser Orte gefunden – sie hat er damals nämlich gedatet.

Cherie und Marie Currie haben als Vorlage für Dot und Helen gedient
Dot und Helen sind die beach-blonden Schwestern, die im Film ihre Nippel abkleben und zusammen auf einem Bett rumhüpfen. Gespielt wurden sie von Chloë Sevigny und Carisa Barah, denen die Sängerinnen und Zwillinge Cherie und Marie Currie von den The Runaways als Vorbild gedient haben sollen. Und sie sahen wirklich wie die beiden aus. "Ich wollte das im Film mit dabei haben, aber es sollte nicht sinnlos sein. Sie sollten sich ihrer Umgebung anpassen. [Der Film] ist eine Mischung aus Geschichte und Popkultur." Wir fragen uns, was die Currie-Zwillinge wohl von dem Film gehalten hätten ...

Die Hälfte des Films wurde am letzten Drehtag aufgenommen
"Die Dreharbeiten haben insgesamt zwei Monate gedauert, aber am letzten Tag haben wir den halben Film gedreht", erklärt Korine. Warum? Weil er auf den Regen gewartet hat, um die Szene zu drehen, in der der als Hase verkleidete Junge das Mädchen am Pool zu Roy Orbinsons Crying küsst. Am selben Tag hat er auch die Wrestling-Szene mit dem Stuhl und seinen berüchtigten Gastauftritt mit dem Kleinwüchsigen auf dem Sofa gedreht. Dazu gleich mehr.

Korine war während des Drehs verrückt nach Bacon
"Als ich Gummo gemacht habe, war ich total besessen von Bacon", sagt der Regisseur. "Und es geht hier nicht um den Maler Francis Bacon; es geht um echten, köstlichen Bacon. "Ich habe diese Baconstreifen angestarrt und mich irgendwie mit ihnen verbunden gefühlt." Dieses Gefühl war so stark, dass er dem Bacon eine eigene Rolle gegeben hat. "In manchen Szenen ist er zu sehen, er war für mich meine Ästhetik." Und damit lügt er nicht. Als Solomon in der Badewanne sitzt, ist ein mit Tesafilm an der Wand befestigtes Stück Bacon zu erkennen. Werner Herzog hat das sogar mal in einem Interview mit dem Regisseur angesprochen, der daraufhin antwortete: "Ganz ehrlich, alles was ich damals sehen wollte, waren Baconstreifen, überall, denn das gab es in kaum einem anderen Film."

Nach seinem betrunkenen Gastauftritt hat er seine Schwester durch ein Fenster gestoßen
Korine war bei der Szene, in der er sich mit dem Kleinwüchsigen unterhält und sein Bier überall verschüttet, wirklich betrunken. "Ich musste in einem bestimmten Zustand sein, also haben wir uns diese Szene für den Schluss aufgehoben", sagt er. Das war kurz vor der Abschlussparty nach dem Drehschluss in einem Stripclub in Nashville. Korine hat es aber nicht bis dahin geschafft. "Ich war total fertig und sehr aufgeregt", erzählt er weiter. "Es war etwa vier Uhr morgens, und ich glaube meine Schwester ist zu mir hochgekommen, um mich zu umarmen und mir zum Ende der Dreharbeiten zu gratulieren, und dann ist irgendwas passiert und ich hab sie durch ein Fenster gestoßen. Und der eine Helfer, der wie Meister Proper aussah, hat sein Taschenmesser rausgezogen und auf mich eingestochen… und so ist es zu Ende gegangen."

Sein größtes Vorbild war ein englischer Regisseur
Manche erkennen in Gummo Einflüsse aus Diane Arbus' Fotografie, andere sehen darin Ähnlichkeiten zu John Cassavetes. Die meiste aber, so Korine, übersehen den Einfluss des englischen Regisseurs Alan Clarke. "Für mich war [Clarke] der wichtigste Regisseur… Er hat diesen einen Film gemacht, Christine, über den nicht oft gesprochen wird, das ist einer meiner Lieblingsfilme." In Christine geht es um den Alltag eines jugendlichen Heroin-Abhängigen. Wenn ihr euch für die Wurzeln von Gummo interessiert, solltet ihr unbedingt Clarkes Film anschauen.

Korine hat in einem von Ungeziefer befallenen Haus FlipFlops und Badehosen getragen, um das weinerliche Team aufzuregen
Das Team hat auch an einigen heruntergekommenen Orten in Nashville gedreht. Das schlimmste waren die von Ungeziefer befallenen Häuser, in denen die Leute wie Ratten gelebt haben. "In einem davon habe ich in einem der Kopfkissenbezüge ein Stück Schulter von jemandem gefunden", hat Harmony Korine Werner Herzog erzählt. "Manchmal hat sich das Team geweigert, unter solchen Umständen zu drehen. Wir mussten ihnen also diese weißen Ganzkörper-Anzüge besorgen, die im Fernsehen immer getragen werden, wenn eine nukleare Katastrophe droht. Ich wurde sauer, weil sie sich in meinen Augen wie Weicheier verhalten haben. Ich meine, wir sprechen hier von Käfern und einem ekelerregenden Gestank, das ist auch schon alles."

Er hat den Profi-Skater Mark Gonzales einfliegen lassen, um die Wrestling-Szene mit dem Stuhl zu drehen
Profi-Skater Mark Gonzales, aka The Gonz, ist der Typ, der mit dem Stuhl ringt, während ein Haufen oberkörperfreier Proleten ihn anfeuern. "Er war einer der besten Stuhl-Wrestler, die ich je gesehen habe", sagt Harmony Korine. Der Regisseur hat Gonz aus LA einfliegen lassen, um die Szene am letzten Drehtag zu filmen. Er selbst kennt die Skate-Community schon aus der Zeit vor Kids, als er im Washington Square Park geskatet ist. Korine ist bis heute mit The Gonz befreundet und hatte ihn vor Kurzem für einen Werbespot von Supreme vor seiner Kamera.

Die New York Times hat Gummo als "schlechtesten Film des Jahres" betitelt
In der ersten Rezension der NY Times hat Janet Maslin Gummo damals den schlechtesten Film des Jahres genannt. "Wenn es um Wunderknaben geht, die sich im Genre des Indie-Films ausprobieren wollen, ist hier eindeutig Schluss", schreibt sie. Offenbar hat diese eine Review den Verleih des Films richtig ins Stocken gebracht. "Ich glaube, dass danach nur noch 15 Kopien oder so rausgebracht wurden", sagt Korine. Teilweise ging es auch darum, dass dem Regisseur vorgeworfen wurde, er habe die Schauspieler, "ein Aufgebot an Freaks", wie es in der Times hieß, ausgenutzt. Korine hat sich dazu bereits geäußert. Mit Bezug auf das Mädchen mit Down-Syndrom sagte er: "Ihre Schönheit ist für mich offensichtlich und transzendent. Und der Vorwurf der Ausbeutung macht mir überhaupt nichts aus, denn ich zeige, was ich sehen will und nutze die Menschen nicht aus. Ich habe niemanden dazu gezwungen, etwas gegen ihren oder seinen Willen zu tun."

Gummo hatte in einem Film von Hype Williams mit DMX und Nas einen Gastauftritt
Zugegeben, das hat nur indirekt mit Gummo zu tun, aber das muss an dieser Stelle erwähnt werden, weil es so außergewöhnlich ist. In Hype Williams Film White Lines – im Teufelskreis des Verbrechens aus dem Jahr 1998 gibt es eine Szene, in der DMX und Nas total high in einer Villa sind und sich die "töte den Hasen"-Szene aus Gummo anschauen. Ihre Reaktion auf Korines Film? "Was für ein kranker Scheiß." Wir haben keine Ahnung, wie ein alter Independent-Film es in ein starbesetztes Drama geschafft hat. Vielleicht war es ein Insiderwitz. Vielleicht sind Korine und Hype Williams Kumpels. Vielleicht ist DMX einfach ein Riesen-Fan von Gummo. Vielleicht werden wir die Antwort auf diese Frage eines Tages erfahren. Vielleicht aber auch nicht.

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.