Rhye über Abschiede, mehr Abenteuer im Leben und sein neues Album

Der kanadische Sänger teilt seine Gedanken und gibt uns dabei die ein oder andere Lebensweisheit mit auf den Weg.

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Feb. 1 2018, 3:06pm

Foto: Genvieve Medow

Melancholische Musik ist großartig. Bist du traurig, kannst du dich durch sie noch mehr im Selbstmitleid sullen. Bist du mal wieder (zu Recht) dramatisch, unterstreicht sie mit einer Leichtigkeit jedes noch so banale Gefühl. Und auch wenn du glücklich bist und die Welt umarmen willst, schaffen es melancholische Melodien und Texte, Tränen in die Augen zu treiben. Rhye hat uns nun, nach langem Warten, schon jetzt das Herzschmerz-Album des Jahres (ja, das dürfen wir bereits im Februar sagen) beschert.

Blood ist die befreiende Antwort auf das, was passiert, wenn sich eine Beziehung langsam auflöst. Ein Gefühl, das wohl jeder von uns schon mal erleben musste. Dabei ging es Michael Milosh, der sich hinter Rhye verbirgt, aber nicht nur darum, eine Möglichkeit zu finden, seinen Herzschmerz zu verarbeiten: "Es steckt so viel Komplexität darin. Ich mag es, wenn Lieder etwas an sich haben, das dir beim ersten Mal Hören nicht auffällt. Songs, die du öfter hören musst, um sie zu verstehen." Bevor du dich aber ganz in der melancholischen Musik des Kanadiers verlierst, lies dir hier durch, was Michael selbst darüber zu sagen hat.


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Blood ist vor allem für ein Live-Publikum bestimmt. Hast du ein besonderes Ritual, bevor du auf die Bühne gehst?
Wir überlegen uns jedes Mal einen anderen Reim, der ziemlich primitiv und dreckig – und alles andere als ernst gemeint – ist. Es ist ziemlich kindisch, doch der Sinn dahinter ist im Grunde der, seine Konzentration zu sammeln. Wir gehen mit Humor auf die Bühne, um dann wirklich im Moment zu sein.

Das Album steckt auch voller Hoffnung und persönlicher Erfahrungen. Welchen Rat würdest du jemandem geben, der dabei ist, seine Hoffnung zu verlieren?
Als Erstes würde ich fragen, was gerade schief in deinem Leben läuft. Es gibt mit Sicherheit einen Katalysator für dieses Gefühl, einen Schmerz. Sobald du selbst drin steckst, fällt es schwer, objektiv zu bleiben und zu verstehen, dass du etwas Bestimmtes ändern kannst, um dich besser zu fühlen. Vielleicht brauchst du aber auch mehr Abenteuer im Leben? Versuche dem Ganzen auf den Grund zu gehen.

Foto: Neil Krug

"Waste": Wann hat es sich zuletzt richtig gut angefühlt, Zeit zu verschwenden?
Ich prokrastiniere ständig und unglaublich gerne. Das hab ich zum Beispiel auch gemacht, bevor ich auf Tour nach Europa gekommen bin.

"Please": Wenn du der Welt eine Frage stellen könntest, welche wäre das?
Warum sind die Menschen nicht netter zueinander?

"Song For You": Welchen Song hörst du gerade auf Dauerschleife?
Pergolesi’s "Stabat Mater". Es ist so ein unglaubliches Vocal Piece. Ich versuche Lieder, die in mir ein Kribbeln auslösen, nicht überzuhören.

"Taste": Was schmeckt besser im Winter?
Haut.

"Stay Safe": "Stay Safe" ist ein Satz, den man oft zur Verabschiedung benutzt. Können Abschiede auch etwas Gutes an sich haben?
Ja, wenn du jemandem "Tschüss" sagst, ist da die Hoffnung, diesen Menschen wiederzusehen. Die Traurigkeit, die du dabei fühlst, ist so ein schöne Erinnerung, dass du dich um die Person sorgst. Es bedeutet aber auch, dass du offen für eine neue Erfahrung bist, was schön sein kann.

"Softly": Was sollte zarter im Leben sein?
Die Art und Weise, wie sich Menschen lieben.

"Feel Your Weight": Welches Gefühl würdest du gerne nochmal fühlen?
Ich mag diese eine Art von Angst sehr gerne und assoziiere sie immer mit Mountainbiking. Es ist eine sehr vorsätzliche Angst, sich selbst in eine Situation zu begeben, die dich an deine Grenzen bringt.

"Sinful": Was ist dein Guilty Pleasure?
Zimt-Eis.

@rhye

Am 02. Februar erscheint Rhyes neues Album "Blood" auf Loma Vista Recordings.