Gigi Hadid: "Man gibt mir das Gefühl, dass ich zu weiß bin, um für mein arabisches Erbe einzustehen"

Das Supermodel spricht mit i-D über ihre Schwangerschaft, die Erziehung von Baby Khai und was es bedeutet, zwei Kulturen miteinander zu verbinden.

von Osman Ahmed
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16 Juni 2021, 10:58am

Gigi Hadids Geschichte ist ursprünglich in i-D's The New Worldwi-De Issue , Nr. 363, Sommer 2021 erschienen. Hier könnt ihr euer Exemplar bestellen.

Als eine Nummer aus NYC auf meinem Telefon aufblinkte, vermutete ich zuerst, dass ein Redakteur dieses Magazins anrief. Stattdessen war es Gigi Hadid. "Sollen wir es jetzt machen?" Genau das ist die Art von Mädchen, die Gigi ist. Klar, sie ist eine der berühmtesten Frauen der Welt, aber sie ist eben auch genauso sweet wie ihre geliebten Buttercremetörtchen, über die sie in unserem Interview noch sprechen wird und dabei ist sie weit weniger künstlich. Gigi sagt was sie denkt und ist dabei so neugierig und ehrgeizig wie jede andere 26-Jährige. Im vergangenen September wurde das Supermodel zur Supermama von Baby Khai, ihrer gemeinsamen Tochter mit Zayn Malik

Unser gemeinsames Gespräch fand nur wenige Wochen nach dem Interview von Meghan und Harry mit Oprah statt, indem sie über die Herausforderung gesprochen haben, ein Kind zu bekommen, das mixed-race ist. Das Thema geht auch uns nicht aus dem Kopf - genauso wenig wie Gigis berühmte Küchenschubladen mit den bunten Nudeln. 

Letztes Jahr haben wir ein Interview mit dir geführt, als du auf deinem ersten i-D-Cover warst. Seitdem hattest du eine ziemlich aufregende Zeit…
Ich bin mir sicher, dass ich schon schwanger war, als ich für das letzte Cover aufgenommen wurde. Das war der Grund, weshalb mich meine Mutter während des Modemonats begleitet hat - sie hat mich bei meiner morgendlichen Übelkeit und bei allen Shows unterstützt. Das Cover-Shooting war mein letztes Projekt, bevor ich nach Hause gegangen bin.

Als du herausgefunden hast, dass du schwanger bist, ist gleichzeitig die Welt implodiert. Wie hat sich das angefühlt?
Es war merkwürdig. Während des Modemonats habe ich mich krank gefühlt, konnte mir aber natürlich keinen einzigen Tag freinehmen! Ich musste so tun, als wäre nichts. Während einer Geburtstagsparty wurden mir die ganze Zeit Drinks angeboten und ich habe allen erzählt, dass ich gerade nichts trinke. Als dann alle immer betrunkener wurden, habe ich mich rausgeschlichen.

Wahrscheinlich besser so im Nachhinein! Dein Job basiert darauf, in der Öffentlichkeit zu stehen und quasi die ganze Zeit zu reisen. Wie hat sich dein Alltag durch den Lockdown und dadurch, dass du Mutter geworden bist, verändert?
Es ist bittersweet, denn natürlich weiß ich, dass Covid für viele Menschen und Familien, Leben und Jobs eine Tragödie war. Für mich persönlich gab es allerdings auch eine positive Seite, denn ich hatte die Möglichkeit, mich wirklich auf meine Schwangerschaft einzulassen. Ich habe die Geburt sehr bewusst wahrgenommen und konnte danach mit meinem Baby die ganze Zeit zusammen sein. Es war eine Umstellung und Entschleunigung, die ich ohnehin hätte machen müssen, egal wie. Die Umstände haben mir erlaubt, das Muttersein so kennenzulernen, wie ich es mir gewünscht habe, nämlich so lange wie möglich ohne Kindermädchen, bevor ich wieder mit dem Arbeiten angefangen habe. 

In den letzten Monaten haben sich viele Menschen neu organisiert und ihre Lebenssituation an die neue Normalität angepasst. Gilt das auch für Supermodels?
Auch ich habe mich gefragt, was ich in der Zukunft noch erreichen will. In der Mode haben sich alle meine Träume bereits erfüllt, deshalb habe ich mich gefragt: ‚Was jetzt?‘ Ich brauche nicht noch ein weiteres Magazincover mit meinem Gesicht darauf oder eine neue Kampagne. Ich möchte diese Chance auch viel lieber jemandem überlassen, dem es wirklich etwas bedeutet und dessen Leben oder Karriere sich dadurch verändern kann. Ich möchte Platz machen für die nächste Generation und meine Energie und meinen Fokus auf etwas anderes richten. Ich möchte etwas Neues finden, dass mich kreativ erfüllt.

Ich weiß, dass du während des Lockdowns viel mit dem Fotografieren experimentiert hast. Was beschäftigt dich sonst gerade noch?
Ich liebe es hinter der Kamera zu stehen, es macht mir wirklich viel Spaß, weil es so kreativ ist. Aktuell arbeite ich an einigen Designentwürfen für meine eigene Marke. Ich bin dabei alles einzugrenzen und zu überlegen, was ich unter meinem Namen in die Welt bringen möchte. Es ist befreiend an etwas für sich selbst zu arbeiten. 

Jetzt, da ich Mutter bin, liebe ich die Vorstellung mehrmals die Woche in dasselbe Büro oder Studio zu gehen, mit der gleichen Crew zu arbeiten und dort vielleicht ein kleines Spielzimmer zu haben, das ich für Khai einrichten kann. Ich möchte lieber an einen festen Ort gehen, statt jeden Tag mit einem anderen Fotografen in einer anderen Stadt oder einem anderen Land zu sein.

Ich bin neugierig, wie gehst du deine neue Rolle als Mutter an? Das meiste ist natürlich sehr instinktiv, aber gerade wenn man ein Kind mit verschiedenen kulturellen Identitäten aufzieht, muss man sich überlegen, wie man damit umgeht.
Darüber denken wir viel nach, denn das ist sehr wichtig für uns. Wir haben es ja selbst erlebt, da unsere Eltern eine unterschiedliche Herkunft haben. Wir sind die erste Generation, bei der sich die kulturellen Hintergründe mischen und deshalb machen wir als Erste die Erfahrungen festzustellen: "Verdammt, ich verbinde diese unterschiedlichen Identitäten!" Das ist nichts, was meine Eltern erlebt haben oder womit sie mir helfen können. Es ist etwas, über das ich schon mein ganzes Leben lang nachdenke.

In bestimmten Situationen habe ich das Gefühl - oder man gibt mir das Gefühl -  dass ich zu weiß bin, um für mein arabisches Erbe einzustehen. Wir alle gehen durchs Leben und überlegen, wo wir hingehören. Ist das, was ich bin oder was ich habe, genug, um zu tun, was ich für richtig halte? Nutze ich damit mein Privileg aus, weil ich weiß bin? Habe ich überhaupt das Recht über etwas zu sprechen, das ich selbst nicht wirklich erlebt habe? Verstehst du, was ich meine?

Klar!
Ich denke, Khai wird mit dem Gefühl aufwachsen, dass sie eine Brücke für ihre unterschiedlichen Ethnien sein kann. Es wir schön sein, Gespräche darüber zu führen und ihre Meinung zu hören, ohne ihr irgendetwas aufzudrängen. Was von ihr kommen wird, darauf bin ich am meisten gespannt und dann ihre Fragen zu beantworten.

Gigi, morgen ist dein Geburtstag, was hast du geplant?
Okay, also erstens, ich bin besessen von Cake Boss. Ich schaue ihn seit ich zehn bin und als er mir letztes Jahr für meinen Geburtstag einen Kuchen geschenkt hat, habe ich geweint. Ich habe tatsächlich angefangen zu heulen. In Anlehnung an die riesige Bagel-Torte vom letzten Jahr wird er mir dieses Jahr ein riesiges Stück Käse, das natürlich auch ein Kuchen ist, backen.

Apropos Essen, ich weiß, dass du ein großer Pasta-Fan bist und als ich mir neulich dein Apartment angeschaut habe, das du letztes Jahr designt hast, habe ich die ganzen blauen Nudeln gesehen. Was genau ist die Idee dahinter?
Die Pasta, die man in der Nudelschublade vorne sehen kann, ist mit einer Art Kleber gemacht, der sie haltbar macht. Das Mädchen, mit dem ich dafür zusammengearbeitet habe, heißt auf Instagram @saltyseattle. Eigentlich macht sie Kits, die man kaufen kann, um seine eigene Pasta herzustellen und dann färbt sie die Nudeln unterschiedlich ein. 

Ich glaube, die Blauen sind Spirulina. Jede Farbe wird mit einem natürlichen Farbstoff hergestellt - das Rot kommt aus Rüben, das Gelb aus Kurkuma. In ihrem Buch kann man nachlesen, wie man jede Farbe herstellt. Ich bin schon seit Jahren Follower von ihr und schaue mir jeden Tag ihre Arbeit an. Es war schon lange ein Traum von mir, etwas von ihr zu besitzen. Sie verbreitet einfach Freude.

Das ist ja wohl auch das Wichtigste. Das dieses Jahr uns allen Freude bringt.
Definitiv.

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Credits


Photography Daniel Jackson
Styling Alastair McKimm

Hair Bob Recine.
Make-up Diane Kendal at Julian Watson Agency for Zara Beauty.
Nail technician Honey at Exposure NY using Londontown Lakur in “Crowning Crumpet”.
Photography assistance Jeffrey Pearson.
Digital technician Karen Goss.
Styling assistance Madison Matusich and Milton Dixon III.
Hair assistance Kabuto at The Wall Group.
Make-up assistance Jamal Scott.
Producer Rebekah Mikale.
Casting director Samuel Ellis Scheinman for DMCASTING.
Model Gigi Hadid at IMG.

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