er ist zwar schon fast 70, aber iggy pops lust am leben ist unkaputtbar

Wir trafen das Enfant terrible des Punkrocks und sprachen mit ihm über Unterwerfung, stylische Rockstars und darüber wie es sich anfühlt, eine riesige Sonnenbrille zu zerstören.

von Elisabeta Tudor
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20 April 2015, 6:00am

Was passiert, wenn ein brasilianisches Eyewear-Label entscheidet, dass sie ihre Fashion-Week-Präsenz interessanter werden muss? Sie fliegen Iggy Pop nach Sao Paulo ein, damit er eine riesige Sonnenbrillen-Skulptur mit einem Zepter zerstören kann. Was auch sonst? Der amerikanische Rocker wurde vom Label Chilli Beans eingeladen, deren neue Punk/Glam-Kollektion im Rahmen des 20-jährigen Jubiläums der Sao Paulo Fashion Week zu präsentieren. Jimmy, wie ihn David Bowie und seine engsten Freunde nennen, betrat von drei knackigen Model begleitet den Saal und bahnte sich seinen Weg durch die hysterischen Massen, um zu einer riesigen Sonnenbrillen-Skulptur zu gelangen, die er dann kurz und klein haute. 

Wir wollen uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen und schnappten uns Iggy backstage, um mit ihm über sein glamouröses Leben zu reden. 

Du wurdest nach Brasilien eingeladen, um eine riesige Sonnenbrillen zu zerstören. Wie fühlte sich das an?
Ich habe die Performance des Publikums wegen geliebt. Sobald ich auf sie zuging und sie merkten, dass ich nicht nur durch den Raum stolziere und dann passiert nichts weiter, hat der Austausch begonnen. Es war wirklich interessant. So etwas findet man heutzutage kaum noch. 

Was treibt dich bei deinen Performances an? Woher holst du die Energie?
Ich bin hungrig nach Emotionen. Die ganze Zeit dürstet es mir nach ihnen. Ich brauche die Liebe und Reaktionen von anderen Leuten. Das treibt mich an. So ist das!

Hast du Bühnenerlebnis, das du mir verraten willst? 
Ich habe mal mit den Ramones in England gespielt. Als ich „I wanna be your dog" performte, haben all die kleinen Jungs ihre großen Wasserflaschen genommen, reingepisst, wieder verschlossen und auf einmal auf die Bühne geschmissen [Iggy lacht]. Das ist eine gute Erinnerung. Manchmal werden die Leute einfach sauer, wenn ich performe und schmeißen Dinge auf mich, das ist Teil der Bühnendynamik. Ich mag das aber ganz gerne. 

So viele Leute haben im Laufe der Zeit zu „I wanna be your dog" gefeiert. Erzähl mir mehr über die Geschichte hinter dem Song.
Das Riff von Ron Asheton ist so mystisch. Es gibt so viele alte Blues-Songs, die ich liebe, die diesen Song beeinflusst haben, einer ist „Baby please don't go" von Muddy Waters. Damals habe ich nie verstanden, was diese alten schwarzen Männer singen. Ich dachte, ich höre „I wanna be your dog", tatsächlich sang er aber „ Before I be your dog", und da dachte ich mir, Mensch, das ist eine gute Vorstellung. Im Song geht es um emotionale Verzweiflung, darüber wie ich mich an den Punkt bringe, an dem ich bereit bin, Kompromisse einzugehen und mich zu unterwerfen.

Unterwerfung kann schön sein …
Ja, schon. Nun, ich würde gerne meinen Kopf in deinen Schoß legen, wenn du mich dann fickst. Haben wir einen Deal? [Iggy lacht].

Ja, haben wir. Aber erzähle mir zuerst mehr über „I wanna be your dog".
Dieser Song hat auch eine gewisse Symbolik, beim Schreiben habe ich an brennenden Wüstensand gedacht. Ich habe schon immer Lawrence von Arabien geliebt; der Fakt, dass Sand alles isoliert, du siehst das, was es ist. Schließlich gibt es noch die Idee, Liebe und Sex als eine Art Flucht zu sehen. Wenn du einfach an nichts denken und loslassen willst.

Apropos starke Vorstellungen. Welche Musiker oder Künstler bewunderst du für ihren Style?
Charlies Watts. Wahrer „Savile Row"-Style, Baby! Dann natürlich all die feinen englischen Rocker wie Ray Davis, sein Style war sehr gut und anfangs kreativ, dann die Rolling Stones und schließlich Jimi Hendrix. Zurückblickend muss ich sagen, dass mich auch einige der sehr alten Blueser beeinflusst haben. Sie haben sich mit einer gewissen Würde gekleidet. Dann habe ich mir einfach die schönen Mädchen angeguckt und ich habe versucht, so auszusehen wie sie. All diese Mädchen sahen besser aus als jeder andere, also musste ich mehr wie ein Mädchen aussehen!

Du hast eine neue Radiosendung bei BBC Radio 6. Wie läuft's?
Dieses Jahr habe ich mit einem neuen Format angefangen. Letztes Jahr war ich Sonntagnachmittag auf Sendung und alles war eher gemächlich. Ich bekam Tweets wie „Ich mache gerade den Sonntagsbraten, jäte Unkraut im Garten und habe eine tolle Zeit, Iggy im Radio zu hören". Jetzt läuft meine Sendung Freitagabend, von 19 bis 21 Uhr, und es spricht eher ein Publikum an, das so ist wie „Ich möchte mich betrinken und mein nuttigstes Kleid anziehen". Dieses Jahr ist es anders.

Was kommt als Nächstes für dich? Gibt es Neuigkeiten zur der Dokumentation von dir und den Stooges? Ich lad dich auf einen Caipirinha ein, wenn du mir mehr verratest. 
Ich habe erst neulich Jarmusch geschrieben und er meinte zu mir, dass er fast fertig ist, mir etwas zu zeigen. Also die Dokumentation ist fast fertig.

Credits


Text: Elisabeta Tudor
Porträt: Ricardo Toscani 
Live-Fotofrafie: Gio Staiano

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