hood by air spring/summer 16

Die revolutionären und innovativen Schuluniformen von Shayne Oliver.

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16 September 2015, 8:35am

Die New Yorker Modeszene kann einem manchmal wie die Highschool vorkommen. Die Kids von Hood By Air sind dabei die diejenigen, die in den hinteren Reihen sitzen und die noch müde von letzter Nacht in kunstvoller und sexy Aufmachung vor sich hindösen. Dann melden sie sich und geben dem Lehrer eine unglaubliche aufschlussreiche Antwort, bei der man sich fragt, ob sie schon immer einen Schritt weiter waren als alle anderen. Seine Spring-/Summer-16-Kollektion ist eine fantasievolle Meditation über das Leben an der Schule und Shayne Oliver stellt diese Kids vor die Klasse, damit auch der Rest von uns endlich lernt, wie ein Individuum zu denken.

Schon beim ersten Look - ein taubengrauer Jumpsuit, bei dem das Gesäß offen ist - war klar, dass das keine Vereinigung von Klosterschwestern wird. Herzeigen und das Spiel mit klassischen Uniformen (weiße T-Shirts und Faltenröcke) ziehen sich durch die ganze Kollektion. Weiße Shirts wurden auf vielfältige Art und Weise dekonstruiert - und wir dachten, dass Yohji und Rei schon alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatten. Obwohl das DIY-Mischmasch aus Schuluniformen nicht neu ist, verpasst HBA dem seinen eigenen, seinen ultrasubversiven und überraschenden Twist.

Shaynes eigene Jugend in Trinidad sorgte für die nötige Inspiration. Wie er backstage erklärte: „Es geht letztlich um die Vorstellung, in der Karibik aufzuwachsen, einen hohen Bildungsstand zu haben und trotzdem Quartiere mit niedrigen Lebensstandards zu haben. Auch wenn man Geld hat, ist es dort sehr Dritte-Welt-mäßig. Und das habe ich versucht zu übersetzen."

Es wurde schon viel darüber geschrieben, wie das Kollektiv Gendergrenzen überwindet und sehr viel Wert auf Diversität bei seinem Cast legt. Vielleicht ist das auch teilweise die Erklärung dafür, dass ungewöhnliche Nodels, ein Bezeichnung aus der Mode für eine Person, die kein professionelles Model ist, bei Eckhaus Latta, Gypsy Sports und Labels aus dem Mainstream-Bereich verstärkt zu sehen sind. HBA verlässt sich nicht jede Saison auf dieselben Gesichter. Jedes Mal fragt man sich wieder, wie und wo Casting Director Kevin Amato diese Kids findet. Über Männer in Damenkleidung und Frauen in Herrenkleidung sowie die Abwesenheit der Kategorien Männer/Frauen überhaupt sagt Shayne: „Ich habe mich jetzt mit Gender-Fragen innerhalb meines Universums beschäftigt und ich denke, dass es jetzt Teil der DNA des Labels geworden ist."

Der 90er-School-Chic kam bei Haaren und Make-up mit Zickzack und ironischen Pferdeschwänzchen sowie mit auffälligem und absurdem Make-up aus Weiß- und Beigetönen zum Ausdruck. Vielleicht eine Referenz an Clown Contouring? Falls dem so sein sollte, zeigt Shayne damit, dass das Label genauso Inspirationen auf der Straße wie in den Untiefen von YouTube findet - wie alle kreativen Kids heutzutage.

Mein Highlight war große Anzahl an Leuten, die die Show stehend verfolgt haben: Club-Kids und Anhänger des Labels, die zugerecht gemacht zu der Musik getanzt und mitgesungen haben. Wenn dieses Publikum als Indikator für die Popularität des Labels unter Jugendlichen gelten kann, dann haben wir bisher lediglich erst die Anfänge des Labels gesehen, das früher als Logowear verspottet wurde.

Credits


Text: Rory Satran
Fotos: Jason Lloyd-Evans