Moschino. Foto: Mitchell Sams

Das sind die Highlights der Mailänder Modewoche

Moschino, Neil Barrett und Versace hinterfragen die Grenzen zwischen Damen- und Herrenmode.

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Jan. 15 2018, 3:00pm

Moschino. Foto: Mitchell Sams

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

"Mich hat die Frage interessiert, wie Menswear und Womenswear nebeneinander existieren können", erklärte Jeremy Scott backstage, als sich die Models wieder aus den Ganzkörper-Latex-Bodys gepellt und sich die Masken aus dem Gesicht genommen haben. Bereits im Vorfeld kündigte der Chefdesigner von Moschino an, dass sich seine Pre-Fall-Kollektion mit dem Titel Overt/Covert, rund um das Thema Zweigeschlechtlichkeit drehen wird. Während des wummernden Techno-Soundtracks von Michel Gaubert entfaltete sich Moschinos Message: Zwar können uns Kleidungsstücke definieren, aber sie dürfen uns nicht einengen. Diese Kollektion ist für die Helden, Liebhaber und Fantasten unter uns.

Moschino

"Ich hinterfrage die gängigen Klischees und schlage etwas Neues vor – eine neue männliche und weibliche Energie. So viele Menschen, und Freunde von mir, fordern das zweigeschlechtliche System heraus." Den Worten ließ er Taten folgen: Der finale Look wurde von dem geschlechtsneutralen Model Oslo Grace und der Drag-Race-Gewinnerin Violet Chachki präsentiert, die gemeindam einen Tandem-Smoking trugen, der in der Mitte zusammengenäht wurde.


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"Das ist Teil der Popkultur. Die Welt, in der wir leben und die wir gemeinsam schaffen. Diese Menschen werden in Schubladen gesteckt, aber wir können dieses Schubladendenken auf das Abstellgleis der Geschichte schieben und uns endlich so präsentieren, wie wir das möchten." Jeremy Scott ist mit dieser verspielten, provokativen und starken Kollektion für Moschino in Höchstform aufgetreten.

Moschino

Die Show startete nur wenige Minuten nachdem die New York Times in einem investigativen Artikel detailliert über die Vorwürfe gegen die Modefotografen Bruce Weber und Mario Testino berichtete. Die enge Beziehung zwischen Sex und Mode hinterließ beim Publikum ein ungutes Gefühl. Und genauso sollte es sein. Diese Erfahrungen müssen geteilt, die bisher ungehörten Stimmen gehört, die betroffenen Leute geschützt und endlich Veränderungen durchgesetzt werden. Moschino bot einen Safe Space. Das Modehaus hat eine bisher versteckte Welt gezeigt und zelebriert ein breites Spektrum an Sexualität. "Sex gehört zum Mensch-Sein und nichts an Sex ist falsch, solange er einvernehmlich geschieht", erklärte Jeremy Scott. "Wenn jeder zu seiner Sexualität stehen kann, geht davon eine gewisse Macht aus."

Moschino

Neil Barrett hat sich ebenfalls die Klassiker der Herrenmode vorgenommen und neu interpretiert. Der britische Designer hat für eine moderne und frische Definition von Anzügen gesorgt. Vom Klassenzimmer, übers Büro und den Club bis hin zur Militäruniform: Neil Barrett hat mit den Symbolen und Codes gespielt, sie durchmischt und so ganz neue Zwischenformen geschaffen, und die einst so klar getrennten Bereiche Couture, Sportswear und Streetwear zusammengeworfen. Inspiriert wurde er von den 90ern, als eine neue Generation von Menswear-Designer bereits einmal die Proportionen und Materialien der Herrenmode revolutionierte und nachhaltig veränderte, was Männer tragen.

Neil Barrett

Es wurden Parallelen zwischen Militärkleidung und High Fashion gezogen. Ballonartige Menswear, die von Bombenjacken inspiriert wurde, erinnerte vielmehr an Trenchcoats. Damit kreiert Neil eine X-Silhouette, die bisher vor allem in der Womenswear eingesetzt wurde. Auch wenn seine Interpretation weniger an Lack und Leder orientiert war, stellte er doch ähnliche Fragen wie Jeremy Scott. Wie wird Maskulinität durch Kleidung konstruiert?

Neil Barrett

Donatella lud uns dagegen ein, das Haus Versace zu erkunden. Aber das war kein nettes Beisammensein, sondern das Motto war ein anderes: Go big or go home! Während die Versace-Familie vor Kurzem verlauten ließ, dass die neue Serie American Crime Story: The Assassination of Gianni Versace nichts weiter als pure Fiktion sei, ermöglichte uns die Herbst-/Winterkollektion 2018 einen Einblick in die Realität der berühmten italienischen Familie mit ihrem noch bekannteren Modehaus.

Versace
Versace

Für Donatella ist das berühmte Maison wie ihr Zuhause. Dieses Mal hat sie sich von der Intimität der verschlossenen Casa Versace inspirieren lassen. Die Accessoires bestehen aus luxuriösen Materialien, die sonst dem Innendesign vorbehalten sind. Die Reisetaschen erinnerten an Samt-Vorhänge und die Armreifen wurden aus Besteck gefertigt. Nachdem in der epischen Womenswear-Fashionshow für Spring/Summer 18 das Leben und das Erbe von Gianni zelebriert wurden, ging es in der Menswear-Show darum, dass jeder von uns seinen eigenen Gianni zelebrieren soll: Hinterfrage die Regeln, ignoriere die Grenzen und feiere deine Individualität. Doch dieses Mal noch mehr als sonst.

Versace