Foto: Eva Zar

Warum Rebellion nicht nur auf der Straße stattfindet

In der Ausstellung 'Regarding Revolt' versucht Kuratorin Eva Zar andere Wege zu finden, um gegen gängige Schönheitsideale anzukämpfen – und gibt dir den ein oder anderen Tipp, wie du den heutigen Social-Media-Zirkus überlebst.

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06 März 2019, 3:17pm

Foto: Eva Zar

Brennende Autos, Demonstrationen und die feministische Punkrock-Band Pussy Riot. Das sind nur ein paar wenige Assoziationen, die mit dem Wort "Riot" einhergehen. Doch es kann so viel mehr bedeuten als das. Inspiriert von Julia Kristevas Buch Intimate Revolt hat sich die österreichische Fotografin Eva Zar die Frage gestellt, was wir selbst jeden Tag machen, das als genau solche bezeichnet werden kann.

Herausgekommen ist die Ausstellung Regarding Revolt im Rahmen des Rrriot Festivals in Wien, das sich zum zweiten Mal in Folge zur Aufgabe gemacht hat, die Sichtbarkeit von Frauen* im Kulturbereich zu erhöhen. Und das mit Erfolg. Von Fotografie über Video bis hin zu Skulptur: Für die Ausstellung hat sich die mittlerweile in New York lebende Fotografin 18 Künstlerinnen* ausgesucht, deren Arbeiten sich gegen Stereotype auflehnen und zeigen, dass Schönheit viele Facetten haben kann.

Was wir kollektiv machen können, um der Industrie den Spiegel vorzuhalten und wie jeder von uns den eigenen Social-Media-Konsum in den Griff bekommen kann, hat uns Eva Zar im Interview verraten.

Was bedeutet das Wort Riot für dich?
Ich bin kein großer Fan davon, zum Rebellieren auf die Straßen zu gehen, weil ich Angst vor großen Menschenmassen habe. Auch wenn eine Demo gut funktioniert, ist sie am Ende nur Content für drei Tage – danach hat jeder wieder vergessen, worum es geht. Für mich bedeutet Riot, jemanden in einer Konversation zu überzeugen, mit Leuten zu reden und zu kommunizieren. Erst dann fängt ein Diskurs an, der langfristig funktioniert. Vielleicht ist das nicht die schnellste Variante, aber die effektivste. Es bringt nichts, etwas auf die Schnelle verändern zu wollen und es muss auch nicht immer laut und aggressiv sein.

Wie können wir kollektiv dazu beitragen, dass sich die Industrie verändert?
Vor allem in der Kreativindustrie machen viele ihre Recherche nicht richtig. Das ist nichtmal unbedingt ihre eigene Schuld, sondern die der Deadlines, die schon vorgestern waren. Content muss heute schnell produziert werden, dadurch fehlt die Zeit, sich Websites anzuschauen oder Instagram zu durchforsten. Ich würde mir wünschen, dass mehr mit Frauen zusammengearbeitet wird, anstatt mit den immer gleichen drei Leuten, die wahrscheinlich Männer sind.

Eine Veranstaltung auf dem Rrriot Festival trägt den Namen There Are Not Enough Women To Book – und genau das ist immer die Ausrede von den Leuten, die in Job vergebenden Positionen sitzen. Es gibt genug Frauen, die geeignet sind. Sie erscheinen nur leider nicht immer sofort auf der ersten Google Search Seite.

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Foto: Anna Breit

Was braucht ein Kunstwerk, um deine Aufmerksamkeit zu erregen?
Bei dieser Ausstellung ging es tatsächlich um die Message. Grundsätzlich muss ich sehen, dass etwas nicht nur des Content wegen produziert wurde. Es muss darüber hinausgehen und mehr sagen, als "das kriegt sicher viele Likes". Manchmal stelle ich mir die Frage, was bleibt, wenn wir morgen aufwachen und Instagram down ist? Was ist dann noch übrig?

Es wäre schön, wenn die nächsten sozialen Medien keine Like- und Kommentarfunktion hätten. Ich finde die Idee von Instagram Stories nicht schlecht, weil nur du selbst siehst, wer es sich angeschaut und darauf reagiert hat. Es ist nicht so öffentlich und trotzdem kannst du deine Arbeiten zeigen oder Informationen teilen.

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Zeichnung: Mariella Lehner

Wie können wir alle diesen Social-Media-Zirkus überleben?
Setz dir selbst Zeiten, wann du auf Instagram gehst und dreh danach konsequent die App ab. Das ist natürlich nicht so leicht und fordert viel Disziplin, aber du musst selbst eine Strategie für dich entwickeln, die dir gut tut. Mir geht es zum Beispiel mental besser, wenn ich nicht so viel auf Social Media bin. Genau wie wir uns Zeit nehmen, um zu arbeiten, sollten wir uns auch Zeit nehmen, nicht zu arbeiten. Die einzige Überlebensstrategie ist Self Care, zu sagen "zuerst ich und dann der Rest der Welt".

@evazar

"Regarding Revolt" kannst du dir noch bis zum 8.März im Zuge des Rrriot Festivals in Wien ansehen.