2, 4, 6, 8 we appreciate ... lydia ainsworth

Lydia Ainsworth führt dich mit ihrem melancholischen Pop-Elektro-Sound in eine luzide Traumlandschaft.

von Alexandra Bondi de Antoni
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30 Januar 2015, 9:00am

Bevor sie ihre erste LP bei Montreals Arbutus Records veröffentlichte, schrieb die kanadische Sängerin neben ihrem Daytime-Job als Komponistin für Filmmusik drei Jahre lang still und heimlich an ihren Songs. Lydia Ainsworths Right from Real ist eine atmosphärische Pop-Elektro-Platte, die mit dramatischen Soundlandschaften experimentiert und Melodien hervorbringt, die einen nicht mehr loslassen und verzaubern. „Meine Musik soll sich wie ein luzider Traum anfühlen. Ich will, dass die Zuhörer nicht genau wissen, woher manche Geräusche kommen", sagt sie selbst. So vermischt sie elektronische Musik mit von ihr selbst eingespielten Cello-Passagen. Wir sind schon große Fans der zierlichen Kanadierin, die am Samstag ihr erstes Deutschlandkonzert gibt, und verraten euch vorab einige Gründe, warum auch ihr Lydia lieben werdet.

2 Lektionen, die Lydia gelernt hat. 

1. „Ich lerne gerade, wie wichtig Stille ist. Unsere Gesellschaft hat so wenig Geduld für die Ruhe, aus der Worte entstehen, die zwischen dem Gesprochen und in diesem liegt. In der heutigen Zeit gibt es so viele Ablenkungen, dass wir diese Stille oft vergessen oder übersehen. Dadurch verliert die Welt an Geheimnissen und Subtilität."               

2. „Am Nachttisch meiner Großmutter liegt dieses Gedicht von T.S Eliot:

„Home is where one starts from. As we grow older
The world becomes stranger, the pattern more complicated
Of dead and living. Not the intense moment
Isolated, with no before and after,
But a lifetime burning in every moment."

Erst vor Kurzem erzählte sie mir, dass sie diese Worte nun mit 85 Jahren zum ersten Mal wirklich versteht und sich genau so fühlt - als ob all ihre Erinnerungen jede Sekunde in ihr brennen. Das zu erfahren war wichtig für mich, da ich gelernt habe, besser mit dem Alt werden umzugehen."

4 Künstler, die Lydia beeinflusst haben. 

1. Meredith Monk 
„Ihre Musik ist wahnsinnig lebendig und fast magisch."

2. René Magritte 
„Ich schätze seine Kunst an sich und bin der Meinung, dass er den Surrealismus noch mysteriöser gemacht hat."

3. Giuseppe Verdis Requiem und die Schönheit und die Mächtigkeit seiner Musik.

4. Jorges Luis Borges Geschichten der Nacht, in denen sich sie unglaublich gerne verliert.

6 Gründe, warum Lydia so klingt, wie sie klingt. 

1. Sie interessiert sich für die Dynamik zwischen Schönheit und Traurigkeit: die Momente der Entfremdung zwischen den Augenblicken, in denen alles möglich ist, und der Stille, die alles entzweit. 

2. Die tief in ihr verborgenen Emotionen, aus denen sie schöpft, wenn sie an ihren Songs schreibt. 

3. Sie liebt Streichmusik. Violinen, Cellos und Bratschen sind für Lydia die menschlichen Stimmen des Orchesters. Deshalb benutzt sie die in vielen ihrer Songs. 

4. Sie erschafft mit jedem Lied eine eigene kleine Welt zum Träumen. 

5. Ihre Liebe für Popmusik aus dem Jahr 1999. 

6. Die Filmmusik, die sie komponiert, beeinflusst ihre Arbeit stark. 

8 Dinge, die du über Lydia wissen solltest.

1. Ihr erstes Konzert war ein Gefallen für einen Freund, für das sie extra Songs schrieb. „White Shadows" und „Candle" wurden die Grundsteine für ihr erstes Album Right From Real.

2. Lydia hat eine Vorliebe für Brücken. „Ich weiß auch nicht genau, wann das begonnen hat, aber ich liebe Brücken. Man fühlt sich so frei und stark. Am Liebsten habe ich die Williamsburg Bridge in New York", lacht sie. Ihre zweitliebste Brücke ist die Bloor St Viaduct in Toronto. 

3. Filmmusik schreibt sie seit ihrem Abschluss an der McGill University in Montreal und der NYU. Ihre Mentorin Joan La Barbara, die schon mit John Cage, Steve Reich und Judy Chicago gesungen hat, ermutigte sie dazu, die Musik nicht nur zu komponieren, sondern auch selbst zu singen. 

4. Sie schreibt die meisten ihrer Songs auf einsamen Waldspaziergängen. 

5. Im Gegensatz dazu ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen, an belebten Orten zu sitzen und Menschen zu beobachten. 

6. Wenn man Lydia eine Freude machen will, dann bringt man ihr Kokosnuss-Dattel-Cashew-Müsliriegel und Minztee mit.

7. In der Schulzeit lernte sie Cello spielen. 

8. Ihre Schwester ist ihre beste Freundin und schärfste Kritikerin. Sie ist auch die einzige, die Lydias Songs vorab hören darf.        

Zu sehen gibt es Lydia Ainsworth live am 31. Januar 2015 im Rahmen des CTM Festival - Un Tune.

Hier geht's zu den anderen Interviews aus unserer Rubrik „2, 4, 6, 8 We Appreciate".

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni
Foto: John Michael Fulton

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