im interview mit kim jones über sein mannesbild für louis vuitton

Wir trafen den Men's Style Director von Louis Vuitton und sprachen mit ihm über seinen Indien-Trip, seine Freundin Louise Wilson und was den modernen Vuitton-Mann ausmacht.

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Mai 12 2015, 9:30am

Als Men's Style Director von Louis Vuitton verbringt Kim Jones viel Zeit unterwegs, nicht nur für wichtige Geschäftsmeetings oder Interviews, sondern auch für Recherche, der mehr ist, als ein paar Bilder aus dem Internet auszudrucken. Das ist Recherche mit Augenzeugen, direkt, dreidimensional, unvorhersehbar und aufregend.

Louis Vuittons Status als Reise-Label und seine internationale Anziehungskraft bedeuten, dass Kim sein eigens Fernweh mit der Suche nach neuen Inspirationen für neue Kollektionen in entfernten Locations kombinieren kann. Das erlaubt ihm, die bestehenden Beziehungen der Marke mit bestimmten Erdteilen zu vertiefen, das globale historische Erbe zu erkunden und frische Ideen in neuen und aufstrebenden Märkten zu pushen.

Die Spring/Summer-15-Herrenkollektion von Louis Vuitton ist eine Hommage an den Indien-Trip von Kim und seinem Team. Der Vorschlag dazu kam von seiner Freundin und Mentorin, die mittlerweile verstorbene Louise Wilson, die den Master in Mode am Central Saint Martins leitete. Indiens Extreme, die Armut und der unerhörte Glamour hinterlassen bei jedem Besucher bleibende Eindrücke. Paläste, die von den Maharadschas von Jodhpur und Jaipur erbaut wurden, hatten es Kim besonders angetan. Die Uniformen der Wachen, die diese verschwenderischen Residenzen bewachten, sorgten für weitere Inspirationen zu den Military-Teilen, die der Kollektion so viel Aufmerksamkeit bescherten. Neben der zweifelos betörenden Natur dieser Ort und Trachten mag Kim das Unkonventionelle: Er wurde von gewöhnlichen Inder auf der Straße und von Tiger-Safaris inspiriert. Wir trafen den Designer und sprachen mit ihm über seine Indien-Reise, Louise Wilson und was den modernen Vuitton-Mann ausmacht. 

Du hast die Show der verstorbenen Louise Wilson gewidmet. Kannst du eure Freundschaft genauer beschreiben? Wie hat sie dich während deiner Unizeit am Central Saint Martins und darüber hinaus motiviert und inspiriert?
Durch Louise habe ich gelernt, an mich zu glauben und mir bewusst zu werden, was ich machen möchte. Nach der Uni wurden wir Freunde. Sie war eine großartige Zuhörerin und Ratgeberin, noch dazu war sie unglaublich witzig. Louise war diejenige, die mir gesagt hat, dass ich nach Indien gehen soll, um alles zu sehen. Dann habe ich im Vuitton-Archiv nach einer Verbindung gesucht, wie ich das alles mit der Show verbinden kann. Ich hatte das Glück, Zeit mirt ihr, Timmi und Michael Costiff verbringen zu dürfen. Ich glaube, dass es das letzte Mal war, als ich hysterisch geheult habe und über ihre Schimpftiraden über den heutigen Zustand der Modewelt gelacht habe. Ich war so schockiert, als ich erfahren habe, dass sie gestorben ist. Sie war so stark, ich dachte, dass sie uns alle überleben würde …

Wieso hat sie dir geraten, nach Indien zu gehen?
Wir sprachen über Reisen und sie war geschockt, dass ich noch nie da vor. Also habe ich entschieden, dass die nächste Spring/Summer-Show über Indien sein soll und erkundete die Beziehung zwischen Vuitton und Indien.

Was vermisst du am meisten an Louise, jetzt da sie nicht mehr unter uns weilt?
Jemanden zu haben, der den ganzen Prozess gesehen hat. Man merkt, was wichtig ist und was nicht. Wie wichtig es ist, Informationen über die Vergangenheit weiterzugeben. So viele Leute leben nur digital. Man muss aber die Dinge aber live sehen, um schätzen zu können. Das ist etwas, was sie den Leuten mitgegeben hat.

Erzähle uns von dem Trip.
Ich war für zehn Tage mit zwei Designern, mit denen ich zusammen an der Show gearbeitet habe, vor Ort. Wir haben uns aus zwei Gründen für Rajasthan entschieden. Zum einen waren es die atemberaubenden Koffer, die Vuitton für die Maharadschas von Jaipur und Jodhpur gemacht hat, und zum anderen ihre Liebe für die Luftfahrt zu der Zeit, als sie erfunden wurde. Vuitton ist ein Reise-Label, also hat die Verbindung funktioniert.

Gehst du alleine auf Reisen?
Ich muss des Berufs wegen sehr viel reisen und ich hasse es! Ich werde beim Fliegen nervös und finde Flughäfen super stressig, also ist es nicht wirklich gut, allein zu fliegen. Ich muss einfach in die Zone kommen und dann an das Ziel gelangen.

Was rätst du Leuten, die das echte Indien entdecken möchten?
Schau dir alles an: die Farben, die Leute. Die Spiritualität ist unfassbar und alles strotzt von Geschichte, obwohl alles auch super modern ist. Sei offen! Esse das einheimische Essen! Laufe herum und schau dir alles an! Mach einen Roadtrip, in Indien zu fahren ist ein Abenteuer!

Wie hast du deine Indien-Erfahrungen in die Spring/Summer-15-Herrenkollektion integriert?
Ich nehme mir zuerst die Idee der Kollektion vor, dann nehmen wir Referenzen, arbeiten mit ihnen und entwickeln daraus etwas Modernes. Wir haben uns die Kleidung der Maharadschas im Museum angeschaut. Die Tatsache, dass sie ihre eigene Kleidung wie Jodhpurs für Elefanten-Polos oder Fliegeranzüge selbst entworfen haben, ist wirklich toll. Wir nahmen diese Ideen auf und haben mit ihnen weitergearbeitet. Wir haben uns auch die Palastwachen und die smarten Accessoires des königlichen Lebensstils näher angeschaut. Dann haben wir die Silhouette des Mannes von der Straße näher betrachtet - schlank und leicht 70er angehaucht - und haben sie mit Kroko-Sneakern modern interpretiert.

Was waren die größten Herausforderungen bei dieser Kollektion?
In Indien herrscht viel Armut. Ich gehe immer sehr vorsichtig mit solchen sensiblen Themen um, weil mir für meine Arbeit Land und Leute viel bedeuten. Also zelebriere ich die Idee eines modernen Inders - ein Mann mit Stil, Träumen und Hingabe, der alles im Leben erreichen kann, was er möchte. So sehe ich den Vuitton-Mann.

Wenn wir die finanziellen Aspekte mal außen vor lassen, wie misst du aus kreativer Perspektive den Erfolg einer Kollektion?
Für mich geht es darum, dass meine Kollegen und die Leute, die ich respektiere, meine Kreationen mögen und die harte Arbeit, die wir in alles stecken, schätzen. Ich glaube, dass Leute Dinge, die neutral sind, schätzen sollten, weil nicht alles ist für jeden Geschmack gemacht ist - und das ist toll. Ich bekomme auch gerne Feedback von meinen Kunden und meinen Chefs, weil am Ende des Tages zählen deren Meinungen!

Das Wort „Luxus" ist reichlich überstrapaziert. Was bedeutet es für dich?
Ich denke, dass Luxus sehr individuell ist. Ich habe soviel Glück, dass ich mit Monogramm und Damier zusammenarbeiten kann. Es ist großartig! Für mich bedeutet Luxus heutzutage, Raum und Zeit für meine eigenen Gedanken zu haben. Raum zu haben, um neue Ideen zu entwickeln ist für alle Kreativen wichtig. Durch das Reisen habe ich die Möglichkeit, Zeit außerhalb des Büros zu verbringen und neue Dinge zu sehen, die mich inspirieren.

Warum ist es so wichtig, viel zu reisen?
Ich bin schon immer gereist, es ist Teil von mir. Aber mal ernsthaft, ich arbeite für ein Label mit einer Reise-DNA und wenn ich von meinen Reisen nicht Inspirationen für mein Team und meine Kunde mit zurückbringen kann, habe ich das Gefühl, dass ich meinen Job nicht richtig mache. Alle erfolgreichen Männer müssen heutzutage reisen, ob sie es nun mögen oder nicht, deshalb muss man ihren Lifestyle verstehen. 

Credits


Text: James Anderson
Fotos: Jason Evans
Styling: Max Clark
Haare & Make-up: Rajeev Kanojia
Produktion: Flying Pigs Production
Vielen Dank an Carla Filmer, Owen Parry.
Models: Jalam, Taran Singh, Sameer, Sumit, Vijay Singh, Ramsingh, Irfan, Akshit
Kleidung von Louis Vuitton. Schuhe: Model's own.