Zwischen Zwillingen und Zwangsneurosen

Fotografin Ophelie Rondeau hat eine Schwäche für Symmetrie, weibliche Körper und ihre visuelle Darstellung. Warum sie sich trotzdem nicht als Feministin bezeichnet, hat sie uns im Interview erklärt.

von Juule Kay; Fotos von Ophelie Rondeau
|
15 August 2016, 11:15am

Eigentlich wollte Ophelie Floristin werden, gelandet ist sie über viele Umwege letztlich bei der Video- und Fotografie. Was mit einfachen Handyaufnahmen begann, hat sich in kürzester Zeit zu einer autodidaktischen Leidenschaft entwickelt, die nicht nur visuell begeistert, sondern auch den Blick für das Wesentliche enthüllt.


Auch auf i-D: "Love is So Much" von Petra Collins


Durch symmetrische Anordnung und sich immer wiederholende Motive, möchte die Fotografin mit ihrem neuesten Projekt #OphelieAndTheGirls nämlich eine wichtige Botschaft vermitteln: Wir sind alle gleich, egal wie unterschiedlich wir auch sind!

Welchen Moment hältst du besonders gerne fest?
Den unerwarteten. Ich bin ein sehr spontaner Mensch und plane nicht wirklich gerne im Voraus, auch wenn das viele Fotografen tun. Ich habe meist nicht wirklich ein Konzept, nur meine Models, die Location und meine Kamera. Wenn etwas nicht funktioniert, dass du dir in den Kopf setzt, schlägt das nur in schlechte Stimmung um. Wie heißt es so schön? Keine Erwartungen, keine Enttäuschungen!

Warum fotografierst du besonders gerne analog?
Meine erste Kamera war analog. Ich habe mich zwar auch in digitaler Fotografie versucht, aber das ist in einem Desaster geendet. Auch wenn ich die Fotos im Nachhinein so bearbeitet habe, dass sie analog aussahen, ist es einfach nicht das gleiche. Mein Mentor hat mir allerdings dazu geraten, auch digital zu fotografieren, einfach aus kommerziellen Gründen.

Wie wichtig sind dir Symmetrie und Wiederholung in deinen Arbeiten?
Letzten Endes spiegeln meine Arbeiten meine Persönlichkeit wider, mein Privatleben hat daher einen großen Einfluss auf meine Fotos. Ich bin zum Beispiel ein kleiner Ordnungsfreak: Bei mir zu Hause muss alles symmetrisch bzw. in einer Linie platziert sein, wirklich alles – auch das Essen im Kühlschrank. Ich mag es sehr aufgeräumt und ohne viel Schnickschnack, deswegen tragen die Mädchen in meinen Fotos auch immer die gleichen Outfits. Irgendwie ist es zu meiner Ästhetik geworden, dass sie optisch zusammenpassen. Trotz einheitlicher Kleidung sehen sie aber mit Absicht immer noch sehr unterschiedlich aus, weil ich gerne die Botschaft vermitteln möchte: "Hey, wir sind alle irgendwie gleich, egal wie unterschiedlich wir auch sind!"

Warum fotografierst du in erster Linie nur Frauen?
Als ich mit dem Fotografieren begonnen habe, war ich anfangs selbst mein einziges Model. Als Perfektionistin war es allerdings ziemlich schwierig, genau das Ergebnis zu bekommen, das ich wirklich wollte. Weil ich selbst eine Frau bin, lag es irgendwie auf der Hand, erst einmal Frauen zu fotografieren. Irgendwie ist es dann zu meinem Ding geworden, auch wenn ich nichts dagegen hätte, zur Abwechslung mal wieder Männer zu fotografieren.

Du hast mal gesagt, dass der weibliche Körper eine unendliche Inspiration für dich darstellt. Welche Rolle spielt er in deinen Arbeiten?
Eine Frau hat so viel verschiedene Seiten, die sich fotografisch festhalten lassen. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber für mich fühlt es sich einfach angenehm leicht an. Wenn ich Männer fotografiere, bin ich anfangs etwas ängstlich, weil ich das Gefühl habe, dass es nur eine bestimmte Art und Weise gibt, wie ich sie fotografieren kann. Ich kann das Gefühl nicht wirklich erklären, es ist einfach so.

Die neue Ausgabe von i-D beschäftigt sich mit dem Thema „Female Gaze". Welche Sicht auf die Frau hast du?
Wenn ich anfange zu viel nachzudenken, verändern sich die Dinge und ich habe das Gefühl, dass sie meinen Zugang beeinflussen. Ich habe damals bei dem Projekt "Curated By Girls" viel mit Ashley Armitage zusammengearbeitet, der es wirklich ausschließlich um Vielfalt ging. Mit Sicherheit hat sie mich irgendwie beeinflusst, auch wenn ich wirklich nicht Teil dieser fotografischen Trendbewegung sein möchte.

Erzähl uns ein bisschen mehr über dein damaliges Projekt „Curated By Girls" mit Ashley. Findest du, dass die ganzen Kunstkollektive im Internet gerade ein Trend sind?
Das Projekt hat zusammen mit Ashley Armitage als "Girls by Girls" angefangen und wurde später zu "Curated By Girls" umbenannt, um alle Gender einfließen zu lassen und nicht ausschließlich Arbeiten von Frauen zu kuratieren. Weil Ashley irgendwann ausgestiegen ist, habe ich meine beste Freundin Little Voice an Board geholt. Irgendwann war ich leider viel zu beschäftigt, und ich habe mich dafür entschieden, das Projekt zu verlassen. Diese ganzen Künstlerkollektive haben sich gerade wirklich zu einen Internet-Trend verwandelt. Es geht nicht mehr darum, das Frauenbild in den Medien zu verändern, sondern einfach nur noch darum, einem Trend zu folgen, um dazuzugehören. Das ist wirklich sehr schade.

Welches Frauenbild möchtest du mit deinen Fotos gerne vermitteln?
Ich sehe mich selbst nicht als Feministin, die versucht das heutige Frauenbild in den Medien zu verteidigen – auch wenn ich natürlich gerne mehr Vielfalt in den Medien sehen wollen würde. Ich bezeichne mich lieber als Equalist, schließlich kann ich als Frau sehr wohl das tun, was auch Männer tun können. Es ist wohl einfach das Beste, sein Ding durchzuziehen, dann wird es automatisch von jedem akzeptiert.

@ophelieandthegirls