gianni versaces tod wird im tv neu aufgerollt

Das Krimi-Format „American Crime Story“ will in seiner dritten Staffel den mysteriösen Tod des Modedesigners filmisch aufarbeiten. Doch jetzt meldet sich die Versace-Familie und legt Widerworte ein.

von Lisa Leinen
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20 Oktober 2016, 10:50am

Am Morgen des 15. Juli 1997 war irgendetwas anders in der sonstigen Wohlfühlstadt Miami Beach. Wo sonst motivierte Einwohner ihren morgendlichen Fitness-Routinen nachgingen und neugierige Touristen zwischen den berühmten Art-Déco-Gebäuden entlang schlenderten, ertönte plötzlich ein Geräusch, das nie etwas gutes voraussagt: Ein Schuss. 

Auf den Treppen seiner Villa am Ocean Drive ging damals der italienische Modeschöpfer Gianni Versace zu Boden—getroffen von zwei Kopfschüssen. Mit seinem Arm umklammerte er die Tageszeitung, für die er das Haus verlassen hatte, nichtsahnend, dass er dort auf seinen Mörder, den Callboy und Serienkiller Andrew Philip Cunanan treffen würde. Cunanan, der zeitweise zu den zehn meistgesuchten Kriminellen des FBI gehörte, brachte sich acht Tage nach dem Mord an Gianni Versace selbst um—bis dahin hatte er allerdings bereits fünf Menschenleben auf dem Gewissen. In welcher Beziehung der berühmte Modedesigner zu dem schwulen Callboy gestanden hat, ist weiterhin eines der gut gehüteten Geheimnisse des Versace-Clans. Auch seine Schwester, die Designerin Donatella Versace, redet nur sehr wenig und ungern über den Tod ihres älteren Bruders. Giannis Lebensgefährte Antonio D'Amico—von dem Familien-Clan zwar akzeptiert, aber nicht respektiert—beteuerte allerdings immer wieder öffentlich, dass Gianni keine romantische oder sexuelle Affäre mit Cunanan gehabt hätte. 

Jetzt wird der mysteriöse Fall erneut aufgerollt—und zwar im Fernsehen. Die mit fünf Emmys ausgezeichnete Erfolgsserie American Crime Story, die in der ersten Staffel den Fall O.J. Simpson behandelte, plant zur Zeit zwei neue Staffeln. In der zweiten sollen die Nachwehen des Hurricane Katrina aufgedeckt werden, in der dritten Staffel, die zeitgleich verfilmt werden soll, dann der Mord an Gianni Versace. Die Staffel wird sich vor allem an der Buchvorlage Vulgar Favors: Andrew Cunanan, Gianni Versace, and the Largest Failed Manhunt in U.S. History von Vanity-Fair-Autorin Maureen Orth orientieren. 

Immer wieder tauchen neue Gerüchte über den Mord auf. So behauptete Guiseppe Di Bella, ehemaliger Mafioso, vor einigen Jahren, dass Gianni Versace noch leben würde und sowohl von der Mafia, als auch von seiner Familie geschützt werde. Laut Di Bellas Aussage soll Gianni sich zum Zeitpunkt seines Todes gar nicht in Miami, sondern in Zürich aufgehalten haben. Zudem soll der Modeschöpfer vor allem in den 80er Jahren Geld für die Familie gewaschen haben und für sie als Kunsthändler von gestohlenen Werken fungiert haben. Tatsächlich wurden in seinem Anwesen teure und seltene Antiquitäten gefunden und konfisziert. Nachgewiesen konnte ihm und der Versace-Familie allerdings nie etwas. 

Wird die Krimi-Serie dies ändern? 

Auffällig ist, dass sich jetzt der Versace-Konzern zu Wort meldet und sich von der filmischen Aufarbeitung klar distanziert. In dem offiziellen Statement heißt es, dass er diese „weder autorisiert, noch in irgendeiner Form in der Staffel über Versace involviert ist. Die Serie soll als reines Werk der Fiktion betrachtet werden."

Die Erwartungen an die 10-teilige Staffel sind hoch. Kann der Mord an Gianni Versace endlich vollständig aufgeklärt und abgeschlossen werden? Um die längst überfällige Antwort zu erfahren, müssen wir uns leider noch ein wenig gedulden: Die Dreharbeiten sollen im Frühjahr nächsten Jahres beginnen. Dann, wenn sich Gianni Versaces Tod zum 20. Mal jährt. 

Credits


Text: Lisa Leinen
Fotos: via Imago

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