Madonna und Tony Ward, 1990, Foto: Alan Light

Dieser Amateurfotograf hat Hollywood-Stars ungefiltert dokumentiert

Alan Light hat Prominente wie Madonna, Michael Jackson oder River Phoenix in den 80ern und frühen 90ern aus nächster Nähe fotografiert. Im Interview verrät er uns, wie er das geschafft hat.

von Michael Sader; Fotos von Alan Light
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Juli 25 2017, 2:10pm

Madonna und Tony Ward, 1990, Foto: Alan Light

Alan Light hat sich in den Achtzigern und Neunzigern mit Freunden und seiner Pocketkamera ganz frech in Hollywood auf Preisverleihungen und Filmpremieren geschlichen, um die Stars ganz nah zu fotografieren. Im Laufe der Zeit konnte der in Iowa City geborene Fotograf so ein umfangreiches Archiv an privaten Schnappschüssen zusammentragen, die Prominente wie Madonna, Michael Jackson, Faye Dunawaye, Angela Lansbury, Will Smith, Jodie Foster und den viel zu früh verstorbenen River Phoenix jenseits des Blitzlichts zeigen. Wir präsentieren dir nicht nur eine Auswahl seiner Fotos, sondern wollten auch wissen, wie er das geschafft hat und ob er sich heute immer noch auf Award-Shows herumtreibt.


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W ie hast du die Prominenten kennengelernt?
Ich habe 1986 einen Artikel in der Daily Variety gelesen, dass nicht alle Tickets für die Emmy Awards verkauft wurden. Dann dachte ich mir, dass es ganz lustig sein könnte, daran teilzunehmen. Ich habe die Academy of Television Arts and Sciences angeschrieben und sie gefragt, ob ich für die Show im nächsten Jahr Tickets kaufen könnte. Ich konnte den damaligen Direktor, John Leverence, überzeugen, dass ich Tickets für die Award-Show und die anschließende Governor's Ball-Party im nächsten Jahr kaufen könne. Im Laufe der Zeit habe ich mich mit den Leuten angefreundet, die für diese Shows gearbeitet haben. Die haben auch für andere Veranstaltungen wie Filmpremieren und andere Award-Shows gearbeitet. Ich durfte zu den Proben, zu den Fernsehübertragungen und zu den Aftershow-Partys.

War es so leicht, auf diesen hochkarätigen Events zu fotografieren?
Ich habe immer meine Pocketkamera zu diesen Veranstaltungen mitgenommen und fotografiert. Auf den Tickets stand zwar, dass das Fotografieren verboten sei, aber ich habe relativ schnell bemerkt, dass sich nie jemand beschwert oder mich gestoppt hat. Im Laufe der Zeit habe ich so eine riesige Sammlung an Fotos mit Prominenten aufgebaut. Der Großteil der Prominenten war sehr nett und die meisten sagten ja. Nur wenige, wie Billy Crystal oder Mary Tyler Moore, haben nein gesagt.

Was ist dein Lieblingsbild und was ist die Geschichte dahinter?
Eins von meinen Lieblingsfotos ist das mit Faye Dunaway, weil sie mich gefragt hat, ob ich sie zusammen mit ihrem Sohn fotografieren könne. Sie und ihr Sohn haben sich mit dem Seinfeld-Schauspieler Michael Richards auf der Party unterhalten und wollten, dass ein Fotograf diesen Moment festhält. Der Einzige in der Nähe mit einer Kamera war ich mit meiner Pocketkamera. Mir hat das Spaß gemacht. Sie hat mir ihre Adresse aufgeschrieben und ich habe ihr die Fotos später geschickt. Leider kam die Sendung mit "Adresse unbekannt" wieder zurück. Dunaway hat in Hollywood den Ruf, schwierig zu sein. Zu mir war sie aber extrem nett. Sie hat meinem Freund ein Autogramm gegeben und sich mit mir auch fotografieren lassen.

Alan Light (links), James Safechuck (Mitte) und Michael Jackson, 1988

Du hast auch einmal Michael Jackson fotografiert. Wie war er als Person?
Wenn mich jemand fragt, wer der netteste Prominente ist, den ich getroffen habe, dann lautet meine Antwort Michael Jackson. Er hat so leise gesprochen und war höflich. Er kam dann auf mich zu und sagte, dass er denkt, dass seine Augen auf der ersten Aufnahme tatsächlich geschlossen waren und wir noch eins machen sollten. Ich empfand das als sehr mitdenkend. Als ich die Aufnahmen später entwickeln ließ, sah ich, dass seine Augen geschlossen waren.

Gibt es einen besonders schrägen oder guten Moment, an den du dich gerne zurück erinnerst?
Für die Governor's Ball-Party der Oscars 1989 hatten ein Freund von mir und ich selbst keine Karten mehr bekommen. Also sind wir einfach an der Security vorbei trotzdem reinmarschiert. Wir haben uns einfach irgendwelche Unterlagen, die auf einem Stuhl lagen, geschnappt, haben uns über ganz wichtige Dinge unterhalten, als wir an den Wachleuten vorbei sind. Keiner hat uns aufgehalten. Wir müssen wichtig genug ausgesehen haben. Sobald wir dann drin waren, konnte ich ohne Probleme die Prominenten fotografieren. Das war die beste Nacht meines Lebens.

Gehst du noch auf Premieren oder Award-Shows?
Seit den Anschlägen vom 11. September war ich auf keiner Award-Show oder Premiere in Hollywood mehr, weil die Sicherheitsvorkehrungen bei diesen Events seitdem viel strenger geworden sind. Vor 9/11 war es entspannt und freundlich, wobei es natürlich Wachleute gab. Nach 9/11 wurde es bedrückend und unfreundlich. Es wurde unmöglich, dass ich mit meiner Pocketkamera fotografiere. Im Jahr nach dem 11. September haben die Wachleute sogar Maschinengewehre und Waffen getragen. Die Gäste mussten durch bis zu zwei Metalldetektoren gehen. Das hat einfach keinen Spaß mehr gemacht und es wurde unmöglich, als Amateur zu fotografieren.

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