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technologie wird deine beziehungen und sex in zukunft drastisch verändern

Wir haben uns mit Bryiny Cole vom Podcast "Future of Sex" darüber unterhalten, wie Virtual Reality und smarte Sextoys unser Leben revolutionieren werden.

von Briony Wright
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08 Mai 2017, 3:15pm

Still from Ex-Machina

Bryony Cole denkt viel über Sex nach, genauer gesagt redet sie viel darüber. Sie ist Host des Podcasts Future of Sex und redet mit Sexarbeitern, Branchenexperten, Sextherapeuten und hin und wieder auch mit Futuristen — ihre Frage: Wie werden wir zukünftig Sex haben? In ihren Interviews ist sie smart und mitfühlend. Mit ihren Gesprächspartnern redet sie entwaffnend offen über Sexualität. Zu den bisherigen Themen gehörten Dick-Pics, Sexpuppen mit künstlicher Intelligenz und die steigende Beliebtheit von "Teledildos". Dabei geht es ihr auch immer um die Scham und Tabus, die bei Gesprächen um diese Themen präsent sind. Schätzungen zufolge wird die Sexindustrie im Jahr 2028 einen Umsatz von 20 Milliarden Dollar machen. 

Im Interview hat uns Bryony verraten, dass es für ihren Podcast kein Thema gibt, worüber sie nicht sprechen würde. Die Einstellungen zum Thema Sex verändern sich so schnell wie die Technologie selbst, Dating-Apps, Sextoys und Virtual Reality sind Teil unserer Leben geworden oder werden es in Zukunft noch.

Wie bist auf die Idee mit dem Podcast über Sex gekommen?
Ich wurde dafür bezahlt, einen Thinktank für Absolut Vodka aufzubauen. Dafür habe ich mit 100 Leuten aus den USA über ihre sexuellen Aktivitäten gesprochen. Die Computermenschen haben mir zum Beispiel erzählt, dass sie in ihren Garagen mit Virtual Reality experimentieren. Alles, woran sie arbeiten, ist so viel weiter als das, was es momentan auf dem Markt gibt. Der Einfluss von Technologie auf unsere Beziehungen und Intimität ist bereits spürbar. Unsere iPhones und Bildschirme sind bereits im Schlafzimmer. Wie wäre es, wenn wir Technologie einzig und allein für Sex entwerfen? Das ist doch eine interessante Frage.

Worauf freust du dich bei Sextech am meisten?
Für mich liegen die größten Chancen auf dem Gebiet der Sexualaufklärung. Die virtuelle Realität wird als "Empathie-Maschine" beschrieben. Wenn man sie für die Sexualaufklärung einsetzt, würde das viel verändern, weil sie immer noch mit diesen uralten, irrelevanten Materialien durchgeführt wird, die seit Jahrzehnten nicht mehr aktualisiert wurden. Die umfassendste Studie über Sexualaufklärung in Australien, La Trobe, hat 2015 herausgefunden, dass 50 Prozent der Jugendlichen denken, dass die Sexualaufklärung komplett irrelevant ist. Gleichgeschlechtliche Beziehungen werden oft gar nicht angesprochen. Das ist doch verrückt! Wenn wir unsere Einstellungen ändern würden, kann Virtual Reality ihr ganzes Potenzial entfalten.

Wenn Jugendliche überall Zugang zu guter Sexualaufklärung hätten, wäre das doch fantastisch!
Der Nutzen von Virtual Reality hört bei Jugendlichen nicht auf. Es gibt in Georgia eine Universität, die die virtuelle Realität bei jungen Women of Color einsetzt, um für das Thema Einwilligung zu sensibilisieren. Das läuft so ab: Sie setzen sich VR-Headsets auf und simulieren einen Abend in einem Club. Dort lernen sie, "Nein" zu sagen und potenzielles Risikoverhalten zu erkennen. Anstatt einfach nur eine Powerpoint-Folie mit angsteinflößenden Fakten über STI zu zeigen, helfen Technologien wie VR und Augmented Reality, Menschen dabei, sich durch Situationen im realen Leben zu manövrieren.

Es scheint so, dass mehr Frauen als jemals zuvor in der Erotikindustrie arbeiten.
Female Empowerment ist so wichtig und ich habe so viele Frauen kennengelernt, die ihre eigenen Sextech-Firmen gegründet haben. Als ich nach New York gekommen bin, habe ich Cindy Gallop von Make Love Not Porn und ein Dutzend anderer Frauen getroffen, die alle Produkte rund um die sexuelle Gesundheit von Frauen und für den sexuellen Genuss von Frauen lanciert haben. Zu lange wurde dieser Sektor von Männern und billigem Sexspielzeug aus China dominiert. Jetzt kümmern sich Frauen um die Produkte, die auf sie zugeschnitten sind. Die Sextoys werden mit den Augen einer Frau entwickelt, eignen sich aber genauso gut für Paare. Sextech hilft dabei, Beziehungen zu retten. Das ist ein Markt, der noch unterentwickelt ist.

Welche verrückten Produkte werden gerade wirklich entwickelt?
Anzüge, die eingebaute Sensoren haben und sich so anfühlen, als ob man tatsächlich eine Person neben sich hätte. Es gibt auch noch das Feld der Teledildonics. Damit sind die ferngesteuerten Sextoys gemeint, die der Partner oder ein Pornostar kontrolliert. Jetzt gibt es die dritte Sphäre — den Raum dazwischen — ,die vorher nicht existiert hat. Dank der Technologie können wir körperliche Berührungen spüren, die übers Internet von einer anderen Person kontrolliert werden. Daneben gibt es natürlich auch moralische Fragen: Wie wird die Zukunft von Beziehungen aussehen? Was wird als Fremdgehen gewertet?

Da stoßen wir natürlich in ein neues Terrain vor. Es gibt noch keine ungeschriebenen Regeln.
Das stimmt. Daneben existieren auch Szenarien, dass ganze Beziehungen in der Virtual Reality stattfinden, ohne die Person auch nur einmal von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben. Man trifft in der virtuellen Welt eine Person und geht auf ein virtuelles Date ins Kino. In der Realität sitzt man auf seiner Couch und trägt das VR-Headset. Dafür hält man virtuell Händchen, erlebt den ersten Kuss und trennt sich schließlich auch virtuell. Es wird gerade auch viel an neuen "Real Dolls" gearbeitet. Diese haben Persönlichkeiten, sie sprechen mit einem und erinnern sich zum Beispiel auch an dein Lieblingsessen. Technologie verändert unsere Vorstellungen davon, was wir unter einer Beziehung verstehen.

Wenn wir über die Zukunft sprechen: Wie weit ist diese tatsächlich weg?
Die Technologie verändert sich so schnell. Die Innovationsrate ist exponentiell: jeden Monat verdoppelt sie sich. Jüngere Menschen gehen bereits so selbstverständlich mit Technologie um — das wird die Norm werden. In der nicht allzu fernen Zukunft wird es auch keine Promi-Sexskandale mehr geben, weil es einfach kein Problem mehr sein wird, denn jede Person wird über einen digitalen Fußabdruck verfügen. Das wird normal sein. Auch wenn wir uns gerade noch in einer Zeit befinden, in der zwischen beiden Zeitaltern noch Spannungen herrschen.

Wer finanziert die ganzen Innovationen?
In vielen Fällen ist es die Pornoindustrie, da sitzt das Geld. Außerhalb davon ist es zurückhaltender aufgrund von Moralvorstellungen und Problemen bei der Kundengewinnung, weil Facebook Anzeigen blockiert und so weiter. Die Einstellungen in der Gesellschaft müssen sich noch mehr ändern. In einem Bericht von der JWT Intelligence Agency wird das Jahr 2017 als das Jahr der Vaginaomics benannt: Es gab noch nie so viele Produkte auf dem Markt, die für den weiblichen Genuss und die weibliche sexuelle Gesundheit entwickelt wurden. Das sind tolle Neuigkeiten und ein klares Zeichen, dass wir uns in die richtige Richtung entwickeln.

Credits


Text: Briony Wright
Foto: Screenshot