Alle Fotos via @frances_cannon

"Self Love Club" ist die Tattoo-Bewegung, die für mehr Selbstliebe kämpft

Was als privates Tattoo begonnen hat, ist mittlerweile zum Symbol einer ganzen Community geworden, die für weibliche Solidarität, Selbstwertgefühl und Selbstliebe steht.

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Juni 27 2016, 9:35am

Alle Fotos via @frances_cannon

Als sich Illustratorin Frances Cannon die Wörter "Self Love Club" auf ihren Arm tätowieren ließ, war es anfangs nur als ganz persönliches Statement gemeint. Sie hat eine Freundin gefragt, es ihr zu stechen. „Ich wollte etwas ganz Besonderes, das mich an meine gewachsene Stärke und meine Entwicklung, meinen Körper zu akzeptieren und zu lieben, erinnert", erklärt sie uns. Der Club bestand damals nur aus ihr, aber dann kam ihr die Idee, den Club für andere zu öffnen. Sie wollte dieses Zeichen des Selbstwertgefühls mit anderen teilen.

Frances war davor bereits als bekannte Künstlerin im Internet unterwegs. Fans und Freunde habe ihre Illustrationen als Tattoovorlagen verwendet. Es dauerte also nicht lange und der Self Love Club wuchs und wuchs. Mittlerweile ist daraus eine richtige Bewegung entstanden, die sich weltweit weiter und weiter verbreitete.


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Zu den Fans der ersten Stunde gehört die Amerikanerin Sarah Bishop, Studentin und im psychiatrischen Gesundheitswesen tätig, die von Cannons Kunst begeistert war, lange bevor Leute Bilder mit Self Love Club auf Instagram teilten. Sie hatte ihr ganzen Leben Probleme mit ihrer eigenen Körperwahrnehmung. Als eine ihrer engsten Freundinnen vorgeschlagen hat, sich „Self Love Club" stechen zu lassen, stimmte sie zu. "Wir beiden wollten einen neuen Lebensabschnitt beginnen, uns auf uns selbst konzentrieren und unsere Selbstliebe kultivieren", erklärt sie.

Sarah hat sich das Tattoo zusammen mit ihrer besten Freundin stechen lassen.

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, ob das nicht auch wieder nur ein schnelllebiger Internettrend ist. Eine weitere süße Idee, die so schnell in Vergessenheit geraten wird, wie sie gekommen ist? "Jeder kann mitmachen, solange die Club-Regeln eingehalten werden", erklärt Francis, für die es um weit mehr geht als ein süßes Tattoo. Die Frauen teilen eine Einstellung. Mit den drei Wörter auf der eigenen Haut verpflichtet man sich dazu, sich immer selbst zu respektieren, sich selbst zu lieben, sich zu vergeben und verständnisvoll zu sein; auch anderen gegenüber. Man schwört, immer auf den eigenen Körper und die eigene Psyche zu achten.

Musikstudentin Olivia Shoesmith hat den Club durch Instagram gefunden und kennt Frances nicht persönlich. Obwohl sich die beiden nie getroffen haben, ähneln sich ihre Geschichten. Mit ihrem Tattoo will sie zeigen, wie sie sich selbst sieht und behandelt: „Ich habe irgendwann eingesehen, wie scheinheilig es ist, mich einerseits selbst zu verletzen und den Planeten andererseits nicht verletzen zu wollen. Das Tattoo ist an der Stelle, die ich normalerweise immer geschnitten habe." Das Tattoo erinnert sie daran, „dass ich es wert bin, von mir selbst und von anderen geliebt zu werden."

Viele der Frauen, die das Self-Love-Club-Tattoo tragen, haben sich auch andere Illustrationen der Künstlerin auf den Körper tätowiert, was die Frage aufwirft, ob es sich eher um einen Fanclub als eine Bewegung handelt. "Wenn es ein Fanclub wäre, würden sich die Frauen Frances Love Club tätowieren lassen, auch wenn es natürlich schmeichelnd wäre, wäre es dennoch komisch", sagt sie uns. „Für mich ist das kein Fanclub und ich glaube auch nicht, dass es das für die anderen ist."

Olivia hat sich das Tattoo stechen lassen, um immer daran erinnert zu werden, dass sie etwas wert ist und auf sich Acht zu geben.

Sarah sieht es genauso: "Letztlich war es meine Entscheidung, mir das Tattoo stechen zu lassen. Ich habe meine eigenen Gründe dafür". Auch Olivia ist nicht der Meinung, dass es sich um einen Fanclub handelt: „Die Leute in der Gruppe machen es für sich selbst und nicht aus Kult-Gründen. Der Club ist eher ein Unterstützernetzwerk." Wenn sie andere Frauen mit dem Tattoo sieht, fühle sie sich, ob sie mit einer Fremden ein Geheimnis teilt. Man kennt sich nicht, aber man weiß sofort, dass man Teil der stillschweigenden Vereinbarung ist, sich gegenseitig zu unterstützen.

Das ist vielleicht die größte Errungenschaft des Clubs: Die Mitglieder schwören nicht nur, auf sich selbst Acht zu geben, sondern auch auf sich gegenseitig aufzupassen. „Weil ich es zusammen mit meiner besten Freundin gemacht habe, denke ich immer an sie und nehme mir Zeit, ihr zu zuhören und sie zu unterstützen", antwortet Sarah. Außerdem sei es ein wunderbarer Eisbrecher, der oft zu guten Gesprächen über Selbstliebe und Respekt führe.

Was für Frances als Privatangelegenheit begann, die sie daran erinnern sollte, sich selbst zu lieben und auf sich Acht zu geben, ist zu einer Gemeinschaft geworden, in der Mitglieder auf sich aufpassen und die Debatten über Selbstverstümmelungen, Selbstakzeptanz und Unterstützung anstößt. Es gibt nicht viele Accessoires, die so viel Gutes tun.

@frances_cannon

Credits


Text: Wendy Syfret
Fotos: via Instagram