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Sløtface machen die Art von Punk-Pop, die wir gerade brauchen

Die norwegische Band startet mit jedem ihrer Songs eine kleine Revolution — gegen das Patriarchat und die Engstirnigkeit auf dieser Welt. Im Interview beweisen uns die Musiker obendrein, wie viel Humor sie haben.

von i-D Staff
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20 September 2017, 10:37am

In ihrem Musikvideo zu "Magazine" sehen wir Sløtface-Frontsängerin Haley Shea, wie sie sich Tonnen von Make-up und funkelnde Steinchen ins Gesicht klatscht, während sie die Songzeile Patti Smith would never put up this shit in die Kamera grölt — genau mit dieser Scheiß-drauf-Attitüde haben sich die vier Norweger in unser Herz gesungen. Haley und ihre drei Bandkollegen Lasse Lokøy (am Bass), Halvard Skeie Wiencke (am Schlagzeug) und Tor-Arne Vikingstad (an der Gitarre) nehmen nicht nur gerne die Eigenheiten der modernen Jugend auf den Arm, sondern setzen sich in ihren Songs — und auch im richtigen Leben — für Feminismus, Konzerte als Safe Spaces für Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter ein. Als sich die Band 2012 zusammengetan hat und noch stark von Metal beeinflusst wurde, hätte sie wohl nicht damit gerechnet, dass sich selbst Lorde ein paar Jahre später als Fan outen wird. Mit dem Cover von Lordes Megahit SuperCut haben sie die Sängerin von ihrem Talent überzeugt. Und weil wir einfach nicht genug von den sympathischen Norwegern bekommen können, haben wir Haley und Lasse zum Interview getroffen, um die Band anhand der Songs ihres Debütalbums Try Not To Freak Out noch ein wenig besser kennenzulernen.


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Magazine: Wenn ihr euer eigenes Magazin-Cover gestalten könntet, was wäre darauf zu sehen?
Lasse: Ich würde etwas komplett Unrealistisches machen. Zum Beispiel jemand, der auf einem Pferd auf einer blauen Welle reitet. Das würde ich sehr zu schätzen wissen.
Haley: Und dann alle norwegischen Popstars auf dem selben Cover vereinen.

Pitted: Was war euer bestes betrunkenes Erlebnis in einem Satz?
Haley: Nachts in Glasgow unterwegs gewesen, in der Öffentlichkeit gepinkelt, Streit, wieder befreundet.
Lasse: 16 Jahre alt gewesen, im Taxi übergeben, erinnere mich an nichts mehr, außer daran, wie es sich angefühlt hat, einen Mann mit Bart zu küssen.

Galaxies: Wenn ihr in einer anderen Galaxie leben könntet, wie würde es dort aussehen?
Lasse: Es wäre ein bisschen wie bei einer Folge von Rick und Morty: ohne Patriarchat, Rassismus, Krieg und Armut.
Haley: Sauerstoff wäre auch ziemlich wichtig.

Sun Bleached: Was vergesst ihr immer, wenn ihr an den Strand geht?
Lasse: Sonnencreme.
Haley: Genug Snacks mitzunehmen. Davon kannst du wirklich nie genug dabei haben.

Pools: Wenn ihr einen ganzen Pool mit etwas, das ihr liebt, befüllen könntet. Worin würdet ihr schwimmen?
Haley: Wackelpudding. Das wollte ich schon immer mal ausprobieren.
Lasse: Dem kann ich nichts mehr hinzufügen.

Nighty Guilt: Euer Gulity-Pleasure nach Mitternacht?
Haley: Als wir auf Tour in England waren, habe ich immer diese Red Velvet Cupcakes mit diesem leckeren Frosting gekauft. Die schmecken nachts einfach besser [Lacht]. Aber ich habe auch mal Pommes umsonst bekommen, das war großartig.
Lasse: Ich fühle mich nicht wirklich schuldig beim Essen, aber ich liebe kalte Lasagne und kalte Pizza.

Try: Wenn ihr zurückblickt, was würdet ihr gerne nochmal probieren, ohne so schnell aufzugeben?
Lasse: Klettern und Tauchen. Ich war mal in einer Tauchschule, bis ich mir den Arm gebrochen habe und es danach irgendwie nie wieder gemacht habe.
Haley: Für mich wäre es Klavier- und Gitarrespielen. Manchmal wünschte ich mir echt, dass ich nicht damit aufgehört hätte und ein bisschen mehr dahinter gewesen wäre als Kind. Ich bin echt zu faul bei sowas.

Nancy Drew: Der Name stammt von einer fiktiven Teenager-Detektivin. Welches Rätsel würdet ihr gerne mal lösen?
Lasse: Ich würde gerne mal einen Mord aufklären. In einem musikalischeren Kontext wäre es die Frage, wie man einen Safe Space auf Konzerten herstellen kann. Wir haben das mal versucht, indem wir Poster mit einer Nummer gedruckt haben, die du anonym anrufen kannst, wenn dich zum Beispiel jemand im Club belästigt, so kannst du denjenigen rausschmeißen lassen. Das ist ein einfacher Weg, um sich wohler zu fühlen.
Haley: Ich finde auch diese ganzen physikalische Mysterien spannend. Wie funktioniert zum Beispiel das Konzept Zeit überhaupt? Im nächsten Leben werde ich sicher Physikerin.

Slumber: Was war der letzter Traum, an den ihr euch erinnert?
Haley: Als wir zum Touren angefangen haben, hatte ich viele dieser Stressträume. Ich träume oft, dass ich meine Ohrstöpsel verloren habe. Oder generell irgendwelches Zeug irgendwo vergesse.
Lasse: Manchmal habe ich diese Träume, die ich nicht wirklich verbildlichen kann. Weil es einfach eine verrückte Erfahrung war. Wenn ich versuche, sie dann wiederzugeben, funktioniert es nicht. Weil sie keine Größe, Zeit oder Raum hat. Aber ich renne oft in meinen Träumen vor etwas weg.

Backyard: Wenn ihr in eurem Hinterhof eine Party schmeissen würdet, welches Motto hätte sie?
Haley: "Der Spaß hört niemals auf" — Zur Sommerzeit in Norwegen wird es nämlich nicht wirklich dunkel.
Lasse: Freunde von mir machen jedes Jahr diese Art "Friend Festival". Jeder bringt etwas mit, von Essen bis Spiele. Friend Festivals Forever.

Try Not To Freak Out: Welchen Ratschlag würdet ihr jemandem geben, um nicht auszurasten?
Haley: Dinge Schritt für Schritt zu machen, und Geduld zu haben.
Lasse: Außer man rastet aus, weil etwas wirklich gut ist. Dann sollte man feiern.

@slotfaceofficial

Ihr Debütalbum "Try Not To Freak Out" ist am 15. September auf Propeller Recordings erschienen.