TOPS erzählen uns, warum Britney Spears Teil ihres Tour-Rituals ist

Wir haben die kanadische Indie-Pop-Band in Berlin getroffen, um mit ihnen über ihr Leben in L.A., Zeitreisen und freie Liebe zu sprechen.

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Nov. 29 2017, 11:42am

"Es ist egal, ob unsere Musik als unterhaltsam wahrgenommen wird. Es ist viel wichtiger, dass sie ehrlich ist", erklärt uns die kanadische Band TOPS nachdem sie dieses Jahr den Schritt nach Hollywood gewagt haben. Nach L.A. zieht man eigentlich vor allem dann, wenn man groß rauskommen möchte. Doch TOPS zog es aus weniger glamourösen Gründen in die Stadt der Engel: Schlagzeuger Riley Fleck musste wegen seines Visums zurück in die USA. Für die fünfköpfige Indie-Band wurde so die Entscheidung gefällt, dem verschneiten Montreal den Rücken zu kehren und stattdessen bei 30 Grad im Schatten an ihrem dritten Album Sugar at the Gates zu arbeiten, das Gitarrist David Carriere und Lead-Sängerin Jane Penny in einem alten Bordell in L.A. geschrieben haben.


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"Du musst jemanden wirklich schätzen, wenn du zulässt, dass er deine Ideen verändert. Bei uns funktioniert das, weil wir uns vertrauen", erklärt Jane. Gerade diese engen Freundschaften machen den positiven Vibe bei ihren Performances aus. TOPS sind Freunde, die das Glück teilen, musikalisch begabt zu sein, bewegende Texte schreiben zu können – und damit Erfolg zu haben. Nachdem wir Jane schon 2015 interviewen durften, haben wir uns dieses Mal mit der ganzen Band in Kreuzberg auf einen Drink getroffen, um zu erfahren, in welche Ära die fünf Musiker am liebsten zurückreisen würden und welche Rolle Britney Spears für ihre Karriere spielt.

In L.A. zu leben, kann eine Herausforderung sein. Gab es nach eurem Umzug Momente, in denen ihr den Eindruck hattet, dass alles und jeder um euch herum fake ist?
Jane: Wenn ich festgestellt habe, dass die Leute fake waren, fand ich das ehrlich gesagt eher witzig und unterhaltsam. Trotzdem habe ich auch einige der ehrlichsten und interessantesten Menschen hier kennengelernt. Es ist schon wahr, in L.A. sind eigentlich nur Menschen von den Enden des Spektrums: entweder sind sie sich selbst komplett treu oder total gestellt.
David: Wenn du mit jemandem sprichst, der die ganze Zeit nur versucht zu erkennen, ob du für seine Karriere wichtig sein könntest, ist das nicht die richtige Art Mensch für dich. Ich meine solche Leute, die einen Lifestyle-Blog und ihren eigenen Merch haben, aber auch noch nebenbei Schauspieler und Hundefrisör sind.

Wenn ihr keine Indie-Band wärt, was würdet ihr dann machen?
David: Es gibt nur zwei Dinge, in denen ich gut bin: Musik machen und schlafen. Also weiß ich nicht wirklich, welchen anderen Job ich machen könnte. Wahrscheinlich wäre ich Produzent oder würde Kreditkarten an Tankstellen verkaufen.
Jackson: Ich habe mal an einer Studie teilgenommen, bei der ich Medikamente getestet habe. In Montreal ist das eine gängige Sache für Musiker, weil es dort schwierig ist, einen Job zu bekommen.
Riley: Ich würde wahrscheinlich etwas in Richtung Strategieplanung machen. Am besten für sogenannte Ballerspiele, weil das Musikbusiness und diese Art von Spiele einander sehr ähnlich sind.
Jane: Ich denke, es das Beste für alle, dass wir Musik machen!

Ihr seid gerade auf Europatour. Habt ihr ein besonderes Ritual vor euren Auftritten?
Jackson: Auf jeder Tour machen wir etwas anderes, bevor wir auf die Bühne gehen. Dieses Mal war es das "Strong Britney"-Ritual.
David: "Strong Britney" habe ich von Britney Spears gelernt. In einem Interview ist sie kurz vorm Weinen und versucht, sich selbst zu beruhigen, indem sie immer wieder laut "Strong Britney" sagt – und einfach mit dem Interview weitermacht. Das ist eine richtig gute Technik, bevor wir auftreten. Wir stellen uns dann im Kreis auf und rufen: "Strong David!"
Jane: "Strong Jane!"
Marta: "Strong Marta!"
Riley: "Strong Riley!"
Jackson: "Strong Jackson!"

Stellt euch vor, ihr könntet eine Zeitreise machen: Wohin würde es gehen?
David: Ich würde gerne in die frühen 80er. Dann hätte ich die 70er schon erlebt und wüsste alles über die Zeit, also wären die 80er komplett neu und verrückt!
Jane: Marta und ich sind uns einig, dass wir zu den besten Performances aller Zeit reisen würden. Du beginnst bei ein paar klassischen Shows, gehst dann in berühmte Jazz-Clubs, siehst dir alle Künstler auf dem Höhepunkt ihrer Karrieren an und dann geht's weiter zu den ganzen coolen Bands in die 70er.
Marta: Es geht darum, alles an dem Tag und dem Ort zu hören, am dem es tatsächlich passiert.
Jackson: Ich würde es hassen, in der Zukunft zu leben. Es wird alles nur schlimmer!
Riley: Und falls du zu weit reist, ist vielleicht nichts mehr von der Welt übrig.

Das Video zu eurem Song "Further" zeigt ein Trio in einer polyamourösen Dreiecksbeziehung. Was ist eure Haltung zur freien Liebe, die vor allem in den 70ern ein großes Thema war?
Jane: Das Video zeigt eine unkonventionelle Form von Liebe und den Konflikt, den diese Art von Beziehung mit sich bringt. Auch der Song spiegelt eine gewisse Ungewissheit wider. Wir finden: Man soll machen, was immer einen und die Menschen, mit denen man zusammen ist, glücklich macht.

Euer Look erinnert generell stark an die 70er. Seid ihr nur von dem Style fasziniert oder auch von dem Lebensgefühl, das mit der Zeit einhergeht?
Jane: Als Liveband haben wir auch eine optische Wirkung auf andere, deswegen habe ich nach Inspiration gesucht und sie beim Look von Bands der späten 70er gefunden, zum Beispiel bei Heart. Ich mag fließende Kleidung, weil du dich darin gut bewegen kannst und sie die Energie so auf eine sehr angenehme Art beeinflusst – vor allem wenn die Musik sehr dynamisch ist und man sich viel dazu bewegt.
Riley: Es gibt auch ein paar Songs auf dem Album, die eindeutig nicht zum Sound der 70er passen wie "Cloudy Skies".
David: Wir fühlen uns aber weder dem Look noch dem Sound der 70er verpflichtet.
Jackson: Es gibt viele Dinge, bei denen dir erst später auffällt, wie sie auf andere Leute wirken. Du hörst eine bestimmte Art von Musik, die sich dann in deiner eigenen zeigt und auf einmal meinen die Leute, sie einer bestimmten Ära zuzuordnen. Das ist aber nichts, was du bewusst verfolgst oder wahrnimmst. Es passiert einfach.

@tttopsss