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awful records ist das hiphop-label aus atlanta, das du dir merken solltest

Wir haben die Crew um Father, Abra und Co. bei ihrem Gig in London backstage zum Gespräch getroffen.

von Francesca Dunn
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19 Dezember 2016, 9:40am

Abra wears top TOPSHOP. Pants Joseph. 

Father trägt eine Jacke von Marcelo Burlon of County Milan. Pullover: The Kooples. 

Tommy trägt ein Top von Charles Jeffrey LOVERBOY. Hose: Henry Holland. Schuhe: Dr. Martens. 

Keith trägt sein eigenes Oberteil, Hose, Schmuck und Schuhe. Gürtel: Lanvin. 

Lord Narf trägt eine Jacke von Paul Smith. Korsett: Vivienne Westwood. 

Ethereal trägt eine Jacke von Givenchy by Riccardo Tisci. Oberteil und Schmuck: Model's own.

Awful Records aus Atlanta steht hinter dem momentan einflussreichsten und experimentellsten HipHop, den es zu hören gibt. Das Label ist ein Kollektiv besteht im Moment aus 17 jungen Produzenten, Rappern und Sängern, die nicht nur durch ihre Musik sondern auch durch eine enge Freundschaft verbunden sind. Angeführt wird das DIY-Imperium vom Rapper Schrägstrich Produzenten Father, der mit seinem unfassbar guten Track „Look At Wrist ft. ILoveMakonnen + Key!" im Juli 2014 durch die Decke gegangen ist und so den Rest der Familie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt hat. Dieses Jahr hat Abra mit „Fruit", „Come 4 Me", „Crybaby" und, am aktuellsten, „Pul Up" für Aufsehen gesorgt. Während sie um die Welt tourte, haben ihre besten Freunde dafür gesorgt, dass Awful Records mit ihrem vollgepackten Release-Plan aus Mixtapes, Alben und selbstgedrehten Videos den Sound des Sommers bestimmt haben. Die Welt liegt ihnen zu Füßen, die Crew um Father marschiert unaufhaltsam an die Spitze.

Wir hängen backstage auf dem ersten Londoner Konzert mit Father, KeithCharles Spacebar, Abra, Ethereal, Lord Narf und Tommy Genesis ab, sitzen aber eher nur dabei, als wirklich mit ihnen zu sprechen, so viel muss noch getan werden: Erst sind sie beim Soundcheck, dann reden sie mit Dev Hynes (Freund, Collaborator und der heutiger Special Guest beim Konzert), verlieren sich im Backstage-Wahnsinn, lassen sich von ihren Fans fotografieren und gekifft wird auch nicht wenig. Ihre entspannte Professionalität ist genau das, was wir von dieser Gang aus Außenseitern erwarten. Alle sind Mitte 20, ihr Herz schlägt für die Trap-Beat aus Atlanta. Jeder Musiker ergänzt den Awful-Sound um seinen eigenen Style. Father sorgt dafür, dass die Dinge am Laufen gehalten werden, Ethereals Produktionen werden durch seine Liebe zu Animes inspiriert, KeithCharles bricht die Herzen der Ladys und Lord Narf wird in WITCHCRAFT nostalgisch. Tommy Genesis, die böse kleine Schwester, überzeugt mit World Vision. Und Abra zitiert in Darkwave Duchess R&B aus den 80ern und liefert einen Hit nach dem anderen ab.

Father hat Awful Records 2013 aus der Taufe gehoben, nach einer Art Eingebung. „Wir waren da zwar nicht auf einer spirituellen Sinnsuche", erklärt uns Ethereal. „Wir saßen sowieso schon im selben Raum und auf einmal kam es uns in den Sinn: ‚Wir sind alle so eng miteinander! Damit müssten wir doch was anfangen können!'." Die gemeinsame Vision war Unabhängigkeit und daraus habe sich schnell eine gut geölte Maschine entwickelt. Entstanden ist dadurch eine Gang aus Außenseitern mit Superheldennamen und starken Persönlichkeiten. „Wie man heißt, ist egal, denn man ist eben man selbst. Wir haben den Freiraum, wir selbst zu sein und das zu tun, was wir wollen", so sieht es jedenfalls KeithCharles. „Meine Freunde sind die tolerantesten Menschen auf der Welt, das ist echt krass."

Wenn du nicht in einer Höhle ohne Internetzugang lebst, dann wirst du bereits wissen, dass Atlantas Musikszene gerade extrem angesagt ist. „Wir sind halt die schrägsten Typen", sagt uns Lord Narf von Awful Records. „Unser Sound ist anders als die Musik, die man sonst aus Atlanta hört." Ja, sie rappen darüber, wie sie sich abschießen, aber anstatt es in schicken Clubs mit Tischservice und Strippern zu machen, dreht sich ihre Welt darum, zu Hause in ihrem Homestudio abzuhängen, das Awful House, in dem sie alle bis Ende des Monats gewohnt haben. Kein perfekter Ort, aber es war ihr Safe Space, in dem sie gemeinsam gewohnt, Party gemacht und zusammen an Musik gearbeitet haben.

„Unter einem Dach zu wohnen, war echt. Wir waren eine enge Crew, fast so wie eine Familie. Diese Enge kann aber auch manchmal kontraproduktiv sein", erinnert sich Father. „Deswegen ist es gut, dass jeder angefangen hat, sein eigenes Ding zu machen." Dem kann Tommy Genesis nur zustimmen und fügt hinzu: „Das Coole an Awful ist, dass sich jeder so entwickeln kann, wie er ist. Es ist absolut natürlich, dass wir uns als Individuen weiterentwickeln." Mittlerweile wohnt sie in Los Angeles, wo sie an ihrem Fetish Rap schreibt und für Calvin Klein vor der Kamera steht. Die in Toronto geborene Tommy G wurde von Awful nach einer langen Online-Freundschaft adoptiert. „Ich war plötzlich Teil dieser dysfunktionalen Familie", sagt sie uns. „Ich hatte sofort das Gefühl, dass sie schon ewig kenne."

KeithCharles ist nach New York gezogen, Abra lebt das Tourleben und Father, Narf und Ethereal freuen sich auf Freizeit, um über das vergangene Jahr zu reflektieren und sich die nächsten Schritte auszudenken. „Jeder entwickelt sich auf so unterschiedliche Art und Weise weiter, und das ist so cool", sagt Ethereal mit einem Lächeln. „Früher war es so, dass wir alles geteilt haben und das hat uns aufgehalten, weil es den Workflow und das Bewusstsein verlangsamt hat. Jetzt sind wir hier in London, jemand ist in L.A., in New York und in Atlanta."

Und während sie mehr und mehr Musik herausbringen und jeder an seiner eigenen Karriere arbeitet, wird ihr Erfolg immer größer. „Es ist so, als ob man in den Pool geschmissen wird. Entweder geht man unter oder man schwimmt", so Father. „Viele von uns entscheiden sich fürs Schwimmen. Einige plantschen nur herum, aber andere sind direkt reingesprungen." Wie gut ist er im Schwimmen? „Ich bin gut im Kraulen, ich bin jetzt nicht so der Tiefseetaucher oder so was. Ich bin aber auch nicht so gut, dass ich einen millionenschweren Vertrag in der Tasche habe." Es ist aber auch nicht so, dass ihm besagter Vertrag nicht angeboten wurde und er abgelehnt hat: „Ich möchte nicht meine Fähigkeit verlieren, das zu tun, was ich tun möchte, wann ich es tun möchte. Ich möchte unabhängig bleiben und aus meinen Fehlern lernen. Das ist ein langsamerer Prozess, aber letzten Endes wird es gut für mich sein. Ich weiß, wie lange ich dieses Spiel mitspielen will."

Ähnlich ist es Ethereal gegangen, der in Atlanta aus seinem Tagtraum aufgewacht ist und für den Gig in London zum ersten Mal überhaupt einen Reisepass beantragt hat. „Wir machen das, weil es kein Spiel mehr ist. Die Chancen warten darauf, von uns ergriffen zu werden. Wir wären dumm, nicht weiterzumachen." Damit möchte Lord Narf andere zu Hause in Amerika inspiriert. „Ich möchte, dass mich die Musiker aus Atlanta in London sehen und wissen, dass sie alles erreichen können, wenn sie es wirklich wollen."

Das ausverkaufte Konzert in London wird ein voller Erfolg und die altehrwürdige Kirche bebt. „Ich war immer auf der anderen Seite der Kanzel und habe mich nicht wie ich selbst gefühlt", sagt uns Abra am Ende des Abends und spielt damit auf ihre christliche Erziehung an. „Und dann war ich selbst in der Kanzel und habe mich wie ich selbst gefühlt." Dieser Abend war wichtig und voller positiver Energie. Wir sind Zeugen davon geworden, was es heißt, wenn man seine Crew findet und sich einfach von Menschen mitziehen lässt, das ist eine transformative Erfahrung.

Und wie geht es für die Awful-Crew weiter? Father arbeitet an seinem Album, das auch sein letztes für eine ganze Weile werden könnte. Er möchte in Zukunft weniger Musik machen und stattdessen mehr produzieren, die Entwicklung des Labels vorantreiben und noch mehr Künstler  ak­qui­rie­ren. „Uns gibt es schon länger, wir entwachsen dem Ganzen irgendwann. Es muss neue Leute geben, die nach uns kommen und die Stärke der Marke weiter am Leben erhalten." Außerdem möchte er ein Haus am Strand mit einem großen Schreibtisch und einem Chefsessel, von dem er aus die Geschäfte steuert, kaufen. Was ist für Awful der bisher beste Moment bisher gewesen? „Alles", sagt Abra sichtlich begeistert. „Das Gute und das Schlechte. Wir haben einfach eine unglaublich gute Zeit."

Alles aus unserer The Big Issue findest du hier. 

Credits


Text: Frankie Dunn
Fotos: Ronan McKenzie 
Styling: Bojana Kozarevic
Haare: Maki Tanaka verwendet Bumble and bumble
Make-up: Daniel Sallstrom / CLM verwendet NARS Cosmetics
Stylingassistenz: Lula Ososki