sick boy, renton, begbie und spud über „trainspotting“ – 1996 und 2016

Nach 20 Jahren sind die Hauptdarsteller wieder in ihre Rollen von damals geschlüpft. Wir haben mit Ewan McGregor, Jonny Lee Miller, Ewen Bremner und Robert Carlyle über die Musik, den Style und die Dinge, die sie in all den Jahren gelernt haben (oder...

von Colin Crummy
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30 Januar 2017, 3:30pm

„Der letzte Film über die britische Jugend": So hat Autor Irvine Welsh die Verfilmung seines Romans Trainspotting über die desillusionierte, zugedröhnte, schottische Jugend mit einer Vorliebe für Schimpfwörter damals genannt. Die Entscheidung, die drogenabhängigen, kriminellen Jungs von Leith — Renton (Ewan McGregor), Sick Boy (Jonny Lee Miller), Spud (Ewen Bremner) und Begbie (Robert Carlyle) — nach 20 Jahren wieder zu vereinen, ist da nicht ganz unproblematisch gewesen.

„Diese Charaktere sind wieder da und es ist eigentlich ein bisschen traurig. Wir sind alle älter, es gibt einen gewissen Pathos, aber wir machen trotzdem immer noch mit", sagte Welsh uns letztes Jahr. „Die Sorge ist einfach, dass den Film unsere Kinder oder sogar unsere Enkel so empfinden, als ob sie ihrem Onkel beim Tanzen auf einer Hochzeit zuschauen müssen."

Wie sich nun herausstellt, hat sich Irvine Welsh umsonst Sorgen gemacht. Danny Boyle und John Hodge, die als Grundlage Welsh' eigene Romanfortsetzung Porno genommen haben, haben die schottischen Boys im Edinburgh des Jahres 2016 gut getroffen.

Renton kehrt in T2 Trainspotting zurück nach Schottland, nachdem er mit dem ganzen Geld vor Jahren abgehauen ist und knüpft wieder Kontakt mit Sick Boy, Spud und Begbie — und das auf lustige, schockierende, betrunkene, verdrogte und gewaltsame Art und Weise. Der Film eignet sich für 17-Jährige wie für 37-Jährige, für Leute, die eine gewisse 90er-Nostalgie verspüren, wie für Leute, die die vier zum ersten Mal feiern.

Der Film macht 2016 das, was der erste Film schon 1996 getan hat: Er macht uns die Gegenwart begreiflicher, von Facebook bis zu #fitfam. Es gibt sogar eine moderne Version von Rentons berühmtem „Choose Life"-Monolog, eben nur darüber, was modernes Leben im Jahr 2016 bedeutet. Die vielen Flashbacks zum ersten Teil sorgen dafür, dass den Film eingefleischte Fans wie Neueinsteiger schauen können. Auch Zuschauer ohne Vorwissen können das ganze Trainspotting-Universum noch einmal in seiner Gänze erleben.

Wir haben die vier Hauptdarsteller zum Interview getroffen.

Der erste Trainspotting-Film ist heutzutage ein Zeitdokument. Was denkt ihr darüber?
Ewen Bremner: Meine Tochter ist 17 und der Film ist für sie und ihre Freunde ein Mittel, um sich in die Zeit zurückversetzen zu können. Es fühlt sich für sie nicht wie eine Geschichte an, die vor langer Zeit spielt und mit der sie nichts mehr anfangen können. Die Geschichte fühlt sich immer noch relevant an. Sie spricht sie noch an. Das liegt an Dannys Art, Filme zu machen. Er benutzt die Bildsprache von Musikvideos und Dokumentationen, er mixt Realismus mit Surrealismus. Er hat den Weg für sehr moderne Ausdrucksweisen geebnet.

Welche Themen finden sich in beiden Filmen wieder?
Ewen B: Im ersten Film geht es um Freundschaft. Den Rausch und die Spannungen, die damit verbunden sind, wenn man zur Schule geht und Anfang 20 ist. Man versucht herauszufinden, ob die Person gut oder schlecht für einen ist. Ob man sie in sein Leben lassen oder sich von ihrem Einfluss fernhalten sollte. Das wurde im ersten Film wunderbar dargestellt.
Robert Carlyle: Man lernt vielleicht die ein oder andere Lektion.
Ewen B: Wie man sich einen Schuss setzt [lacht].
Robert: Wie man sich keinen Schuss setzt. Man muss vorsichtig mit Freundschaften umgehen. In der Fortsetzung geht es um die Frage, ob eine Freundschaft auch noch in 20 Jahren etwas wert ist. Für junge Leute ist es schwierig so weit vorauszuschauen, aber der Film ist dafür eine Chance.

In der originalen Rede von Renton hat er die Sorgen und Nöten einer ganzen Generation zusammengefasst. Dürfen wir das auch von der neuen Rede im Film erwarten? Verortet sie uns, wo wir 2017 stehen?
Ewan McGregor: Ich weiß nicht, was der Schlüssel zum Verständnis unserer Gegenwart ist, außer dass sie ein riesiges Durcheinander ist. Es ist gerade etwas erschreckend.

Glaubt ihr, dass dieses Gefühl die beiden Teile miteinander verbindet? Dass die Leute nicht wissen, was sie mit ihren Leben anfangen sollen?
Jonny Lee Miller: Die Charaktere sind alle auf ihre Weise stecken geblieben. Man muss sich doch nur angucken, wie sich die Welt um sie herum verändert hat. Vielleicht haben sie sich gar nicht so viel verändert, wie sie es hätten tun sollen.

Der erste Teil ist gehört zu den Filmen der 90er. Was hat für euch die damalige Zeit definiert?
Ewan M: Oasis. Ich war großer Oasis-Fan. Sie hatten etwas an sich, ihre Einstellung.Ihre Art und Weise, wie sie mit ihrer Bekanntheit umgegangen sind, war sehr speziell. Ihnen war es damals mehr oder weniger total egal. Das war sehr cool.

Was sind eure Lieblingssongs vom ersten Soundtrack?
Jonny: Ich schwanke zwischen „Lust for Life", „Perfect Day" und „Born Slippy". Die drei stechen für mich hervor. Als Vorbereitung auf den zweiten Teil habe ich wieder viel von Pulp gehört und sie für mich wiederentdeckt. Man kriegt einen krassen 90er-Flashback, wenn man Pulp hört.
Ewan M: Mir geht es mit Pulp genauso. Oder wenn ich „Born Slippy" höre, muss ich daran denken, wie ich über eine Brücke mit einem Geldsack laufe. Was den neuen Film angeht: Young Fathers. Danny liebt die und sie sind das musikalische Rückgrat im neuen Film. Danny wollte zeitgenössische Musik, damit aus dem Film keine Retrospektive wird, weil es schon viele Rückblicke gibt.

Habt ihr ein Lieblingskleidungsstück aus dem ersten Teil?
Ewen B: Das Tolle an Trainspotting war doch, dass die Kostüme aus so vielen Jahrzehnten stammen, von den 50ern aufwärts. Wenn man sich den Film anguckt, kann man anhand der Mode nicht sagen, dass der Film in den 90ern spielt. Er hat das Beste und das Schlechteste aus den 80er, 70er und 60ern kombiniert. Die Mode im Film hat sich aus all diesen Zeiten bedient und man konnte keine Rückschlüsse auf das Jahr ziehen. Das war eine ganz eigene Zeit.
Robert: Ich habe ein paar Klamotten geklaut. Für mich sehen die Klamotten von Begbie in beiden Filmen fast gleich aus, weil er am Anfang des zweiten Films im Knast sitzt. Ich verrate euch nicht zu viel, wenn ich sage, dass er aus dem Gefängnis flieht. Er kommt nach Hause und seine Klamotten haben sich nicht viel verändert.
Ewan M: Für mich ist es das Nylon-Hemd aus den 70ern mit dem riesigen Disco-Kragen und dem Indianer-Print. Inmitten all der Hochhäuser ballt er die Faust zum Himmel und trägt seinen Kopfschmuck.
Robert: Ich würde sagen der rosafarbene Pringle-Pullover von Begbie. Der fasst Begbie ganz gut zusammen.

T2 Trainspotting startet am 16. Februar in den deutschen Kinos.

Credits


Text: Colin Crummy
Foto: Screenshot von YouTube aus dem Video „T2 Trainspotting Official Trailer" von Sony Pictures Releasing UK

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