“cause & effect“ ist dein neues lieblingsmagazin abseits des mainstreams

Wir haben die Gründer des neuen Mode- und Kunstmagazins zum Gespräch getroffen, die mit ihrer Zeitschrift ein Zeichen gegen die heteronormative Monokultur setzen wollen.

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Mai 29 2017, 3:25pm

Es hat nie eine bessere Zeit für ein Magazin wie Cause & Effect gegeben. In einer Zeit, in der das politische Klima im Westen von blassen, weißen Männern bestimmt wird, stellt das Magazin die Identitäten von Menschen aus marginalisierten Gruppen in den Vordergrund. Die Idee stammt von Chefredakteur Amnah Hafez aus Saudi-Arabien und dem regelmäßigen i-D Contributor Tom Rasmussen. Im Gegensatz zu den meisten Mainstream-Zeitschriften behandelt Cause & Effect Su Themen wie ethnische Herkunft, Geschlecht oder Sexualität nicht mit spitzen Fingern, sondern macht aus ihnen eigenständige Sujets.

Die erste Ausgabe hat fast ein Jahr gebraucht, bis sie fertig war. Das Warten hat sich aber mehr als gelohnt: in den längeren Artikeln und Meinungstexten geht es um sensible Themen wie Körperwahrnehmung, HIV-Aktivismus und wie der Kleiderschrank eines Lederfetischisten aussieht. Die Contributor-Liste liest sich wie das Who is Who der aufregendsten Namen in der Mode- und Kunstwelt. Vince Larubina ist Senior Fashion Editor, zu den Fotografen gehören Nadine Ijewere, Thurstan Redding und Gwenaëlle Trannoy, zu den Coverstars die New Yorker Voguing-Legende und Porträtfotografin Kia LaBeija sowie Designer Walter van Beirendonck.

Auch auf i-D: Room4Resistance veranstaltet Partys und bietet einen Safe Space für Menschen aus marginalisierten Gruppen

Wir haben uns mit den Machern darüber unterhalten, warum Cause & Effect das richtige Magazin für die düstere, politische Zeit ist.

Warum habt ihr Cause & Effect gegründet?
Tom: Uns hat der Mangel an Intersektionalität und Vielfalt innerhalb der Independent-Publikationen frustriert; besonders bei denen, die sich dem Thema Mode widmen. Wir haben uns in den letzten Jahren oft über Fantasie und Perfektion gestritten und sind letzten Endes zu dem Schluss gekommen, dass wir eine Fantasie kreieren sollten, in der sich alle wiederfinden können. Ich bin freier Journalist und konzentriere mich auf Themen wie queere Identität und Aktivismus. Von Anfang an war Amnah und mir wichtig, dass wir visuell und schriftlich so viele Stimmen wie nur möglich abdecken, damit wir das erreichen, was wir uns vorgenommen haben. Emily hat aus dem Traum dann Magazinwirklichkeit gemacht.
Amnah: Das Magazin ist aus endlosen Gesprächen zwischen uns beiden entstanden, hauptsächlich ging es uns darum, was wir in der Modeindustrie häufiger sehen wollen und dass wir uns beide von den meisten Magazinen und Büchern, die es gibt, ausgeschlossen fühlen. Ich habe Tom angerufen und ihm gesagt, dass wir dieses Magazin gründen müssen. Dass wir etwas machen müssen, das viele Menschen einschließt, politisch und einladend ist — und am wichtigsten: das ethisch ist! Wir wollten, dass es eine Zeitschrift gibt, die Vielfalt in der DNA trägt und nicht nur eine Modeerscheinung ist. Mit Vielfalt meinen wir unterschiedliche Jobs, Geschlechter, Ethnien, Alter, Figur und so weiter. Wir wollten Inhalte erstellen, die Debatten auslösen, die sich herzlich anfühlen und an denen ganz unterschiedliche Menschen beteiligt waren.

Wie verkörpern das eure Coverstars?
Amnah:
Jede Person auf dem Cover steht für etwas, woran sie glaubt. Sie sind Aktivisten oder ihre Kunst ist eine Art von Aktivismus. Sie glauben an die gleichen Dinge wie wir. Von Walters politischen Botschaften in seinen Designs über Kias Arbeit für ihre Gemeinschaft bis zu Torraines und Dinahs offenem Umgang mit ihrer Transgender- und Drag-Identität. Wir hatten das Gefühl, dass unsere Coverstars unsere Botschaft ganz und gar vertreten.

Warum ist es ein queeres Magazin und was bedeutet das?
Emily: Queer bedeutet für jeden etwas anderes und es gibt keine endgültige Definition davon. Für mich ist das Magazin queer, weil so viele queere Menschen daran mitgewirkt haben, mit unterschiedlichen Hintergründen und Richtungen von Queer. Wir sprechen auch viele der Themen an, die Identität und Sexualität miteinschließen, und oft unter dem Label "Queer" zusammengefasst werden. Queersein umschließt für mich Werte wie Inklusivität, ein Zelebrieren von Andersartigkeit, gegen Hierarchien, gegen Heteronormativität und Unterstützung für und zwischen den Menschen, die am Magazin mitgewirkt haben. Mitgefühl und das ständige Bedürfnis, sich in allen Bereichen zu verbessern.

Tom, dein Artikel über Übergewicht ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Debatten in der Modewelt rund um Vielfalt verbessern können. Warum hast du darüber geschrieben und was hast du daraus gelernt?
Tom: Es ist sehr selten, dass übergewichtige Menschen gerade in Modemagazinen einen Platz finden. Ich bin übergewichtig und wollte mit dem Artikel einfach die Chance nutzen, um offen darüber zu reden. Ich habe die tolle Bloggerin Lottie L'Amour interviewt und mich gefragt, warum übergewichtige Menschen aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt werden. Ich glaube, es liegt daran, dass uns immer gesagt wird, dass wir gute Konsumenten sein sollen — übergewichtig zu sein, ist die logische Konsequenz davon. Aber die Leute können diese Wahrheit nicht ertragen, weil übergewichtige Menschen sie daran erinnern. Ich habe zwei Sachen daraus gelernt. Erstens: Wir müssen mehr über Übergewicht reden und es normalisieren. Zweitens: Die Leute müssen die Debatte um Übergewicht endlich von Klassendenken und Gesundheitsdogmen befreien, denn das schließt übergewichtige Menschen aus. Lasst mich doch einfach leben! Und am wichtigsten: Zelebriert meine Entscheidungen auf die gleiche Weise, wie ich gezwungen werde, eure Dünnheit zu bejubeln.

Warum ist es so wichtig, dass wir heutzutage die Identitäten von Menschen aus marginalisierten Gruppen zelebrieren?
Tom: Die dominante Mainstream-Kultur ist düster und unterdrückend. Also liegt es an den Menschen, die an den Rändern der Gesellschaft ihr Dasein fristen müssen, sich gegenseitig zu unterstützen und für Emanzipation zu kämpfen. Gerade in einer Zeit, in der es im Mainstream keinen Raum für sie gibt, ist es wichtig, dass Bilder und Texte geschaffen werden, die nicht-normative Erfahrungen eine Plattform geben — ob es queere Menschen, LGBTQ, People of Color, Migranten, die Arbeiterschicht, Menschen mit Behinderungen, Frauen oder übergewichtige Menschen sind. Uns treffen politische Entscheidungen und Regierungsstrukturen direkt, die darauf abzielen, uns von der Debatte auszuschließen. Keiner nimmt uns die Arbeit ab, deswegen müssen wir sie selbst machen.

Was sollen die Leute, nachdem sie Cause & Effect gelesen haben, mitnehmen?
Emily: Der Markt für Mode und Kunstmagazine ist bereits so gesättigt, es ist nur ein neues Angebot. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir ein Magazin entwickeln wollen, das intelligent und High Fashion zugleich ist; das die Leser nicht ausgrenzt und eine breite Auswahl an Identitäten und Körpern zeigt. Einer unser Contributor, der unglaublich talentierte Illustrator Cozcon hat es am besten ausgedrückt: "Ein Ort, wo Mode, Kunst, Queersein, Nichtweiß-Sein und Verhaltensstörungen koexistieren können." Wir sind zwar noch nicht 100 Prozent da, wo wir sein wollen, aber die erste Ausgabe ist ein aufregender, erster Schritt in diese Richtung. Wir hoffen, dass die Leser genauso aufgeregt sind wie wir.

@cause_effectmag

Credits


Text: Amelia Abraham
Fotos: Cause & Effect Magazine