damien dubrovnik bringt skandinavischen industrial sound nach berlin

Loke Rahbek und Christian Stadsgaard, das Produzentenduo hinter Damien Dubrovnik, werden nächsten Monat ihr neues Album “Great Many Arrows“ zum ersten Mal live performen. Wir haben sie vorab für ein Gespräch über die Unterschiede zwischen Berlin und...

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Juli 11 2017, 6:01am

55°41' Nord, 12°33' Ost: Das sind die Koordinaten von Kopenhagen. Sie stehen neben dem Logo von Posh Isolation, das aus einer vereinfachten Erdkugel besteht. Der dänische Einfluss überträgt sich auf die Musik: Als würde sich die schwarze Logo-Outline mit weißem Rauschen mischen und ein sphärischer Sound zwischen Noise, Synth und Ambient entstehen. So in etwa klingen Damien Dubrovnik alias Loke Rahbek und Christian Stadsgaard.

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Mit 16 geht Loke auf die ersten Partys und trifft an einem Abend den 14 Jahre älteren Universitätsdozenten Christian Stadsgaard, der Events in Kopenhagen organisiert. Die beiden freunden sich an und einige Jahre später entsteht daraus die Independent-Musikschmiede Posh Isolation. "Wir haben uns zu einer Zeit kennengelernt, in der wir beide offen für neue Impulse waren — so haben wir begonnen, zusammen aufzunehmen", erklärt Christian. Seit 2009 veröffentlichen sie auf ihrem Label nicht nur ihre eigenen Alben, die im Laufe der Zeit ruhiger und atmosphärischer geworden sind, sondern haben mittlerweile 200 Platten, unter anderem von Puce Mary und Croatian Amor, herausgebracht. Wir haben anlässlich ihres neuen Albums Great Many Arrows mit den beiden Künstlern gesprochen.

Great Many Arrows ist euer 200. Label Release. Seid ihr da noch aufgeregt?
Loke Rahbek: Offizielle Release-Dates haben bei Musik etwas Merkwürdiges, denn sie wurde immer schon viel früher produziert ­— als Labelbetreiber verlieren sie an Mysteriösität und Romantik.

Was ist das Besondere daran, auf einem eigenen Label zu veröffentlichen?
LR: Mit der Zeit hat es aufgehört, sich komisch anzufühlen. Ich kann es gar nicht sagen, denn wir haben vor acht Jahren das Label zur Veröffentlichung unseres ersten Damien-Dubrovic-Albums gegründet. Es wäre komisch, wenn jetzt jemand anderes unsere Musik veröffentlichen würde.

Experimentelle Musik wird in Berlin gerade wieder größer — nicht nur bedingt durch Festivals wie CTM oder Atonal, auf dem ihr auch spielen werdet.
LR: Wenn man in Europa mit experimenteller Musik arbeitet, lässt sich Berlin nicht ignorieren. Es war und ist immer noch eine Schlüsselstadt für elektronische Musik in allen Formen und Facetten.

Und wie ist das in Kopenhagen?
LR: Die Stadt ist vor allem für Posh Isolation bekannt. [Beide lachen] Es ist schwer zu sagen, für welche Musikströmung Kopenhagen einen Namen hat. Für mich ist es mein Zuhause. Aus musikalischer Perspektive haben wir ein paar sehr schöne Venues und Institutionen. Unser Studio etwa befindet sich in einem Komplex in Mayhem, in dem auch Clubs sind und das in den letzten Jahren zu einem Ort für lokale und internationale Experimentalkünstler_innen geworden ist.

Christian Stadsgaard: Hier gibt es eine gute Infrastruktur für elektronische Musik — gute Labels, Spielorte und Leute, die etwas in Gang bringen. Im Vergleich zu Berlin ist Kopenhagen zwar eine kleine Stadt, aber hier arbeiten fantastische Leute - und es passiert viel. Freunde von uns organisieren Fast Forward Productions, deren Veranstaltungen mehr in die Richtung von straighten Techno-Raves gehen. Außerdem gibt es ein paar Techno-Labels und andere Freunde, die Old School Noise produzieren, der uns teilweise an unsere Anfänge erinnert.

Und wie hat sich eure Musik von Old School Noise bis heute verändert?
CS: Wir versuchen immer, Wege zu finden, die Dinge anders anzugehen und uns nicht zu wiederholen. Noise an sich ist das nicht mehr. Ich sehe uns als zeitgenössisches elektronisches Musikprojekt - als Gruppe Damien Dubrovnik, aber auch als Label. Wir kamen aus der Noise-Szene und das hat uns viele Vorteile gebracht. Wir wissen, wie Dinge funktionieren, weil wir am Anfang alles selbst gemacht haben.

Was habt ihr bei Great Many Arrows anders gemacht?
LR: Es performen viel mehr Leute als normalerweise, also ist es etwas ganz anderes. Mit jeder neuen Platte lernen und entdecken wir mehr und mehr. Es würde keinen Sinn ergeben, ins Studio zu gehen und ein Album aufzunehmen, das wie das Vorherige klingt.

Wie produziert ihr? Analog oder mit dem Computer?
LR: Wir haben ein Shad-Studio in Kopenhagen. Dort treffen wir uns, schauen aus dem Fenster, suchen nach Sounds, die passen und bringen sie zusammen. Und wir verbringen viel zu lange damit, sie zu bearbeiten und umzuschreiben, zu bearbeiten und noch einmal umzuschreiben, bis alles so klingt, wie es soll. Vom Beatnik Piano zum Mac über Kassettenrekorder nutzen wir alles, was man benutzen kann.
CR: Das kann Lo-Fi-Sound sein, aber auch etwas, das andere Leute weggeworfen haben. Alles hat einen eigenen Klang und erzeugt dadurch eine gewissen Stimmung - und das zu kombinieren, ist bereichernd.

Das stimmt, selbst der Regen klingt an verschiedenen Orten ganz anders.
LR: Ich mag den Klang von Regen.

... wenn man selbst nicht nass wird. Ihr seid beide auch in verschiedene andere Musikprojekte involviert. Was macht den Klang von Damien Dubrovnik aus?
LR: Wir haben ein ähnliches Verständnis, was Geschmack, Stil und auch die Fähigkeiten angeht. Das macht es sehr angenehm.
CS: Vor allem, wenn man seit Jahren intensiv zusammenarbeitet und die gleichen Ambitionen verfolgt. Wenn wir zusammen ins Studio gehen, ist das anders als mit Leuten, die sich kaum oder nur ein bisschen kennen und definitiv ein Vorteil für uns.

Wenn wir über Ambitionen sprechen: Könnt ihr mir mehr über die Hintergründe von Great Many Arrows sagen?
LR: Unser Antrieb war es, ein schönes Stück Musik zu produzieren.
CS: Bei dem, was wir machen, haben wir einen künstlerischen Ansatz. Wenn das nicht so wäre, sollten wir vielleicht andere Musik machen.

Am 17. August spielen Damien Dubrovnik auf dem Berlin Atonal und präsentieren ihr neues Album Great Many Arrows zum ersten Mal live im Kraftwerk. Loke Rahbek ist daneben zusammen mit Julia Lans am 24. August auf dem Berliner Pop-Kultur-Festival mit dem Projekt Translator zu sehen, das auch auf BCR übertragen wird. Mehr von Damien Dubrovnik und ihrem Label findest du hier.

Credits


Text: Natalie Mayroth