schöne, arme welt

Die Aufgabe von Agenturen ist die erfolgreiche Vermarktung, Unterstützung und der Schutz ihrer unter Vertrag genommenen Models. Eine aktuelle Studie deckt nun die Ausbeutung auf, die stattdessen immer öfter im Business stattfindet.

von Wendy Syfret
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12 Mai 2016, 8:00am

Viele denken immer noch, Modeln besteht primär aus Champagner und Geschenken. Jeder, der professionell in dem Bereich tätig war, kann aber bezeugen, dass es eine sehr teure Welt ist. Eine aktuelle Untersuchung von CNNMoney hat die belastende finanzielle Situation vieler junger Männer und Frauen aufgeschlüsselt. Während ein großer, kommerzieller Job für ein paar Tage Arbeit viel Geld einbringen kann, sieht das Model, als der Mensch, der die Arbeit ja macht, oft nur einen winzigen Bruchteil davon.

Dass etwa zwanzig Prozent des Einkommens an die Agentur des Models gehen, ist der Standard-Deal, der die Ausgaben deckt und Agenturen überleben lässt. Die Zahl der Fälle, in denen Models große Geldbeträge für Unterkünfte, Rechnungen, Fotos und Pressearbeit aus der eigenen Tasche zahlen müssen, wächst allerdings stetig. Die Untersuchung deckte außerdem auf, dass Gebühren von den Gehältern ohne ihr Wissen abgezogen wurden. Und das für Leistungen, denen die Models nicht eingewilligt haben, das Geld von ihrem Konto genommen wurde: Visitenkarten, Geschenke für Kunden, eine Fläche auf der Website der Agentur oder—ironischer geht es kaum—ein Blumenstrauß zum eigenen Geburtstag. 

Eines der Models, das befragt wurde, erzählte, dass sie aufgrund von Provisionsgebühren und betrieblichen Ausgaben nur 6.475 Dollar eines 30-Tausend-Dollar-Jobs gesehen hat. Klar, für viele klingt diese Summe alles andere als bemitleidenswert, wenn man allerdings beachtet, dass regelmäßige oder langfristige Jobs eher eine Ausnahme als eine Regel sind, sieht das anders aus. Wenn den Models zeitweise das nötige Geld fehlt, bekommen sie zwar ab und an eine Vorauszahlung der Agentur, allerdings oft mit Verzinsung. Ein Teufelskreis.

Vieles davon kann nur passieren, weil Models formal nicht als „Angestellte" sondern „Vertragspartner" von den Agenturen angesehen werden. Aus diesem Grund sind sie von Vorschriften und von dem Schutz nationalen Arbeitsrechtes oft ausgeschlossen. Für sie gilt kein Mindestlohn, keine maximale Arbeitszeit oder Überstunden. Sie bekommen keine Unterstützung von Bürgerbeauftragten oder Gewerkschaften, wenn etwas schiefgeht.

Natürlich gibt es auch viele Agenturen, die ein zweites zu Hause für die Models sind und sie durch und durch unterstützen. Aber die Tatsache, dass diese immer mehr zur Ausnahme werden, sollte beachtet werden, wenn wir das nächste mal grün vor Neid durch die Magazine blättern. 

Credits


Text: Wendy Syfret
Foto: via Flickr

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