Beyond Clubbing: Wenn feiern mehr ist als nur Party

In unserer neuen Videoreihe erforschen wir, was die Berliner Underground-Partyszene so einzigartig macht. Wir sprechen mit vier Schlüsselfiguren, die mit ihrer Arbeit Grenzen aufbrechen und die Tanzfläche zu einem sicheren Ort für alle machen wollen.

von Alexandra Bondi de Antoni
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08 Mai 2017, 9:30am

Wie kaum eine andere Stadt hat Berlin den Ruf, weltoffen, frei und ungezügelt zu sein. Hier kann man sich verlieren, nur um sich danach wiederzufinden. Hier trifft man auf Menschen, die einem zuhören und einen unterstützen. Hier wird der Club zur kulturellen Spielwiese, auf der es um Austausch und (persönlicher) Entwicklung geht. Hier ist Ausgehen mehr als sich den Schädel wegzusaufen und zu vergessen, welcher Tag heute ist – hier ist Feiern mehr als nur Party. Wir sprechen natürlich nicht von den massenhaften Touristen, die jedes Wochenende die Clubs, die vor zehn Jahren aufregend waren, bevölkern und die sich eine schlechte Pille nach der anderen werfen, nur um am Montag tief depressiv im Büro zu sitzen. Wir sprechen von den Partyreihen, Clubs, DJs und Veranstaltern, die versuchen, mit ihren Partys eine Safe Space zu schaffen, in dem Feiern zu einer durchgehend positiven Erfahrung wird.

Mit unserer Reihe BEYOND CLUBBING, die heute startet, holen wir nun einige dieser Akteuere ins Rampenlicht. In vier Videos und begleitenden Artikeln lassen wir sie in ihren eigenen Worten erzählen, was Berlin zu so einem besonderen Ort macht. Das sind die Menschen, die die Szene formen und mit ihrer Arbeit versuchen, das Cluberlebnis zu einem Raum werden zu lassen, in dem sich jeder ausprobieren kann. Hier findet man Unterstützung, hier hören einem die Menschen zu, hier kann man sich in einem sicheren Rahmen verlieren und sicher sein, aufgefangen zu werden.

In unseren vier Videos geht es um vier wichtige Aspekte der Szene: Community, Safe Spaces, Selbstfindung und weibliche DJs. Den Anfang machen Daniela Seitz und Anja Weigl, die Gründerinnen von Creamcake. Aus dem Verlangen heraus, sich als Frauen auf der Tanzfläche sicher zu fühlen, begannen sie, ihre eigenen Partys zu veranstalten. Über den Dächern Berlins erzählen sie uns, wie die Berliner Undergound-Partyszene zu dem geworden ist, was sie heute ist, und wie das Internet neue Musik in die deutsche Hauptstadt gebracht hat. Und weil Creamcake ohne die Crew um sie herum nichts wäre, stellen wir dir einige der Mitglieder in einem My Crew-Special vor.

Weiter geht es am Dienstag mit Linnéa. Im zweiten Teil von BEYOND CLUBBING treffen wir die in Berlin lebende Schwedin, die mit DJ-Workshops für Frauen und Personen, die sich als weiblich identifizieren, die Musikszene von innen heraus ändern will. Die Aussage "Aber es gibt einfach nicht genug weiblich DJs" ist so alt wie die elektronische Musik selbst. Trotzdem sind die meisten Line-ups noch immer vorwiegend männlich. Ihr Ziel ist es, Frauen in der Szene zu fördern und sichtbar zu machen. Linnéa hat uns zusätzlich noch einen Mix zur Serie zusammengestellt, den du ab Freitag auf i-D.co finden kannst, und lässt uns in einem sehr persönlichen Text an ihrem Kampf für mehr weibliche DJs teilhaben.

Berlin war immer schon ein Magnet für Leute, die sich anderswo ausgeschlossen fühlen. Bevor Lyra nach Berlin kam, fühlte sie sich fremd im eigenen Körper und wurde noch mit ihrem Geburtsnamen angesprochen. Wie sie sich im Strudel der Nacht verloren hat, um ihr wahres Ich zu finden und ihre Umwandlung zu beginnen, und warum Berlin der beste Ort dafür ist, erklärt sie uns im dritten Teil von BEYOND CLUBBING. Zusätzlich haben wir die sympathische Amerikanerin zum Gespräch über ihre Erfahrungen als Transfrau in der deutschen Hauptstadt getroffen.

Das queer forward Kollektiv Room4Resistance veranstaltet Partys, bei denen sie Mitgliedern marginalisierter Gruppen einen Raum bietet, sich auszuleben und sich vollkommen sicher zu fühlen. Im letzten Teil unserer Videoreihe begleiten wir die Mitglieder in den Club und erleben, wie sich auf der Tanzfläche eine Gesellschaft formt, in der wir selbst gerne leben würden. Das ausführliche Interview über Safe Spaces, kannst du ab Donnerstag auf i-D.co lesen.

Zusätzlich zu den Onlineinhalten hosten wir am 09.05 im Zuge der re:publica ein Panel zum Thema "Disrupting Berlin's music scene". Von 16-18 Uhr geht es auf der NewThinking-Bühne, um Community Building in Berliner Musikundergound. Mit dabei sind, neben Lyra und Daniela von Creamcake, auch Marit von Koso und Aiko von female:pressure. Alle Informationen findest du hier.