børns über jugendliche einsamkeit, zaubertricks und sein leben als musiker

Wir präsentieren dir ein umfangreiches Interview mit dem amerikanischen Musiker Børns, das zuerst in der neuesten Ausgabe des „AGOLDE Magazine“ erschienen ist. Mit seiner unverkennbaren Mischung aus Indie-Rock, Synth-Pop und seiner Faszination für...

von Stephanie Janssen
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09 Februar 2017, 2:45pm

Du hast gerade deine große Tour abgeschlossen. Was machst du, um danach zur Ruhe zu kommen? Nimmst du dir jetzt eine kleine Auszeit?
Ein wenig, ja. Ich mache einfach all die alltäglichen Dinge, für die ich keine Zeit hatte in den letzten zwei Jahren. Ich habe gerade in ein paar nette Haushaltsgeräte investiert — und ich koche und putze, das habe ich in letzter Zeit oft getan.

Was kochst du gerne?
Vegetarische Gerichte. Meine Mutter ist eine vegetarische Chefköchin und eine Spezialistin was Raw Food angeht, sie ist da einfach auf einem anderen Level. Die ganze Inspiration bekomme ich von ihr. Und das Kochen für mich selbst ist wirklich etwas, das ich sehr vermisst habe.

Das klingt wunderbar. Das letzte Jahr war also ziemlich verrückt für dich. Von jetzt auf gleich bist du erfolgreich gewesen. Fühlt es sich auch für dich so an, als wäre dieser Erfolg so rasant gekommen?
Ich kann nicht sagen, ob das letzte Jahr rasend schnell oder langsam für mich vorbeiging. Es ist einfach verrückt, nur daran zu denken, wo ich überall war, weil alles in so kurzer Zeit passierte. Aber ich denke, dass es eine sehr organische Entwicklung war, und ich denke auch, dass die Vielzahl an Konzerten toll war, um mit der Band zusammenzuwachsen. Es ist genau die Art von Erfolg, die ich mag. Solange ich ein Konzert geben kann, das die Menschen inspiriert, bin ich glücklich. Ich konnten im letzten Jahr viel lernen, zum Beispiel wie es ist, ein Frontmann einer Band zu sein.

Es ist interessant, dass du auf Konzerten hauptsächlich nur singst, obwohl du so viele Instrumente spielst. Warum?
Ich und Tommy English, der ein großartiger Produzent ist, schreiben und nehmen alles gemeinsam auf. Wir beide spielen alle Instrumente in der Aufnahme ein. Er ist ein guter Typ, er kommt auch aus dem Mittleren Westen, aus Chicago, um genauer zu sein. Wir sind aus demselben Holz geschnitzt. Es macht einfach Spaß, wenn man sich nur auf das Singen und die Performance konzentrieren kann. Und weil wir so viel umherreisen, kann ich nicht alles auf einmal tun. Also hat jeder seine Aufgabe und sein Instrument. Ich mag es auf Tour gerne simpel und ohne viel Stress.

Es ist toll, dass du alles selbst schreibst und aufnimmst. Wie hat deine Liebe zur Musik begonnen?
Durch jugendliche Einsamkeit. Ich war in meiner Jugend introvertiert, habe vieles mit mir selbst ausgemacht, vor allem meine künstlerischen Ambitionen, so habe ich Zeit und Ort vergessen können. Es ist so ähnlich wie mit den Frage: „Wie lange habe ich dieses Buch schon gelesen?" oder „Wie lange habe ich an diesem Bild gemalt?". Wenn man etwas Neues lernt oder etwas gerne macht, geht man in einen hypnotischen Zustand über, das wollte ich erreichen.

Hat deine Großmutter dir beigebracht, Instrumente zu spielen?
Nein, sie hatte einfach die Instrumente und ich habe mich daran versucht. Aber sie hat immer alte Elvis-Platten oder Songs von Roy Orbison aufgelegt, so habe ich diese Musik kennengelernt. Das hat mir immer gefallen.

Als du dich an diesen Instrumenten versucht hast, gab es da eines, das dich besonders fasziniert hat?
Mein Lieblingsinstrument war das Klavier. Ich habe es geliebt, Klavier zu spielen, aber ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mal Musiker werde. Das war einfach ein Traum von mir und ich war in meiner Jugend ziemlich auf Visual Arts und Malerei fixiert. Mein Vater ist ein richtig toller Künstler, also haben wir einfach zusammen gemalt. Ich wollte eigentlich auf eine Kunsthochschule zu gehen. Das ganze Leben als Musiker kam wie aus dem Nichts.

Was würdest du malen?
Hauptsächlich Porträts. Ich habe auch ein paar Landschaftsbilder gemalt und sogar ein paar Stunden dafür genommen.

Du hattest auch ein großes Interesse an Magie zu der Zeit, richtig?
In Michigan findet jedes Jahr eine Magie-Messe statt, bei der Magier aus aller Welt auftreten. Das ist nur ein paar Stunden von meinem Haus entfernt. Dort zeigen sie ihre neuesten Tricks, die sie erfunden haben. Du kannst dort nicht einfach hingehen, du musst eingeladen werden oder eine Mitgliedschaft haben. Ich habe mich mit einigen Magiern angefreundet, die mich dann dorthin mitgenommen haben und so hat mein Interesse angefangen. 

Zauberst du selbst auch?
Ja, ich habe viele Zaubertricks gezeigt, bei denen ich etwas aus meiner Hand verschwinden lasse. Für Geburtstagspartys habe ich auch mal größere Illusionstricks gemacht. Am Ende hatte ich so viele Auftritte, dass mich die Leute angerufen haben und mich gefragt haben, ob ich nicht auf dem Geburtstag von xy auftreten kann. Irgendwann wurde es einfach zu viel. Ich hätte einen Manager gebrauchen können.

Als du als Kind Musik gemacht hast, hast du da deine eigenen Songs geschrieben?
Ich habe hauptsächlich vieles nachgeahmt und versucht, etwa Roy Orbison oder Billy Joel zu spielen. Ich wollte herausfinden, wie sie Songs geschrieben haben, wie sie sich Instrumenten angenähert haben. Aber meine Liebe zum Songwriting hat sich erst nach und nach entwickelt. In der Highschool hatte ich einen Freund, der eigene Musik produziert hat. Zu dieser Zeit habe ich mich darauf konzentriert, eigene Kurzfilme zu drehen und habe dann gemeinsam mit ihm erste Songs aufgenommen.

Es ist spannend, dass du dir selbst beigebracht hast, Instrumente zu spielen und Musik zu machen, nur durch das eigene Hören. Wie hast du gewusst, dass es sich richtig anhört?
Es hat sich wahrscheinlich nicht richtig angehört. Bevor es Laptops gab, mit denen man aufnehmen konnte, haben meine Freunde und ich mit Kassettenrekorder gearbeitet. Wir sind einfach in einen Laden gegangen, haben uns mit Kassetten eingedeckt und mit dem Mikrofon des Kassettenrekorders Lieder aufgenommen. Allein die Idee, dass man sich selbst aufnehmen konnte, war so eine faszinierende Sache für mich. Es ist verrückt, wie lange das her ist.

Du bist in einer Kleinstadt aufgewachsen. Was hat dich dazu gebracht, Musiker zu werden?
Es war mehr ein „OK, ich mache das jetzt mal". Ich habe wirklich nichts über das Musikgeschäft oder die Musikszene gewusst. Mir war auch klar, dass ich es alleine schaffen muss. Ich wollte unabhängig bleiben und mit einem Koffer und einer Gitarre losziehen. Es war einfach eine Idee, die in mir gereift ist, und irgendwann umgesetzt werden wollte.

Du hast so einen besonderen und einzigartigen Sound und auch dein Aussehen ist anders. Wie kam es dazu?
Am inspiriert mich die Vergangenheit. Mich hat immer die Musikszene der späten 60er und 70er fasziniert, in der die Mode bunt war und Männer auch Frauenklamotten getragen haben. Die Musik war damals allgegenwärtig und es gab Dinge, die man noch nie zuvor gehört hatte. Nimm doch nur zum Beispiel „Staying Alive" von den Bee Gees. Wenn man den Song das erste Mal hört, denkt man: „Was ist das um Himmels Willen?". Sie leben ihre Musik mit ihrem Style und ihrem Look. Ich wollte immer, dass meine Musik mit meiner Ästhetik verschmilzt, weil sich das Hören und Sehen gegenseitig bedingen. Man hört das, was man sieht — und andersherum. Diese Ära hat mich wirklich beeinflusst, aber ich wollte etwas machen, das neu und nostalgisch zugleich ist, so dass man sich fragt: „Habe ich das schon mal gehört?".

Was willst du den Menschen mitgeben mit deiner Musik?
Ich weiß nicht genau, aber vielleicht einfach ein gutes Gefühl, eine Art von spielerischer Romantik. 

Mehr zum AGOLDE Magazine findest du hier. Und das ganze Interview kannst du hier auf Englisch nachlesen. 

Credits


Text: Stephanie Janssen
Fotos: Chuck Grant 
Styling: Sean Knight
Grooming: Jeffrey Baum 

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