kinder haben mit einwegkameras ihren alltag in einem jordanischen flüchtlingscamp dokumentiert

Die intimen Bilder zeigen ihr Leben zwischen Armut, Langeweile und Normalität.

von Wendy Syfret
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21 Juni 2016, 2:00pm

Die Bilder der Kinder in Flüchtlingscamps sind düster: Sie leben in einer Art Zwischenstation, ohne Schutz und Hilfe anderer Nationen. Die australische Hilfsorganisation Act for Peace hat Anfang dieses Jahres syrischen Kindern in einem jordanischen Flüchtlingscamp Einwegkameras gegeben, damit die ihre eigene Geschichte bildlich erzählen können.

Mit dem Bewusstsein, dass die Kinder wieder traumatisiert werden könnten, wenn sie direkt über das Gewesene sprechen, kam die Organisation auf die Idee, den Kindern Einwegkameras zu geben: So können sie ihre Sicht der Dinge ausdrücken, ohne sprechen zu müssen.

Die Fotos der Kinder sind unscheinbar und herzzerreißend zugleich. Sie haben ihren Alltag dokumentiert: ihre Freunde, ihre Familien und ihre Fußballspiele, wie sie spielen, abhängen, sind gelangweilt, lachen und helfen sich gegenseitig. Wir haben mit Karen McGrath von der Hilfsorganisation über das Projekt gesprochen.

Wie haben die Kindern reagiert, als ihr ihnen die Kameras geben habt?
Wir haben die Kameras an sie verteilt, während unser lokaler Partner in Jordanien das Kinderforum veranstaltet hat. Das Forum findet jede Woche statt, so können die Kinder zusammen lernen und spielen. Einmal haben wir einen kurzen Fotografie-Workshop veranstaltet und für eine Woche haben die Kinder dann die Kameras überallhin mitgenommen. Die größte Herausforderung war es, sicherzustellen, dass sie wissen, wie sie funktionieren. Die meisten haben es aber gleich verstanden. Vor dem Krieg haben sie ganz normale und glückliche Leben gelebt und ihr Alltag war so wie der von viele Kindern im Westen auch. Viele der Kinder haben sich einfach die Kameras geschnappt und wussten gleich, was sie machen sollen. Die Kinder haben die Chance dankend angenommen.

Hattet ihr gewisse Erwartungen, was sie fotografieren würden?
Wir haben ihnen nicht viele Richtlinien gegeben, damit die Bilder so authentisch wie möglich werden. Wir sagten ihnen lediglich: Zeigt uns eurer Leben. Wir waren selbst in den Camps, wir wussten wie es da aussieht. Uns hat interessiert, wie sie ihre eigenen Leben sehen.

Natürlich zeigen die Aufnahmen das Elend, aber das steht nicht im Fokus. Wart ihr davon überrascht, was die Kinder fotografiert haben?
Wir waren eher beeindruckt als überrascht. Wir hatten die Kinder in ihren Unterkünften besucht und haben sie in den Klassen des Kinderforums unterrichtet, aber ihre Welt kennenzulernen, war sehr aufschlussreich. Scheinbar alltägliche Szenen von Freundschaft, ihren Familien und ihr Zuhause zu sehen, war einfach wundervoll.

Diese Fotografin hat den Alltag in einem deutschen Asylbewerberheim dokumentiert. Hier geht's zu ihren Bildern.

Erzähle uns mehr über ihren Alltag. Die Medien zeigen ja nicht so oft Momente des Alltäglichen.
Er ist sehr monoton. Weil die meisten Kinder nicht zur Schule gehen und ihre Eltern und Geschwister nicht legal in Jordanien arbeiten dürfen, ist jeder Tag wie der letzte. Sie wachen auf, essen, wenn das Essen fertig ist, und haben nur Kontakt untereinander. Die Kinder sagen, dass ihre Lieblingszeit ist, wenn sie raus und mit ihren Freunden spielen dürfen, und dieses Gefühl transportieren die Bilder.

Man bekommt das Gefühl, dass die Langeweile erdrückend ist.
Trotz der Traumata, die hinter diesen Kindern liegen, sind sich immer noch Kinder. Ihre Lieblingsbeschäftigungen sind Sport, rumzurennen und zusammen lachen. Die Fotos drücken ihre Verspieltheit und ihre Freundschaften aus. Die Bilder erinnern uns auf eindrucksvolle Art daran, wie der Alltag von Kindern in diesem Konflikt aussieht und dass es einfach Kinder sind, was oft in Statistiken und Nachrichtenberichten untergeht.

In Bildern: Mit Bulldozern gegen das Flüchtlingscamp in Calais.

Credits


Text: Wendy Syfret
Fotos: via Act for Peace

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