julian zigerli verrät uns, wofür man sich nie entschuldigen sollte

Für seine neue Kampagne „SORRY“ steht nicht nur der Schweizer Designer selbst vor der Kamera, sondern auch seine Mutter und seine Freunde. Wie es dazu kam, warum trotzdem keine Gesichter gezeigt werden und was der Umzug von Vetements für die Züricher...

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Apr. 4 2017, 10:55am

SORRY, die Frühjahr-/Sommerkollektion des Schweizer Designers Julian Zigerli, durften wir im letzten Sommer bereits auf den Laufstegen der großen Fashionshows bewundern. In den aktuellen Kampagnenbildern zum Release nimmt uns der Designer allerdings weit weg von den Modemetropolen dieser Welt und raus ins Postkartenambiente der Heimat Zigerlis — die Schweizer Berge.

Dabei ist nicht nur die Kulisse besonders: Auf einem Wanderweg mit malerischem Blick auf den Vierwaldstättersee hat der Schweizer Künstler Yves Suter die verspielte Kollektion nicht etwa an Models fotografiert, sondern an Zigerlis engen Freunden, seinem Freund, seiner Mutter und ihm selbst. Wir haben mit dem Designer über seine Verbindung zur Natur, seine neue SORRY-Kollektion und Justin Biebers gleichnamigen Song gesprochen.

Warum hast du deine Kollektion SORRY getauft?
Es ist ein alltägliches Wort, mit viel Bedeutung und meist trotzdem wenig dahinter. Wir entschuldigen uns zu oft mit einem kurzen „Sorry" für fast alles, auch wenn wir uns gar nicht entschuldigen brauchen. Die Leichtigkeit und auch ein bisschen die Sinnlosigkeit dieses Umgangs hat mich beflügelt.

Blue oder Justin Bieber: Was sind deine Lieblingslieder, in denen das Wort „Sorry" vorkommt?
Justin. Tatsächlich hatte ich die Idee zu dem Kollektionstitel schon, bevor ich von seinem letzten Album besessen war. 

Wann hast du dich das letzte Mal für etwas entschuldigt?
Sorry, not sorry, never sorry.

Wie würdest du deine Beziehung zu deiner Heimat, der Schweiz, beschreiben? Welche Rolle hat die Natur in deiner Kindheit gespielt?
Trotz Stadtleben ist man immer im Bezug mit dem Land. Die Natur ist ein wichtiger Punkt und auch der Grund, weshalb ich wieder zurück in die Schweiz gegangen bin. Ich denke, so was ist tief verankert und wurde auch schon in der Kindheit geprägt. Wir waren oft draußen im Wald und jeden Winter in den Bergen.

Würdest du deine Kollektion zum Wandern tragen?
Klar! Natürlich nicht alles, aber da gibt es viele Teile, die sich sehr wohl zum Wandern eignen. Zigerli lässt sich gut mit der Natur und auch mit der Praxis vom alltäglichen Leben kombinieren. Unsere Prints und Farben haben meist etwas sehr Organisches und Natürliches, auch wenn sie zum Beispiel komplett computeranimiert sind, wie bei dieser Kollektion. Die Ästhetik bleibt.

Welchen Einfluss hatte deine Rückkehr nach Zürich auf diese Kollektion?
Ich bin vor sechs Jahren nach Zürich zurückgekehrt und habe gleich darauf mein Label dort gegründet. Ich denke, in dieser Zeit wurde ich sehr wohl von der Schweiz und seiner natürlichen Umgebung beeinflusst. Es war auch ein Grund zu bleiben, aber ob das jetzt speziell für diese Kollektion gilt, kann ich nicht sagen. Das sind unbewusste Einflüsse.

Die Kampagnenbilder zeigen dich und deine Liebsten. Wie persönlich ist diese Kollektion?
Alle Kollektionen sind persönlich und kommen von Herzen. Die Kreativität lässt sich nie ganz von seinem Sein abkoppeln, es fließt viel Herzblut in jede Kollektion. Dass bei der SORRY-Kollektion mein Freund, meine Mutter, ich selbst und zwei Freunde zu sehen sind, war ein ganz anderer Beweggrund. Wir wollten wirklich einfach nur auf dem Stoos über dem Vierwaldstättersee wandern gehen und diesen Spirit der Natur und der Freundschaft festhalten.

Warum hast du dich dazu entschieden, keine Gesichter zu zeigen?
Die Kampagne wurde von Yves Suter kreiert. Die Idee mit den Gesichtern war schon geboren, bevor wir überhaupt über den Cast nachgedacht haben. Dass wir uns dann für so eine persönliche und familienbezogene Geschichte entschieden haben, war eine ganz bewusste Entscheidung, die mit der Idee entstanden ist. Ich finde es sehr spannend, was mit den Bildern passiert, da ich weiß, wer auf den Bildern zu sehen ist. Man spürt den persönlichen Bezug zu den Models, auch wenn man nicht hinter die Smiley-Gesichter sieht und die Personen auf den Bildern nicht kennt.

Siehst du Gegensätze oder Harmonie, wenn du deine Mode vor Berglandschaften und Seen siehst?
Unbedingt beides, Kontraste und Verbindungen machen die ganze Geschichte erst spannend. Das Postkartenmotiv, was wir hier geschaffen haben, ist eine totale Harmonie, welche wiederum stark im Kontrast zur Industrie steht. Das Ganze ist ein eher unkonventioneller Zugang zu einer High-Fashion-Kampagne.

Immer mehr Modelabels zieht es nach Zürich. Aktuell etwa Vetements. Behauptet sich Zürich gerade als Modemetropole? Was denkst du, dass sich verändern wird, wenn mehr und mehr große Labels nach Zürich ziehen?
Wir sind alle gespannt auf diesen Wandel, den Vetements angeblich mit sich bringen soll. Ich denke aber nicht, dass sich viel verändern wird. Der Pariser Glamour bleibt uns fern, und das ist auch gut so. Auch Vetements wird weiterhin in Paris präsentieren, da bin ich mir sicher, denn der Standort eines Ateliers ist grundsätzlich nicht unbedingt ausschlaggebend. Ich könnte auch in eine Holzhütte in den Wald ziehen und von dort aus meine Kollektionen entwerfen. Wichtig ist nur, dass man in den Städten verankert bleibt, und seine Kunden dort bedient. Auch wir präsentieren unsere Kollektionen mittlerweile in Paris, nachdem wir jahrelang in Berlin und auch in Mailand gezeigt haben. 

Wofür sollte man sich nie entschuldigen?
Für sein Wesen und Sein.

Credits


Text: Catherina Kaiser 
Fotos: Yves Suter