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svenja trierscheids porträts sind ein spiel mit kontrasten und starken farben

Wir haben uns mit der jungen Fotografin getroffen und mit ihr über ihren Einsatz von Farben und die Magie von Analogfotografie gesprochen.

von Alexandra Bondi de Antoni
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23 Februar 2017, 3:00pm

Suchend, warm, nah — mit diesen drei Worten beschreibt Svenja Trierscheid ihre Fotografie selbst. Erst vor Kurzem sind wir über die Arbeiten der in Berlin lebenden Fotografin und Filmemacherin gestoßen, waren sofort begeistert und können ihrer Beschreibung nur zustimmen. Der starke Kontrast der Models zu den bunten Hintergründen, die Charakter, die sie ablichtet, und die Alltagssituationen, die sie auf fast schon poetische Art und Weise einfängt, lassen ihre Fotografien zu einem wirklichen Augenschmaus werden. Svenja, die schon einmal Ta-ku, Rejjie Snow und Angel Haze vor ihrer Linse gehabt hat, kommt eigentlich aus einem kleinen Ort im Südwesten von Deutschland, lebt und arbeitet aber seit vier Jahren in der deutschen Hauptstadt. Was das Schrägste war, das sie jemals beim Fotografieren erlebt hat, und warum sie so von Farben fasziniert ist, hat sie uns im Gespräch verraten. 

Wie bist du zum Fotografieren gekommen? Kannst du dich an das erste Foto erinnern, das du jemals gemacht hast?
Angeblich habe ich als Kind schon fotografiert, daran kann ich mich aber nur schwach erinnern. Als Teenager habe ich gerne die VHS-Kamera von meinem Vater geklaut, um Quatschprojekte zu filmen. Ich habe zum Beispiel mit einer Freundin auf dem Spielplatz gegenüber von unserem Haus ein Musikvideo für Crazy Towns „Butterfly" gedreht — ganz großes Kino. Ernsthaft angefangen zu fotografieren, habe ich dann in meinem Designstudium. Bei einem Projekt, wo man sich sein Medium zur Umsetzung auswählen konnte, wählte ich eine Kamera aus und machte sowohl ein Foto als auch ein Videoprojekt. Danach wusste ich, wohin ich wollte.

Wer sind die Leute, die du fotografierst?
Das ist ganz unterschiedlich. Mal sind es Models durch eine Agentur, oft sind es Freunde oder Freunde von Freunden. Oft sind es auch Menschen, die ich durch Facebook oder Instagram finde und anfrage. Meistens haben sie Lust und man lernt sich so kennen und oft sind dadurch Freundschaften entstanden. Weil ich generell nicht auf Smalltalk stehe, versuche ich, wenn die Zeit da ist, eine echte Verbindung herzustellen, bevor ich meine Kamera auch nur anfasse.

Kannst du dich an eine besonders witzige Geschichte hinter einem deiner Fotos erinnern?
Als ich einmal übermüdet mit einer Freundin und einem Fahrer in Marokko von Marrakesch Richtung Wüste unterwegs war, fuhren wir irgendwann an einer alleinstehenden Treppe mitten im Nirgendwo vorbei. Ich fand das so komisch, das ich Minuten später noch daran dachte und sie nicht aus dem Kopf bekam. Ich sagte dem Fahrer irgendwann, das es mir furchtbar leid tut, aber wir unbedingt zurückfahren müssen, weil ich ein Foto machen muss. Er war ziemlich angenervt, weil wir noch Stunden vor uns hatten, drehte aber letztlich um und fuhr zurück. Wir fuhren so lange, das ich dachte, die Treppe war eine Fata Morgana, bis ich sie sah. Ich sprung schnell aus dem Auto und schoss ein einziges Foto, bevor der Fahrer fluchend weiterfuhr. Das Foto ist eins meiner Lieblingsarbeiten.

Wo fotografierst du am liebsten?
Für Porträts oder Editorials fühle ich mich in meiner Wohnung am wohlsten, weil ich genau weiß, wann das Licht wo sein wird. Ich habe dort sowohl große Fenster mit viel Tageslicht, als auch einen großen Balkon und Platz genug für meine großen Hintergründe, sodass ich dort ganze Editorials mit verschiedenen Moods shooten kann. Ich lasse mich aber auch gerne aus meiner Komfortzone rausnehmen. Bei Künstlerporträts ist die Zeit oft sehr knapp kalkuliert, da die Künstler meistens immer nur ein paar Minuten zwischen Interview und dem nächsten Termin haben. Das find ich aber eher befreiend. Beschränkte Möglichkeiten machen sehr kreativ!

Wie würdest du deine Fotografie in drei Wörtern beschreiben?
Suchend, warm, nah.

Du spielst in deinen Fotos mit starken Farben. Was fasziniert dich dran, deine Subjekte vor einen bunten Hintergrund zu fotografieren?
Ich schätze, ich habe eine Liebe für Kontraste. Ich mag es, mit Farben zu spielen, sie im Zusammenhang zu setzen. Jeder Mensch hat eine andere Ausstrahlung, Hautfarbe, Haarfarbe, Stil. Ich mag es, mich individuell mit den Menschen vor der Kamera auseinanderzusetzen und zu schauen, was zu ihnen passt.

Da du auch filmst, würde mich interessieren, wo du die Überschneidungen zwischen Fotografie und Film siehst? Oder sind das für dich zwei ganz unterschiedliche Bereiche?
Filmen ist je nach Projekt oft teurer und aufwändiger. Man muss höllisch aufpassen, das alles funktioniert und man beim Shoot alles dabei hat. Gerade wenn man mit einer Menge geliehenem Equipment fliegt, kann man da schon mal nervös werden. Aber risikofrei lebt man mit analoger Fotografie ja auch nicht. Nach dem Shoot kommt es dann ganz aufs Projekt an. Ich liebe es, Musikvideos oder Kunstprojekte zu schneiden, aber bei kommerziellen Projekten mit Interviews sieht die Sache natürlich direkt ganz anders aus. Auch hat man bei Fotoprojekten selten viele Korrekturschleifen oder die Situation, das sich das Projekt ewig lange hinzieht.

Wenn ich mich für ein Medium entscheiden müsste, würde ich mich wahrscheinlich für die Fotografie entscheiden, einfach nur, weil man so viel freier und unabhängiger ist. Auch mag ich es nicht, an manchen Reiseorten mit einer teuren Videokamera rumzulaufen, eine billige, analoge Kamera fällt weniger auf.

Was reizt dich an der Analogfotografie?
Ich liebe vor allem die Ästhetik, Qualität und den Zufallsfaktor. Außerdem ist das Warten sowohl wunderbar als auch schrecklich zugleich, auf jedem Fall nie unspannend. Man arbeitet ganz anders. Ich schieße seitdem wirklich nur die Fotos, die ich brauche, und gehe viel konzentrierter an die Sache heran. Wenn es um Straßenfotografie geht, gibt es für mich nichts Vergleichbares, als mit einer kleinen Point- and-Shoot-Kamera loszugehen und zu schauen, was passiert. Ich kann, wenn mich ein Ort fasziniert, den ganzen Tag nur rumlaufen und fotografieren. Ich lasse mich dann durch und durch auf meine Außenwelt ein, die Kamera ist lediglich das Medium, was den Moment einfängt. Ich werde sozusagen eins mit der Kamera. Wenn ich mit einer digitalen Kamera unterwegs sein würde, würde es mir schwer fallen, einen frischen Blick zu bewahren. Der Moment, in dem man nach langem Warten die Scans sieht, ist ein sehr besonderer für mich, vor allem wenn ich von einer Reise zurückkomme. Ich fotografiere, wenn ich unterwegs bin, sehr instinktiv und kann mich oft nicht mehr an die Momente erinnern, bis ich sie auf Fotos sehe. Für mich sind diese Momente der visuellen Erinnerung Magie.

svenja-trierscheid.com

Credits


Text: Alexandra Bondi de Antoni 
Fotos: Svenja Trierscheid