a … z der lgbtq-ikonen

Von kleinen, aber feinen Solidaritätsbekundungen bis zu waschechten Revolutionen: Das ist unser A-Z von LGBTQ-Idolen. Während viele aus der heutigen LGBTQ-Jugend mit dem Begriff “Schwulenikone“ (im Sinne von Cher, Judy Garland oder Elton) kaum noch...

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Juli 19 2017, 9:30am

Am Samstag findet in Berlin der Christopher Street Day statt. Aus diesem Anlass steht diese Woche bei i-D ganz im Zeichen der Pride Week.

A) Amandla Stenberg
Weil sie offen mit ihrer facettenreichen Sexualität umgeht und eine Diskussion über das breite Spektrum an Sexualitäten angestoßen hat, die zwar existieren, über die aber nicht gesprochen wird.
Besondere Erwähnung: Alasdair McLellan
Für seine einzigartige Fähigkeit, die Verletzlichkeit und Stärke von jungen Männern in seinen Fotos festzuhalten. Der langjährige i-D Contributor kreiert seit zwei Jahrzehnten wunderschöne Porträts von jungen Männern (und Frauen).

Auch auf i-D: Bowies Berlin

B) Bayard Rustin
Ein unermüdlicher Aktivist für Bürgerrechte, Gewaltlosigkeit, Pazifismus und LGBT-Rechte. 2013 hat im Barack Obama 26 Jahre nach seinem Tod die Presidential Medal of Freedom verliehen.
Besondere Erwähnung: Bisi Alimi
Der lautstarke HIV-Aktivist hat einen extrem mutigen Schritt gewagt und sich 2004 im nigeranischen Fernsehen geoutet. Mittlerweile lebt er in London und kämpft weiter für LGBT-Rechte.
Eine extra besondere Erwähnung: Der Babadook
Nicht die Schwulenikone, die wir im Jahr 2017 verdient haben, aber die Schwulenikone, die wir gebraucht haben. Gerüchten zufolge steht das B in LGBT für Babadook.

C) Chelsea Manning
Chelsea Manning ist die Whistleblowerin und Vorkämpferin für Transparenz, die gerade erst Geschichte geschrieben hat. Als erster Transgender-Insassin wurde ihr gestattet, im Gefängnis geschlechtsangleichende Operationen durchführen zu lassen. Während ihrer Zeit hinter Gittern wurde sie zu einer LGBT-Ikone.
Besondere Erwähnung: Carly Rae Jepsen
Queen of Pop Music, Queen of the Gays. Ihr letztes Album Emotion war ein Banger.

D) David Hockney
Für all die schönen Nacktporträts, die er malt. Und dafür, dass er nun schon solange gestreifte Shirts trägt und verdammt gut darin aussieht.
Besondere Erwähnung: David Bowie
Für seine widersprüchliche Sexualität und seine ausgefallene Mode. David Bowie hat es für deinen Onkel wahrscheinlich leichter gemacht, sich zu outen.

Edward Enninful. Foto: Wolfgang Tillmans

E) Edward Enninful
Der neue Chefredakteur der britischen Vogue schreibt nicht nur Geschichte als erster schwarzer Mann an der Spitze der Stilbibel, sondern mit Edward Enninful bekleidet auch zum ersten Mal ein schwuler Mann diese Position. Ein historischer Moment für die Branche, besonders wenn man daran denkt, wie viel die Mode dem Talent und den Innovationen der Black und Gay Community verdankt.
Besondere Erwähnung: Ellen DeGeneres
Dafür dass sie eine der sichtbarsten, wenn nicht sogar die sichtbarste lesbische Frau auf der Welt ist und dafür dass sie mitgeholfen hat, in den Unterhaltungsbranchen für eine größere Akzeptanz zu sorgen.

F) Tom of Finland
Ein unterdrückter schwuler Mann, der im konservativen Skandinavien lebt. Tom of Finland hat mit seinen homoerotischen Illustrationen einen entscheidenden Einfluss auf die Schwulenkultur des 20. Jahrhunderts ausgeübt.
Besondere Erwähnung: Steffi Jones
Weil die Chefin der deutschen Frauen-Fußballmannschaft offen lesbisch lebt und dazu noch eine unglaublich gute Sportlerin ist, die Deutschland in der Welt vertritt.

G) Grayson Perry
Für seine Gedanken über unsere veralteten Vorstellungen von Männlichkeit und seine Beine in High Heels.
Besondere Erwähnung: Grace Jones
Weil sie die Queen of Gay Disco ist.

Hanne Gaby Odiele. Foto: Mayan Toledano

H) Hanne Gaby Odiele
Dafür dass sie Anfang dieses Jahres offen über ihre Intersexualität gesprochen hat und eine dringend benötigte Debatte über Genderfluidität angestoßen hat, die wir so dringend brauchen.
Besondere Erwähnung: Halsey
Weil sie als bekennende Bisexuelle in einer Industrie arbeitet, die weibliche Bisexualität immer noch auf eine männliche Fantasie reduziert.

I) Ilana von Broad City
Weil sie sorgenlos ist und ihre Sexualität frei auslebt. Es würde uns allen nicht schaden, ein bisschen mehr wie Ilana zu sein.
Besondere Erwähnung: Iris Apfel
Die über 90 Jahre alte Iris pflegt seit fast 100 Jahren ihren ganz einzigartigen Style. Sie ist der lebende Beweis dafür, dass Mode vergänglich ist, Stil aber für die Ewigkeit.

J) James Baldwin
Er hat offen über systematischen Rassismus und Homophobie in einer Zeit gesprochen, in der das nur wenige getan haben. Mit seinem Optimismus und Aktivismus hat er so viele Menschen inspiriert.
Besondere Erwähnung: Barry Jenkins
Der Mann hat mit dem Oscar prämierten Film Moonlight eine der stärksten und faszinierendsten Coming-of-Age-Geschichten unserer Generation geschaffen. Er hat das schwierige Verhältnis zwischen der Maskulinität schwarzer Männer und Queersein für ein globales Publikum sichtbar gemacht.

K) Kristen Stewart
Weil sie keine Angst vor dem Coming-out hatte. Und für ihren rasierten Kopf.
Besondere Erwähnung: Frankie Knuckles
Der Godfather of House Music hatte die Musik, die unsere Generation konsumiert und in den Clubs hört, entscheidend mitgeprägt.

L) Laverne Cox
Sie ist eine Vorkämpferin für Transgender, war die erste Transfrau auf dem Cover des Time Magazine und ist die erste Transfrau, die für einen Primetime-Emmy nominiert wurde.
Besondere Erwähnung: Bruce LaBruce
Weil der Regisseur seit drei Jahrzehnten Filme dreht, die aus dem Unsexyhaften etwas Schräg-Erotisches entstehen lassen.

M) Mykki Blanco
Für das mutige, öffentliche Outing als HIV-positiv. Mykki Blanco hat mit diesem wichtigen Schritt etwas gegen die Stigmatisierung, die nicht nur in der Musikindustrie herrscht, getan.
Besondere Erwähnung: Benjamin Melzer
Benjamin Melzer war der erste Transmann in Europa auf dem Cover einer Männerzeitschrift, der deutschen Men's Health. Der 29-Jährige hat damit Geschichte geschrieben.

Hari Nef. Foto: Hanna Moon

N) Hari Nef
Für ihre Magazincover, die Anzeigen und ihre Catwalk-Präsenz.
Besondere Erwähnung: Ingrid Nilsen
Das Coming-out-Video der über vier Millionen YouTube-Follower schweren Beauty-Bloggerin Ingrid Nilsen wurde bereits über 16 Millionen Mal abgespielt und über 800.000 Mal gelikt.

O) Frank Ocean
Es gibt eine Zeit vor ihm und nach ihm. Channel Orange war ein Ereignis, ein Meilenstein der Musikgeschichte: ein afroamerikanischer Musiker benutzt gleichgeschlechtliche Pronomen. Das Nachfolgealbum Blonde aus dem letzten Jahr und die ausgekoppelten Singles "Lens" und "Chanel" behandeln queere Themen, die sonst im R'n'B und HipHop kaum diskutiert werden.
Besondere Erwähnung: Olly Alexander
Weil er im Radio für mehr gleichgeschlechtliche Pronomen gesorgt hat und offen darüber spricht, was es bedeutet, als Schwuler in der Hetero-Welt zu leben.

Auch auf i-D: Der Summer of Love in Barcelona

P) Marsha P Johnson
Für ihre wichtige Rolle in der Schwulenrechtsbewegung. Viele sagen, dass Marsha dabei geholfen hat, den Aufstand am 28. Juni 1969 zu starten und dass sie den ersten Stein in die Scheiben vom Stonewall Inn geworfen hat.
Besondere Erwähnung: Ellen Page
Weil ihr Coming-out mutig war und sie auch keine Angst davor hat, die Zustände in Hollywood für homosexuelle Schauspieler zu kritisieren.

Q) Quentin Crisp
Das Coming-out des britischen Autoren wurde von ein paar schwierigen Kommentaren begleitet und trotzdem ist er die Person, die so viele Kreative wie Sting und Boy George inspiriert hat.
Besondere Erwähnung: Christine and the Queens
Weil sie das Label Bisexuell ablehnt, das ihr aus Bequemlichkeitsgründen verpasst wurde. Auf die Frage der BBC, was ihre Pansexualität bedeutet, hat sie geantwortet: "Das bedeutet, dass mich in jede Person verlieben kann, unabhängig von ihrem Geschlecht und egal, wie sie sich identifiziert."

Ruth Bell. Foto: Mario Sorrenti

R) RuPaul
Die berühmteste Drag Queen der Welt.
Besondere Erwähnung: Ruth Bell
Ihre androgyne Schönheit ziert die Kampagnen und Laufstege von Dior.

S) Collier Schorr
Für ihre Schwarz-weiß-Porträts von wunderschönen jungen Männern und Frauen. Das Auge von i-D Contributor Collier Schorr ist unverfälscht, ehrlich und oft auch queer. In einer Branche, die von Männern dominiert wird, stechen die Arbeiten von homosexuellen Frau umso mehr heraus.

Foto: Collier Schorr

T) Tilda Swinton
Für ihre himmlische Schönheit, ihren Aktivismus und für die Zeit, als sie mit einer Regenbogenflagge vor einer Moskauer Kirche stand, um ihre Unterstützung für die LGBT-Community in Russland zu zeigen.
Besondere Erwähnung: Tom Ford
Weil er der weltmännische und distinguierte schwule Mann ist, dem wir alle nacheifern.

U) Ursula aus Arielle
Sie hat uns gezeigt, dass man auch unter dem Meer fabulös sein kann.
Besondere Erwähnung: der schwule Neffe aus Ugly Betty
Für diesen Coming-out-Moment. Es kommt nicht oft vor, dass das Fernsehen diesen Moment so unaufgeregt und doch gefühlvoll behandelt.

V) St. Vincent
Über sie muss man nicht mehr viel sagen.
Besondere Erwähnung: Vince Staples
Für diesen Twitter-Post.

Foto: Wolfgang Tillmans

W) Wolfgang Tillmans
Für die Fotos des i-Con und seinen Aktivismus: "Sexualität ist das Erste, das Diktatoren kontrollieren wollen."
Besondere Erwähnung: John Waters
Weil er der Papst des Trash ist.

X) The xx
Weil die Briten mit ihrer Musik so schön ausdrücken, wie es ist, jung, homosexuell und verliebt zu sein.
Besondere Erwähnung: Xavier Bettel
Der erste offen schwul lebende Regierungschef der Welt. Das Foto mit seinem Ehemann Gauthier Desteny in der Runde der Ehefrauen beim NATO-Gipfel ging viral durchs Netz.

Y) Young Thug
Weil er auf den Covern seiner Alben Kleider trägt und nicht an die Zweigeschlechtigkeit glaubt.
Besondere Erwähnung: LI Yinhe
Sie ist Chinas erste Sexologin. Li Yinhe ist eine laute LGBT-Aktivistin, die sich zusammen mit ihrem Transpartner seit Jahren für die Einführung der Homoehe in China engagiert.

Z) Die Mutter von Jay-Z
Weil sie eine Diskussion ins Rollen gebracht hat, die wir kaum führen: Wie es den Generationen gegangen ist, die es vor uns gab und die nicht das Privileg hatten, offen ihre Sexualität leben zu können.
Besondere Erwähnung: Zebra Katz
Nicht nur Musiker-Kollegen wie Gorillaz (auf deren neuem Album er vertreten ist) und Grimes inspiriert der offen schwule US-Rapper, sondern auch die Modewelt. Sein Durchbruch "Ima Read" war eine Hommage an die Kultdoku Paris is Burning.

Credits


Text: Ryan White und Michael Sader
Collage: i-D