instagram ist alles andere als gut für deine psychische gesundheit

Nun ist es offiziell: Dank deiner Lieblings-App fühlst du dich schlecht.

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Juni 1 2017, 9:40am

Ob unsere Beziehung zu diesen Plattformen positiv oder negativ ist, ändert sich je nach Debatte wöchentlich. Dass wir unsere Leben mit anderen online teilen, eröffnet uns die Möglichkeit, die negativen Aspekte der Realität auszublenden, und nur ihre sonnige, oberflächliche Seite zu zeigen. Jeder, der sich schonmal in einem Account eines perfekten, pinkeingefärbten, vor Acai-Bowl-triefenden Millenial-Lebens verloren hat, weiß, wie beschissen man sich dadurch fühlen kann. Doch Plattformen wie Tumblr, Twitter und Instagram bieten für die Leute auch einen Rettungsanker jenseits der eigenen, unmittelbaren Erfahrungswelt. 

Nun hat sich die britische Royal Society for Public Health diesem Thema mit ihrer Studie #StatusofMind wissenschaftlich angenommen. Dafür wurden fast 1.500 Personen zwischen 14 und 23 Jahren befragt, wie Instagram, Snapchat, Twitter, Facebook und YouTube sich auf ihre psychische Gesundheit auswirken. Eines der Ergebnisse ist wohl eindeutig: Instagram ist die soziale Plattform mit den negativsten Auswirkungen, besonders für junge Frauen. Die bekannte App fällt besonders negativ auf, wenn es darum geht, jeden Makel und jede Unvollkommenheit herauszufiltern. Das kann bei den Usern wiederum zu Angst, Depressionen, Einsamkeit und Unerfülltheit führen, oder einfacher gesagt: FOMO, die Angst etwas zu verpassen, kann schnell zu groß werden.

Auch auf i-D: Adwoa Aboah engagiert sich mit Gurls Talk für junge Frauen auf der ganzen Welt, damit diese offen über ihre psychischen Probleme, Körperwahrnehmung und Sexualität sprechen können

Interessanterweise wurde YouTube am besten bewertet: Es ist die einzige soziale Plattform, die ein positives Gesamtergebnis erhalten hat. Doch die Wissenschaftler weisen explizit darauf hin, dass regelmäßiger Social-Media-Konsum — das heißt mehr als zwei Stunden Scrollen pro Tag — bei Menschen zu psychologischem Stress führt und sie sich dadurch schlecht fühlen.

Die Royal Society for Public Health empfiehlt daher, dass soziale Plattformen einen Disclaimer schalten müssen, wenn ein Foto verändert wurde. Ein Vorschlag, der nicht neu ist. Die Regelung dürfte sich in der Praxis aber nur schwer bei allen Usern umsetzen lassen. Daher schlagen die Wissenschaftler vor, dass "sich Modemarken, Prominente und andere werbende Organisationen freiwillig auf ein Verfahren einigen, bei dem ein kleines Symbol in dem Foto angezeigt wird, wenn es digital verbessert oder so bearbeitet wurde, dass das Aussehen der gezeigten Person signifikant verändert wurde."

Zwar sind die Ergebnisse nicht besonders schmeichelnd für die sozialen Netzwerke, trotzdem sind sie kaum überraschend. Für den Präsidenten der britischen Vereinigung der Psychiater, Sir Simon Wessely, reicht es jedoch nicht, dass gesundheitliche Wohlergehen auf den Flugmodus einzuschränken. "Ich bin mir sicher, dass Social Media eine Rolle beim Unglücksein spielt, aber es hat genauso viele Vorteile wie Nachteile. Wir müssen den Kindern und Jugendlichen beibringen, wie sie mit allen Aspekten von Social Media umgehen müssen — die guten und die schlechten —, um sie auf eine zunehmend digitalisierte Welt vorzubereiten. Es ist gefährlich, das Medium für die Botschaft verantwortlich zu machen." 

Wenn du selbst in einer seelischen Krisensituation stecken solltest, gibt es kostenlose Hilfsangebote wie die örtlichen Kinder- und Jugendnotdienste oder die Nummer gegen Kummer.

Credits


Text: Wendy Syfret
Foto: Screenshot von Instagram