Dieser Fotograf kritisiert Südkoreas Besessenheit mit Schönheits-OPs

Künstler Eui-Jip Hwang zeigt in seiner utopischen Fotoserie "Live Your Dream", wie omnipräsent die Schönheitsindustrie in seinem Heimatland ist.

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März 12 2018, 2:48pm

20 Prozent der Frauen in Südkorea haben sich bereits einem kosmetischen Schönheitseingriff unterzogen, so Zahlen der International Society of Aesthetic Plastic Surgeons. In den USA liegt der Anteil bei gerade mal 5 Prozent. Seoul gilt dabei als Welt-Hauptstadt der Schönheits-OPs.

In Südkorea ist es normal, dass Mädchen von ihren Eltern zum Schulabschluss eine Nasen-OP geschenkt bekommen. Und genau diese Tatsache kritisiert der in New York lebende südkoreanische Künstler Eui-Jip Hwang mit seiner surrealen Serie Live Your Dream. Mit Hilfe von Grafikdesign, Werbungen und Vorher-Nachher-Bildern illustriert Eui-Jp, wie die südkoreanische Beauty-Industrie die sterile Perfektion als etwas Erstrebenswertes verkauft.


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"Ich hinterfrage mit meiner Kunst, wie Bilder unsere Gesellschaft beeinflussen", sagt der Absolvent der New Yorker School of Visual Arts. Südkoreas Schönheitsindustrie übt einen großen Einfluss auf das Land aus. Dabei setzen die Unternehmen ihren Fokus nicht nur auf die weibliche Beauty-Industrie: So ist gibt es mittlerweile einen beachtlichen Markt für Männer-Make-up und spezielle, aufhellende Hautcremes. "Den männlichen Beauty-Markt gibt es erst seit ein paar Jahren. Anfangs bestand kaum Nachfrage, doch durch ein geschicktes Marketing hat sich das verändert", erklärt Hwang. "In Südkorea werben heute auch Männer für Frauen-Produkte. Die Grenzen zwischen den beiden Märkten verschwimmen, wodurch sich auch die Vorstellungen von Gender in der Gesellschaft verändern." In den Collagen von Eu-Jip geht es um die vom Westen übernommenen Schönheitsideale (von pfirsichfarbener Haut bis hin zu eingefärbten Kontaktlinsen) und die Frage, warum die Südkoreaner jedes Jahr 5 Milliarden US-Dollar für Schönheits-OPs ausgeben? Und das nur, um einem Ideal zu entsprechen, von dem die Werbung verspricht, dass es Glück und ein gutes Leben bringt. Uns hat der südkoreanische Künstler erklärt, woran das genau liegt.

Was steckt hinter der Serie Live Your Dream?
Bei dem Titel habe ich mich von dem Slogan einer Schönheitsklinik in Seoul inspirieren lassen. Er illustriert den Glauben der Südkoreaner, dass gutes Aussehen für den eigenen gesellschaftlichen Status vorteilhaft ist. In Südkorea musst du bei deiner Bewerbung beispielsweise immer ein Foto mitschicken, weil das Aussehen ein wichtiges Auswahlkriterien ist.

Was genau willst du mit deinen Kunstwerken kritisieren?
Dass Südkoreas Besessenheit mit der Schönheit ein Nebenprodukt eurozentrischer Schönheitsideale ist. Dieser Einfluss wird in meinem Heimatland kaum gesehen, weil die westlichen Ideale so verpackt werden, dass sie zu den südkoreanischen Gesichtern passen. Die Gesellschaft hier ist von den kaukasischen Stereotypen fasziniert: helle Haut, große Augen, helle Augenfarbe, helle Haare, spitze Nasen und kleine Gesichter. Die großen Stars der K-Pop-Szene beeinflussen die jungen Koreaner, deswegen tragen sie auch hautaufhellendes Make-up und gefärbte Kontaktlinsen. Und weil die Regierung die Bemühungen unterstützt, K-Pop an ein globales Publikum zu vermarkten, wird das Bild von Koreanern auf der ganzen Welt geprägt.

Wie hat der Westen die Schönheitsideale in Südkorea beeinflusst?
Das hat nicht nur mit dem Westen zu tun. Schon davor haben Koreanerinnen helle Haut bevorzugt, weil sie mit einem höheren gesellschaftlichen Status assoziiert wird. Dunklere Haut galt lange Zeit als Zeichen von Armut – dafür, dass man draußen arbeitet. Heute werden in Südkorea beispielsweise aufhellende Hautcremes für Männer verkauft. Die Menschen werden davon beeinflusst, was sie in der Werbung sehen. Dort sieht man oft weiße Models oder südkoreanische Prominente, die eurozentristischen Vorstellungen entsprechen.

Welche Rolle spielt Farbe in deinen Werken?
Ich verwende Abstufungen der Farbe Pfirsich. Es ist eine Mischung aus den Gelb-Anteilen der Haut von Südkoreanern mit den Rosa-Anteilen von Weißen. Früher hatte man diese stereotypische Darstellung im Kopf, Asiaten hätten gelbe Haut – heute ist es pfirsichfarbene. Die südkoreanische Schönheitsindustrie beeinflusst die Schönheitsstandards in ganz Ostasien.

Wie findest du deine Models und Bilder?
Das sind Samples aus Archiven von Schönheitschirurgen und teilweise alte Werbungen für Beauty-Produkte. Ich orientiere mich an der verführerischen Art und Weise der Werbefotografie, die ein Verlangen auslösen möchte. Deswegen will ich auch nicht, dass die Arbeiten in Südkorea gezeigt werden, weil sie nicht als Vorlage für irgendwelche Operationen dienen sollen. Ich trage Verantwortung dafür, wo und wie die künstlerischen Werke präsentiert werden.

@euijip

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der US-Redaktion.