diese sechs deutschsprachigen rapper solltest du 2016 im auge behalten

Seit „XOXO" von Casper und „Zum Glück in die Zukunft" von Marteria aus den Jahren 2010 und 2011 erlebt deutscher Rap ein nie dagewesenes Hoch. Die Szene ist so vielfältig wie schon lange nicht mehr. 2015 haben bereits einige Rapper von sich reden...

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21 Dezember 2015, 9:45am

Crack Ignaz

Crack Ignaz

Für einen ersten Achtungserfolg sorgte Crack Ignaz schon anno 2012 mit dem Song Elvis. Eine zeitlupenhaft verlangsamte und drogenbetäubte Hymne auf den King of Rock'n'Roll und seine Salzburger Gang, den Hanuschplatzflow gleichermaßen. So tiefenentspannt und schmelmisch klang auch über Österreichs Grenzen hinweg schon lange keiner mehr. Ein paar Mixtapes später veröffentlichte Ignaz K im letzten Sommer sein Debütalbum „Kirsch" über das Kölner Traditionslabel Melting Pot Music. Darauf zu hören: wolkige Beats und beinahe schon kitschiger und mit reichlich Auto Tune versehener Swag-Rap über Gras, Gwalla, also Geld, und das Gödlife. Im kommenden Januar wird es neues vom Wiener Wunderkind geben. Musikalisch vom Wiener Produzenten Wandl gestaltet, tönt „Geld Leben" mit rumpelnd-drückenden Beats, obskuren Mini-Skits und größtenteils gerappten Parts zwar ganz anders als „Kirsch", aber macht einmal mehr klar, dass der spannendste Rap des kommenden Jahres mit Sicherheit aus Österreich kommen wird.

LGoony

Wobei LGoony beweist, dass es hierzulande auch nicht ganz schlecht aussieht. Der Kölner Rapper entstammt dem Umfeld von Money Boy, rappt aber eindeutig besser als die meisten in der Entourage des Boys. Irgendwo zwischen dem Based God Lil B und Avantgarde-Autismus von Taktloss angesiedelt, veröffentlichte LGoony im letzten Jahr sein erstes Mixtape Goonyverse (Space Tape Vol. 1) und holte sich umgehend Co-Signs von prominenten Kollegen wie Casper oder den Orsons. So beflügelt legte er diesen Herbst mit dem Grape Tape nach. Das Besondere: LGoony mimt über die ätherischen Beats von Dj Heroin und Konsorten einerseits den krächzenden Crooner, weiß aber genau, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um in den Rap-Modus umzuschalten und ein paar Punchlines in Westberliner Battle-Tradition vorzubringen.

Yung Hurn

Nochmal zurück nach Österreich. Genauer: Wien, 22. Bezirk, die Donaustadt. Denn von dort kommt Yung Hurn, der genau wie LGoony Teil des Kollektivs Live From Earth ist. Ein spindeldürrer Junge, der mit seinen Bros und Baes auf Tabletten und jeder Menge Stolichnaya Premium Vodka durch die Stadt flaniert, den architektonischen Meisterleistungen von Architekten wie Otto Wagner oder Adolf Loos huldigt, Ming Vasen zerdeppert und genau davon in seinen Texten erzählt. Die schreibt er meist in weniger als zehn Minuten - weil sie sonst „viel zu durchdacht" wären. Dementsprechend sind sein erstes Mixtape 22 und die Mini-EP Wiener Linien mit dem österreichischen Produzenten Lex Lugner ein Feuerwerk des Spontandadaismus - genau wie übrigens sein letzter Song „Opernsänger".

Schote

In Zeiten, in denen Rapper sich hinter Masken verstecken oder irgendwelche Images ausdenken, sind Rapper wie Schote die absolute Ausnahme. Der Karlsruher macht Rap über Rap - oder darüber, wie cool er eigentlich ist. Erste Erfahrungen sammelte er bei Video-Battle-Turnieren wie dem VBT oder MOT, danach folgten 2013 die EP „Purple Rock Cocaine" und in diesem Herbst gemeinsam mit dem genialen Produzenten ENAKA die „Neue Bars Sued"-EP mit klassischem Battle- und Representer-Rap, der aber so dermaßen locker aus dem Handgelenk gestyled wurde, dass es eine wahre Freude ist, Schote beim Angeben zuzuhören.

Döll

Wenn wir schon bei klassischem Rap-Rap sind, darf auch Döll nicht fehlen. Als Teil des Duos Nömis & Döll gestartet, beschreitet der Darmstädter mittlerweile Solopfade und veröffentlichte im letzten Jahr mit Unterstützung von Kollege Schnürschuh, Brenk, Dexter, Sterio und Gibmafuffi seine „Weit entfernt"-EP: eine melancholische Melange aus Draufgängertum und Depriphasen. 2015 war Döll viel mit seinem Bruder, dem Darmstädter Rap-Urgestein Mädness, unterwegs und so dürfte das auch im neuen Jahr wieder weitergehen.

Nimo

Nach Bushido, Sido und Fler hat sich seit ein paar Jahren eine neue Generation an Rappern aufgemacht, auf authentische Weise von der Straße zu berichten. Haftbefehl oder Xatar verbinden ganz unterschiedlich ausgeprägte musikalische Innovation mit spannender Vortragsweise und setzen der grau gefärbten Betonromantik ihren ganz eigenen Gangsterrap-Entwurf entgegen. Genau wie Nimo. Der Stuttgarter machte mit ein paar Handyvideos, die ihn beim Rappen zeigen, auf sich aufmerksam. Kurze Zeit später klingelte sein Handy und die beiden Haftbefehl-Kumpels Celo & Abdi waren am Apparat, um Nimo bei ihrem eigenen Label 385i unter Vertrag zu nehmen. Kaum verwunderlich. Denn der gerade mal 19-jährige rappt so souverän wie kaum sonst jemand in seiner Altersklasse und verbindet Selbstbewusstsein mit Emotionalität und einer immensen Bandbreite an Flowvariationen in denen er von seinem Alltagskrisen erzählt.

Credits


Text: Jan Wehn
Bild via Crack Ignaz