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warum ist die modewelt so verrückt nach teenage-boys?

Wir sprachen mit Designern, Fotografen und Autoren über die 90er und was genau sie so sehr an Teenage-Boys fasziniert.

von Charlotte Gush
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13 Januar 2016, 1:55pm

Lead-Foto: Gosha Rubchinskiy, Youth Hotel

In London hat letzte Woche die Ausstellung Mad About the Boy eröffnet, in der es um die Faszination der Modewelt mit Teenage-Boys geht. Zur Eröffnung wurde Meadham Kirchhoffs legendäre Menswear-Show der Saison Spring / Summer 13 nachgestellt: schöne Grunge-Boys hängen in ihrem Schlafzimmer ab und tragen eine Mischung aus Sportswear, Chiffon und floralen Prints.

Wir sprachen mit den Designern Christopher Shannon und Sibling, Tony Hornecker, Fotograf Jason Evans und Kuratorin Lou Stoppard über ihre Jugend, welche Musik sie gehört haben und ließen uns erklären, wieso die Modewelt so verrückt auf junge Teenager ist.

Wie würdest du deinen Style als Teenager beschreiben?
Christopher Shannon: Ich war ziemlich wählerisch. Ich trug erst Sportswear, dann karierte Hemden und Doc Martins. Dann fing ich an, in Clubs zu gehen und alles zu mischen. Mit 14 bin ich nach London gefahren, um bei GAP, H&M und einem Laden namens Flip einzukaufen. In Liverpool hast du kaum so was bekommen. Ich habe auch Sachen von meinem Bruder geklaut.

„Ich muss 15 gewesen sein, Mitte der Neunziger, vielleicht war es 1995. Ich kann mich nicht erinnern, weil ich wahrscheinlich high war. Bei jeder Möglichkeit, die sich auftat, bin ich in das Zimmer von meinem älteren Bruder, wenn er gerade nicht da war. Er hatte einen Plattenspieler. Wir waren ja zu jung, um in Clubs zu gehen. Jeder, der älter war, ging in den Cream Club, siehe das Poster im Hintergrund. Ich trage Puma-Sneaker mit Wildleder, auf die ich eine Zeit lang sehr stand. Dazu schwarze Jeans und ein T-Shirt, was ich bei einem Magazin-Launch bekam, wahrscheinlich der erste Magazin-Launch, und der einzige, auf dem ich eh war."

Sibling Cozette: Mein Style hat sich seit meiner Teenie-Zeit nicht wirklich verändert. Kariertes Hemd, was für ein Mädchen viel zu aufgeknöpft war, schwarze Jeans von Lee, schwarze Converse High Tops mit weißer Kappe, die Fußballsocken von meinem Bruder und immer eine andere Haarfarbe, von Pastellpink über Blau zu Blutrot. Manchmal trug ich dazu eine Sicherheitsnadel und Micky-Maus-Ohrringe.
Tony Hornecker: Ich hatte eine ältere Schwester, mit der ich schon früh gemeinsam in Acid-House-Clubs ging. Sonntags waren wir dann in Camden shoppen. In meiner Teeniezeit war mein Style beeinflusst von den Bro's aus den Boybands und viel Denim mit der amerikanischen Flagge als Aufnäher und brauen Brogues-Schuhen. Später wurde daraus dann ein reiner Rave-Look. Meine Locken habe ich zu einem Knoten zurückgegelt, der sich im Laufe der Nacht dann immer mehr auflöste je später es wurde. Bucket Hat, Harry-Potter-Brille, Stiefel, Schlaghosen und übergroße T-Shirts von De La Soul. Acid, Mann!

„Das Bild ist auf meinem ersten CSD in London entstanden. Ich war 17 und hatte durch die Aufregung die ganze Nacht nicht geschlafen. Es war 1991, die Welt lag mir zu Fußen, mein Style war grell und sehr pink. Ich trug orangfarbene 501 Jeans, Nike-Sneaker, ein smaragdgrünes T-Shirt und eine schwarze Ray-Ban-Sonnenbrille."

Jason Evans: Du hast experimentiert.
Lou Stoppard: Ich bin eben ein Mädchen! Wenn ich mein 17-jähriges Ich heute sehen würde, dann würde ich sie Hipster nennen. Ich stand total auf schreckliche Indiemusik und trug oft Babydoll-Kleider. Ich hatte auch eine Edie-Sedgwick-Phase und hatte einen sehr kurzen Pixie Crop. Ich trug große Ohrringe und um mich herum gab es immer Typen, die wie Carl Barat aussahen. Es war eine Tragödie.

Wer waren damals eure Modeikonen?
Christopher Shannon: Meine muss Björk gewesen sein. Die Jungs sind Mitte der 90er nicht wirklich durch ihre Kleidung in Erscheinung getreten, außer vielleicht die in der Britpopszene, was ich aber schon immer ein bisschen scheiße fand. Björk trug Comme des Garçons und Margiela. Aus irgendeinem komischen Grund war Judy Blame meine Modeikone als Teenie, weil seine Bilder am meisten Sinn für mich machten - von ihm, Mondino und all die Videos und Musikbildwelten, die sie zusammen schufen. In Liverpool gab es viel Westwood, Armani und Versace und ich stand auf härtere Sachen. Ich mochte Labels wie Felix Blow und 6876, die den Startschuss für das moderne Sportswear-Crossover legten. Die konnte ich mir aber mit meinem Teenie-Taschengeld nicht leisten.
Tony Hornecker: Die ultimative Modeikone muss für mich James Dean gewesen sein. Das würde zu meiner Faszination mit Bro's passen. Ich habe den 50er-Style mit weißen T-Shirts und Jeans geliebt. Mein Vater war bei der US Airforce und wir haben immer im Laden auf der Base eingekauft. In den englischen Vorstädten war ich mit meinen Nikes und Levis der Feind, weil man so was dort nicht bekam oder niemand sich das nicht leisten konnte. Für mich waren die Modeikonen amerikanische Teenies in den 50ern.
Jason Evans: Andere Jungs.

Foto: Patrick Robyn. Walter van Beirendonck, Bad Baby Boys, Autumn/Winter 1986

Was war der Soundtrack eurer Teenagerzeit?
Sibling Sid: Transvision Vamp - I Don't Care. Simply Red. Prefab Sprout - King Of Rock n Roll. Suzanne Vega - Luka.
Christopher Shannon: Ich habe alles gehört. Mich hat Musik viel mehr als Mode interessiert.
Tony Hornecker: Ich war nie ein großer Musikfan. Meine Freunde könnten dir meine drei CDs nennen, eine davon habe ich mir als Teenie zugelegt, Tracy Chapman. Und die höre ich heute immer noch. Daneben noch Rave-Musik aus der Zeit, was zu Indie, The Stone Roses und Candy Flip führte.
Jason Evans: John Peel.
Lou Stoppard: Bloc Party - The Prayer. Plain White Ts - Hey There Delilah. Alles von den Babyshambles.

Warum ist die Modewelt so von Tennage-Boys fasziniert?
Tony Hornecker: Teenager sind schön. So ist es nun mal. Es geht um Vergänglichkeit. Die Boys sind sich dem Moment gar nicht bewusst. Diejenigen, deren Teenage-Jahren schon vorbei sind, beneiden sie darum um so mehr. Außerdem gibt es immer frischen Nachschub. Jedes Jahr gibt es neue Gesichter. Die Girls sind länger dabei. Die Arbeit an dieser Ausstellung war aus diesem Grund so interessant, sich die ganzen Boys anzuschauen, die kamen und wieder gingen. Oft waren es Musen der Designer und ganze Kollektionen konnten sich in einer Saison um einen bestimmten Boy drehen. Wir sind doch alle dem Charme des ein oder anderen Boys erlegen.

Foto: Alasdair McLellan The Perfect Kiss (12 Inch Version)

Mad About The Boy

ist noch bis zum 2. April 2016 in der Fashion Space Gallery des London College of Fashion zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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Credits


Text: Charlotte Gush
Lead-Foto: Gosha Rubchinskiy, Youth Hotel