Fotos: nomnomvega

Durch Aktfotografie und Sensibilität zu mehr Selbstliebe

Fotografin @nomnomvega spielt mit der Sensibilität nackter Körper und lernt dadurch ihre eigene Sexualität besser kennen. Wir haben die Fotografin gefragt, wie das eigene Selbstbild ihre Arbeit beeinflusst und warum jeder Körper ästhetisch ist.

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Aug. 11 2016, 11:05am

Fotos: nomnomvega

Nadya-Vanessa Vega fotografiert Frauen und diese am liebsten nackt. Ihr malerischer, mädchenhafter Stil vereint warme Pastelltöne mit viel Haut, dazwischen finden sich Porträts der Mädchen. Eins haben ihre Arbeiten allerdings alle gemeinsam: Sie spielen mit Intimität und weiblicher Sexualität. Für die 25-Jährige ergibt sich vieles im Leben aus purem Zufall, so auch ihre Leidenschaft fürs Fotografieren, die vor sieben Jahren als Partyfotografin in München angefangen hat. Im Gespräch erzählt sie, dass es wahrscheinlich ihre religiöse und sehr konservative Erziehung war, die sie dazu gebracht hat, die intimsten Momente junger Frauen in Fotos festzuhalten.


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Du scheinst deinen Models sehr nah zu sein. Wie findest du sie und was ist dir wichtig?
Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal suche sie mir selbst aus, manchmal werde ich einfach von ihnen angeschrieben. Die meisten sind Freunde von Freunden, durch die sich dann wiederum neue Kontakte ergeben. Anfangs bin ich noch auf die Straße gegangen und habe die Leute persönlich angesprochen, das ergibt sich einfach! Aber eigentlich habe ich nicht wirklich einen speziellen Typ, nach dem ich meine Models auswähle, die Chemie muss einfach stimmen! Wir schreiben davor und ich erzähle den Mädchen, was ich mir vorstelle und frage sie, wie weit sie mit ihrer Nacktheit gehen möchten.

Du zeigst sehr intime Momente. Wie läuft ein Shooting für gewöhnlich ab?
Dieses Jahr waren die meisten meiner Shootings bei mir oder bei den Models zu Hause. Ich experimentiere gerne und würde auch sehr gerne mehr im Freien arbeiten. im Großen und Ganzen dauert es maximal eine Stunde bis ich das eine Foto geschossen habe. Trotzdem probiere ich immer gerne ein wenig herum, also kann ein Shooting auch bis zu zwei Stunden dauern.

Was bedeutet Nacktheit für dich?
Offenheit und Intimität.

Welche Botschaft willst du dem Betrachter mit deinen Fotos vermitteln?
Ich möchte das Spannendste und Intimste aus den Models herausholen und diese Einstellung auch vermitteln. Ich bin eigentlich ein eher zurückhaltender und introvertierter Mensch und versuche, durch meine Fotos das Gegenteil zu transportieren. In Zukunft möchte ich aber mehr Abstand von diesen perfekten Körpern nehmen und versuchen, mehr zu experimentieren, weil ich mich momentan mehr damit befasse. Body Positivity spielt gerade eine große Rolle, jeder Körper ist ästhetisch!

Würdest du sagen, dass du Frauen mit deinen Fotos objektivierst oder dass die Fotografie eher als ein Mittel für die Emanzipation des weiblichen Körpers nutzt?
Beides. Sie sind schon auf eine gewisse Art und Weise ein Objekt, da alles sehr sexualisiert wird, aber die Frauen sind dabei auch selbstbewusst. Ich möchte sie selbstbewusst, stark und nicht zu billig zeigen.

Man sieht dich selbst kaum vor der Kamera. Warum gibt es keine Selbstporträts von dir?
Ich bin unzufrieden mit mir selbst und es fällt mir schwer, mich selbst zu lieben. Vermutlich verstecke ich mich daher ein wenig hinter nomnomvega und bleibe lieber anonym. Mir ist es wichtig, dass ich mit meinen Fotos im Vordergrund stehe und nicht mit meiner Person—ich lasse lieber die Bilder sprechen.

Welches Körperteil lichtest du besonders gerne ab?
Ich finde alle Körperteile auf ihre Weise schön, aber wahrscheinlich sieht man in meinen Bildern besonders viele Brüste und Ärsche. Ich möchte mich auch nicht wirklich festlegen, schließlich ist es von Frau zu Frau immer unterschiedlich. Es geht mir eher um das Gesamtpaket. Was ich jedoch nicht will: zu pornografisch rüberzukommen und Close-ups von Geschlechtsteilen oder Sex zu fotografieren. Das ist tabu für mich.

Was hältst du von der Zensur auf Social Media Plattformen wie Instagram? Passiert es dir oft, dass deine Fotos gelöscht werden?
Ich wurde schon mal komplett von Instagram blockiert. Angeblich waren meine Fotos zu obszön. Glücklicherweise wurde mein Account eine Woche später wiederhergestellt, nachdem ich eine Beschwerde eingereicht habe. Ich halte daher rein gar nichts von der Zensur! Unterbewusst merke ich aber, dass ich dadurch auf jeden Fall vorsichtiger geworden bin, was das Zeigen nackter Haut betrifft. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht!

Wie gehst du mit Trollen und Kritik um?
Ich bekomme viele Hasskommentare, besonders per Privatnachricht, einmal war sogar eine Anzeige dabei. Diese Kommentare stammen sowohl von Männern als auch von Frauen. Leider nehme ich so etwas schon immer irgendwie persönlich, auch wenn ich die meiste Zeit nicht darauf eingehe. Aber es regt mich mittlerweile wirklich auf!

Wie hat sich deine Arbeit in den letzten Jahren entwickelt?
Ich hatte in den letzten sieben Jahren Phasen, in denen ich meine Kamera nicht in die Hand nehmen wollte. Ich stecke mein ganzes Herzblut in meine Arbeit und bin viel intimer geworden, das möchte ich mir auch gerne beibehalten. Ich war ein Jahr asexuell und glaube, dass ich mit meiner Fotografie sehr viel über mich selbst verarbeite. Das Wichtigste ist: Einfach immer weiterzumachen!

@nomnomvega

Nadya-Vanessa Vega arbeitet bereits seit einem Jahr an ihrem ersten Bildband nomnomvega, welches durch Crowdfunding finanziert werden soll.