weniger ist mehr: langlebigkeit und qualität stehen bei „vanguards“ im vordergrund

Ob wir es uns eingestehen wollen oder nicht: Wir leben im Zeitalter von Fast Fashion. Doch zum Glück wird die Öffentlichkeit für die schrecklichen Arbeitsbedingungen in den Billigfabriken immer weiter sensibilisiert. „Vanguards“ ist das Printmagazin...

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28 November 2016, 2:51pm

„Lieber einmal richtig kaufen—statt mehrmals." So kann man sinngemäß die Philosophie und die Umsetzung des neuen Magazins Vanguards zusammenfassen. Man könnte denken: Nicht schon wieder ein weiteres Magazin, das so edgy und anders sein will. Vanguards fällt aber nicht in diese Kategorie. Die Macher hatten genug von dem vermeintlichen Hype, der im Dunstkreis von Online-Content, Social Media und Fast Fashion entsteht, und gründeten ihre eigene Plattform, auf der sie das Designerbe Schottlands nicht nur feiern, sondern auch das Überleben kleiner Manufakturen im nördlichen Teil des Vereinigten Königreiches aktiv fördern. Doch ist das angesichts sinkender Auflagen von Printmagazinen nicht ein waghalsiges Experiment? Vielleicht. Die beiden jungen Macher hinter Vanguards setzen sich dieser weitverbreiteten Ansicht ihr hochwertiges Magazin entgegen. Mit dem altehrwürdigen Strickwaren-Label Laurence Odie von der Shetlandinseln ist das Magazin bereits eine Kollaboration eingegangen. Der Schotte beliefert unter anderem auch A.P.C und Beams. Wir haben mit dem Mitbegründer Hugo Ross über das Magazin, Schottland und Tradition gesprochen.

Warum gibt es Vanguards überhaupt?
Mein Mitbegründer James und ich haben beide in Edinburgh studiert. Wir haben uns für alles Schottische interessiert. Das Land ist so reich an Traditionen und kann auf eine lange Design- und Handwerksgeschichte zurückblicken. Wir waren selbst Kunden dieser Traditionsprodukte und wollten mehr über sie und die Leute dahinter wissen, und die Geschichten der bekannten Marken und Personen einem breiten Publikum erzählen. Uns war wichtig, dass wir das Land, das wir so lieben, angemessen darstellen, aber wir hatten auch das Gefühl, dass die gegenwärtige Magazinlandschaft so langweilig ist: Ästhetik zählt mehr als Inhalt.

Foto: Nancy Macdonald

Foto: Uli Schade

Wie wichtig war es euch, mit eurem Magazin ethischem Konsum eine Plattform zu geben?
Diese Frage stellen wir uns immer, wenn wir darüber nachdenken, wen wir im Magazin vorstellen. Im redaktionellen Teil versuchen wir, unsere ethische Stimme zu entwickeln. Wir sind starke Befürworter davon und wollen eine Stimme gegen diesen Hype sein, der Produkte und Marken ja begleitet. Die Menschen, die Produkte und die Marken, die wir vorstellen und zelebrieren, stehen für Langlebigkeit, sie sind durchdacht und sind gut für die Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur des Landes.

Wie kam es zur Kollaboration mit Laurence Odie?
Zum ersten Mal haben wir Laurence im Winter 2014 besucht. Er gehört zu den führenden Strickwarenherstellen in Schottland, er beliefert unter anderem A.P.C, Beams und J. Press. Wir wollten ihn nicht nur unseren Lesern im Magazin vorstellen, sondern die Marke auch bekannter machen, weil ein Großteil seiner Pullover in die USA und nach Japan verkauft wird.

Illustration: Geoge Douglas

Glaubt ihr, dass ihr mit Vanguards Schottland für ein Printmagazin auf noch nie dagewesene Art und Weise darstellt?
Absolut, ja. Es ist nicht das einfachste Land als Thema für ein Magazin. Über Schottland existieren starke Klischees, die wir vermeiden wollen, aber natürlich auch nicht ignorieren können. Wir wollten einen anderen Akzent bei der Darstellung des Landes setzen. Wenn man natürlich über Schottland redet, muss man akzeptieren, dass Tartan, Whiskey und Shortbread Teil der schottischen Kultur sind. Das äußert sich zum Beispiel in der Kunst von Luke Thomas Edwards, für die er Tartanmuster verwendet. Wir haben sie digital bearbeitet, um daraus wunderschöne Bilderwelten zu kreieren.

Was plant ihr als Nächstes?
Wir arbeiten gerade an der zweiten Ausgabe, die 2017 erscheinen soll. Sie wird größer werden und wir wollen unsere Stimme schärfen. Neben den Beiträgen, an denen wir im Moment arbeiten, möchten wir etwas Kritisches über die aktuellen Kosum- und Handelstrends umsetzen und zeigen, dass die Verbraucher eben nicht nur nach Bequemlichkeit und dem Preis entscheiden sollten. Die schottischen Marken und deren Produkte, die wir vorstellen—kleine Manufakturen, die gut für ihre Community sind—sollten eben auch unterstützt werden, weil sie keine versteckten Kosten haben.

Foto: Olivia Stoddart

Hier kannst du dir die erste Ausgabe bestellen. 

Credits


Text: Ryan White