das zine „boyo“ ist eine hommage an den american boy

Wir haben mit dem Mann hinter dem Fanzine, Patrick Waugh, zum Release der vierten Ausgabe über John F. Kennedy, Jr., Collagenkunst und die Unterschiede zwischen Print und Digital gesprochen.

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20 Januar 2016, 10:55am

Die neueste Ausgabe des Zines BOYO ist gerade erschienen und anstatt wie sonst eine Person vorzustellen, widmet sich die vierte Ausgabe drei Persönlichkeiten, die Zinemacher Patrick Waugh inspirieren. Das Cover ziert eine Collage von John F. Kennedy, Jr., außerdem werden auf den 44 Seiten Künstler Ed Ruscha und Fotograf Bruce Weber geehrt und. Patrick Waugh arbeitete bereits als Art Director für Arena Homme +, Pop und i-D. Wir wollten mehr über die neueste Ausgabe erfahren und stellten ihm deswegen ein paar Fragen.

Wieso hast du mit John F. Kennedy, Jr., Ed Ruscha und Bruce Weber in dieser Ausgabe drei Personen gefeatured anstatt der üblichen einen?
Ich konnte mich einfach nicht entscheiden, also kommen alle drei vor. Ich sammle bereits seit Jahren Bilder und Werke von ihnen. Deshalb lautet der Titel der neuen Ausgabe auch „American Crush". Bruce Webers Collagen inspirieren mich sehr. Als ich Art Director bei Arena Homme + war, lieferte er seine Aufträge immer in Collagenform ab. Sie erzählen eine Geschichte und das mag ich. Sein Buch Chop Suey gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Die Fotos sind so schön, also habe ich ein paar Seiten aus meinem Buch genommen und sie zu einer Collage neu zusammengefügt.

Was hat es mit den Texten auf sich, die die Collagen von John F. Kennedy, Jr. begleiten?
Das wiederkehrende Thema bei BOYO ist Obsession. Die Texte in der vierten Ausgabe sind Zitate aus Popsongs, die ich liebe, und in denen es um Verknallt-Sein und Verliebt-Sein geht. Ich wollte nie zu viele Wörter bei dem Fanzine verwenden, aber diese kurzen Zitate verleihen dem Heft eine zusätzliche Stimme.

Wie fing BOYO an?
Es war zuerst ein Fanzine. Ich war Redakteur und Art Director bei Arena Homme +, BOYO habe ich in der Zeit zwischen den zwei Ausgaben auf eigene Faust gemacht. Luis Venegas hat eine Ausgabe gefallen und so kam es zur „Electric Youth"-Ausgabe.

Wieso wolltest du dieses Zine machen?
In den letzten zehn Jahren wurde die Magazingestaltung immer cleaner und kommerzieller. Man muss sich die Genehmigung für jedes Bild vom Kunden einholen. Wie Bilderwelten entstehen und Geschichten erzählt werden, hat sich sehr verändert. Es gibt viele neue junge Talente, die nie die Möglichkeit hatten, einem Fotografen zu assistieren, der für Print gearbeitet hat. Vielleicht liegt es genau daran, weshalb die jüngere Generation so viel Gefallen an Fanzines findet, es ist etwas zum Anfassen. Diese Generation ist besessen von Zeitschriften und Werbekampagnen aus den 90ern, weil sie einfach eine gewisse Textur haben. Wenn mich Leute gefragt haben, ob ich Collagen oder andere Projekte für ihre Magazine oder Marken beisteuern könnte, hing das für mich immer damit zusammen, dass meine Arbeiten eine Textur haben.

Wie lange kreierst du schon Collagen?
Die erste Ausgabe von BOYO erschien vor zehn Jahren. Ich war ein Jahr bei Homme +, als ich von Australien nach London gezogen bin. Ich war damals 20 und Praktikant bei Homme + und Alasdair McLellan war ein junger Fotograf, der gerade ein Kollektions-Shoot hatte. Es war eine fantastische Erfahrung, ihm zu assistieren. Seine Negative waren überall und sie haben die Fotos bearbeitet. Ich wurde besessen von seiner Arbeit und bis heute denke ich, dass er einer der besten Fotografen unserer Generation ist. Am meisten habe ich es geliebt, seine Fotos zu zerschneiden. Die erste Ausgabe von BOYO war fast so etwas wie eine Hommage an ihn, weil er mich so inspiriert hat.

Fotografen gehen verständlicherweise sensibel mit ihren Arbeiten um. Macht es ihnen nichts aus, wenn du ihre Fotos zu Collagen zurechtschneidest?
Ich denke, dass es einfach vom Selbstbewusstsein des Fotografen abhängt. Manchmal hat mir Alasdair jedes Foto gegeben und die Fotos flossen in jede einzelne Collage ein. Dann war gab es auch einige Male, wo er zwei ausgewählt hat, die sich dann in einer 10- bis 12-seitigen Story eingefügt haben. Es geht mehr um die Persönlichkeit des Fotografen und wie ungezwungen, gewagt und anspruchsvoll er mit seinen eigenen Arbeiten umgehen will.

Hast du Lieblings-Collagekünstler?
An der Uni war ich besessen von Linder Sterling. Das war eines der Bücher, in die ich jedes Jahr wieder reingeschaut habe, weil es einfach so inspirierend war. Ich finde toll, was M/M Paris mit Björk umgesetzt hat. Ihre alten Balenciaga-Kampagnen habe ich angehimmelt. Das Menschliche daran hat mir wahrscheinlich so an ihnen gefallen. Bei ihnen hatte ich das Gefühl, dass eine Person bei der Arbeit unterbrochen wurde. Das verlieh den Werken so viel Gefühl und Persönlichkeit. Das mag ich sehr. Außerdem liebe ich Arbeiten aus dem Spätwerk von Matisse. Die entstanden zu der Zeit, als er sich aufgrund seines Alters entschied, mit dem Malen aufzuhören, stattdessen lieber Papier zu zuschneiden und sein Haus damit zu dekorieren.

Was kommt als Nächstes für dich?
Im nächsten Jahr soll es eine Ausstellung von mir geben, denn bisher gab es keine richtige von mir. Sie soll taktil und experimentell sein. Ich denke darüber nach, die Ausstellung in Berlin zu zeigen, weil ich schon mit so vielen Leuten von dort zusammengearbeitet habe. Diese Stadt ist authentisch und echt. Das gefällt mir gut.

Die vierte Ausgaben von BOYO ist ab jetzt auf antennebooks.com erhältlich.