véronique leroy über kitsch und weibliche eleganz

Die belgische Designerin mit Sitz in Paris entwarf in den Neunzigern Mode, die wie ein Rave auf Couture-Niveau anmutete. Heute setzen Ihre Kollektionen auf Eleganz statt Disco und noch immer auf den Reiz des Imperfekten.

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Nov. 2 2015, 12:05pm

Ein bisschen daneben sollte sie schon ganz bewusst sein, die Kollektion von Véronique Leroy für Frühjahr/Sommer 2016. Breite Ledergürtel in Türkis und Curry, sportlicher Mesh, überzeichnete Proportionen und Formen lassen das zunächst scheinbar unpassende an Reiz gewinnen. Das Ordinäre in etwas Erhabenes verwandeln konnte Véronique Leroy schon immer gut. In den Achtzigerjahren war sie Teil desDesignteam von Azzedine Alaïa und 1991 gründete sie ihr eigenes, gleichnamiges Label, für das sie stilistisch selbst wohl das beste Vorzeigemodell ist - mit französisch selbstbewusster Eleganz und durchdachten Unebenheiten.

Diese Unebenheiten waren schon damals, Anfang bis Mitte der Neunzigerjahre, Teil ihrer Stil-DNA. Als ihre Mode noch den Rave in die Couture übersetzte und dabei bewusst ein kitschiges Klischee nach dem anderen bediente: tiefe Dekolletees und Pofaltenlange Miniröcke, Glitzersteine und Fake Fur, Mohair und Lack in Neonfarben. 1997 folgte ein stilistischer Wandel und die Kollektionen von Leroy sahen nicht mehr nach Luxus-Rave sondern eher nach Chic Parisienne aus. Die aktuelle Saison schien da nun wie ein dezentes Disco-Revival auf Französisch. „Mein Ausgangspunkt war es, eine Verbindung zwischen der frühen und der heutigen Véronique Leroy zu finden", erklärt die Designerin im Interview. Wir wollten mehr über den Stil Leroys - damals und heute - wissen.

Als Referenzpunkt für Ihre neue Kollektion haben Sie jene Frauen angegeben, die das Attribut sexy nach ihren eigenen Vorstellungen neudefinieren. Konkret gesprochen: Was macht diese Kollektion sexy?
Die Geschichte zu der Kollektion erzählt von einer Philosophiestudentin, die als Kellnerin in einer Bar arbeitet, um sich ihr Studium zu finanzieren. Infolgedessen hat sie aus der Notwendigkeit heraus eine sexy Uniform entworfen. Und dabei liegt die Sexyness weder in der Materialität noch in der Farbigkeit der Uniform, sondern in dem, was diese Studentin persönlich als sexy empfindet. Transparenz und Proportionen zum Beispiel, mehr etwas, das durchdacht wurde als etwas, das erlebt wurde.

Anfang der Neunziger haben Sie in einem Interview gesagt, dass Sie Mode schätzen, die vulgär ist und sogar ein wenig bad taste. Wie äußerte sich das in Ihren Kollektionen damals und wo findet man diese Spannung heute?
Am Anfang war es eine regelrechte Obsession von mir, Schönheit in nahezu allem zu finden. Ich dachte, Schönheit sei tatsächlich etwas, das überall zu finden sei und ich wollte sie darum in jenen Dingen herausstellen und finden, die allgemeinhin als ordinär gelten. Heute findet man die anfängliche Suche nach Schönheit in der Unverhältnismäßigkeit meiner Silhouetten und eben in der Unbeholfenheit einer Philosophiestudentin.

Während Sie diese Sexyness damals aber tatsächlich noch offensiver ausgedrückt haben, als Sie Neonfarben, Fake Fur und hautenge Silhouetten präsentierten.
Diese Attribute waren damals Klischees, mit denen ich gerne gespielt habe. Klischees, die laut und offensichtlich waren. Heute versuche ich noch immer, die gleiche Idee zu entwickeln, berücksichtige dabei aber eben vielmehr bestimmte Codes als Klischees.

Etwa um 1997 herum haben Sie sich von diesem offensiven Stil verabschiedet.
Ich habe mich nicht konkret dazu entschlossen, mich von diesem Look zu verabschieden. Ich wollte vielmehr neue soziale Kategorisierungen erkunden und mit anderen Klischees spielen.

Würden Sie rückblickend sagen, dass Sie damit mit Ihren Kundinnen erwachsen geworden sind?
Nicht erwachsen geworden. Es war vielmehr eine Idee, die sich weiterentwickelt hat und mit der ich ein natürliches Netzwerk aus Kundinnen aufgebaut habe.

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Credits


Text: Lisa Riehl 
Bilder via Véronique Leroy