über Netflix

Wir haben mit den Machern deiner neuen Netflix-Lieblingsserie gesprochen

Endlich scheint das deutsche Fernsehen keine kreative Wüste mehr zu sein.

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Dez. 8 2017, 3:58pm

über Netflix

Dieser Artikel stammt von unseren Kollegen aus der UK-Redaktion.

Dark beginnt mit einem Zitat von Albert Einstein: "Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist nur eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige." Während wir dieses Gefühl nur allzu gut nach einer langen Nacht in der Bar kennen, lohnt es sich, diesen Spruch im Hinterkopf zu behalten, wenn du dir den neuesten Netflix-Serienhit anschaust. Die zehnteilige, übernatürliche Thriller-Serie handelt über das Zeitreisen und Verschwinden eines Jungen in einer deutschen Kleinstadt. Dieser wird von Louis Hofmann gespielt, der dir vielleicht bekannt vorkommen könnte. Anfang des Jahres war das junge Talent Teil unserer i-D meets-Reihe rund um die deutschen Jungschauspieler von morgen.


Auch auf i-D: Louis Hofmann hat uns schon Anfang des Jahres einen Einblick in seine Schauspielkarriere gegeben


Nun ist Louis in Dark zu sehen. Die Ähnlichkeiten zum Netflix-Blockbuster Stranger Things sind dabei nicht zu leugnen: ein Junge verschwindet, die Jugend fährt Fahrrad und es gibt 80er-Rückblenden. Trotzdem ist Dark viel mehr eine fantastische, skandinavische Crime-Serie mit einer düsteren Atmosphäre, einem dunklen Wald und eigentlich erwartet man, dass Sofie Gråbøl jede Sekunde mit dem Färöer-Insel-Pulli durchs Bild läuft.

"Kleinstädte sind ein Mikrokosmos der menschlichen Natur und das finden wir sehr spannend", sagt Co-Autorin und Produzent Jantje Friese, die die Serie zusammen mit Regisseur Baran bo Odar entwickelt hat. Die beiden wurden von Netflix nach dem Erfolg ihres Films Who Am I über eine Berliner Hackergruppe angesprochen. Weil sie sich nicht wiederholen wollten, sind sie alte, unfertige Ideen durchgegangen und dabei auf die Idee zu einer Crime-Drama-Serie (noch ohne übernatürliche Elemente) gestoßen. "Wir haben uns einfach gedacht, dass wir das miteinander verbinden sollten", so Friese. Heraus kam das Genre Time Travel Crime.

Trotz der vielen Physikreferenzen ist die Serie immer noch sehr deutsch. Odar verweist auf die Märchen-Tradition in Deutschland, und meint damit vor allem die Gebrüder Grimm, deren Geschichten oft in deutschen Wäldern spielen. "Der Wald ist nur eine Metapher für die dunklen Stellen in uns selbst, die man nicht wirklich kennt. Man kann sich im Wald sehr verlieren", beschreibt er. Für Co-Autorin Jantje Friese ist es die "trockene Nüchternheit", die etwas über die deutsche Psyche aussagt.

"Dass wir uns so oft düstere Themen vornehmen, hat viel damit zu tun, wer wir sind und was im letzten Jahrhundert in diesem Land passiert ist: zwei Weltkriege und so viele Menschen wurden im Namen von Deutschen getötet", sagt sie. "Wir, die jüngeren Generationen, haben darüber viel in der Schule gesprochen und eine Frage stand dabei immer im Vordergrund: Wie konnte das passieren? Wie konnten Menschen solche grausamen Dinge tun? Ich glaube, diese Themen und die dunklere Seite der menschlichen Natur sind sehr deutsch."

Dark ist Netflix' erste deutsche Serie überhaupt und spricht nicht nur ein deutsches Publikum an. Sie gehört mit Deutschland 83 und Babylon Berlin zu einer Reihe neuer, deutscher Produktionen, die international nicht nur Erfolg haben, sondern auch von den Kritikern gefeiert werden. Friese beschreibt das deutsche Fernsehen als "kreative Wüste", die hoffentlich mit neuen Akteuren wie Netflix und Amazon (noch mehr) aufblühen wird. "Gebt den Kreativen mehr Chancen für neue Genres und Themen", fordert sie. "Wenn man erstmal eine Plattform hat, ist man nicht mehr auf das heimische Publikum angewiesen, sondern hat die Möglichkeit, Menschen darüber hinaus zu erreichen. Wir hoffen, dass das nur der Anfang ist und es mehr Produktionen aus Deutschland geben wird, die ebenfalls ein internationales Publikum begeistern."

Und was halten die Macher von den ständigen Vergleichen mit Stranger Things? "Wenn sich die Menschen, die sich dieser Serie angeschaut haben, auch unsere ansehen, oder auch nur ein Drittel davon, haben wir einen großen Serien-Hit", sagt Regisseur Odar zum Schluss, mit typisch deutscher Nüchternheit. Die kreative Wüste scheint nun endlich der Vergangenheit anzugehören.

"Dark" kannst du dir auf Netflix anschauen.