im interview mit dem kreativen kopf hinter drakes „hotline bling“ director x

Wir haben dem Regisseur des vielleicht besten Musikvideos des Jahres ein paar Fragen gestellt.

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Nov. 3 2015, 2:55pm

Als wir dachten, dass wir Drake nicht noch mehr lieben können, als wir es nicht schon tun, brachte er „Hotline Bling" auf den Markt, das sofort zum Hit im Internet wurde und uns durch Tausende Memes, in denen er mit einem Lichtschwert hantiert, gegen Pokémons kämpft und seine Tennisfähigkeiten unter Beweis stellt, jedes Mal aufs neue zum Lachen bringt. Mike Tyson und Cara Delevingne tanzten dazu. Sogar Spongebob Schwammkopf hat „Hotline Bling" gecovert. Alle lieben es. Verantwortlich zeigt sich Director X.

Auch wenn dir der Name erst einmal nichts weiter sagt, sind wir uns sicher, dass du jetzt schon ein Fan seiner Videos bist. Er hat für alle gearbeitet, von Kanye West bis Kendrick Lamar, von Aaliyah bis Nicki Minaj. So prägte er die MTV-Ästhetik der 2000er entscheidend mit. Wir trafen den Videoregisseur zum Interview und sprachen mit ihm über die Zusammenarbeit mit Drizzy, Inspirationen und die Kontroverse um James Turrell.

Was hat das Musikvideo inspiriert?
Das ist einfach nur ein Performance-Video. Es sollte ein Performance-Video werden.

Das Video erinnert an die Arbeiten von James Turrell. War seine Kunst eine Inspiration?
Nicht so wie die Leute das denken. Ich habe schon immer Performance-Videos mit großen Sets gedreht, dafür bin ich bekannt. Für Drake sollte so etwas „Gimme The Light" von Sean Paul herauskommen. Das ist einfach mein Style. Drake kam nicht auf mich zu und er verlangte auch kein James-Turrell-Video. Von mir als Regisseur wurde ein Performance-Video erwartet, also habe ich mir ein paar Gedanken gemacht.

Hättest du jemals gedacht, dass das Musikvideo so populär werden würde?
Nein, das ist einfach toll. Es ist immer interessant, wenn etwas eine große Fangemeinde im Internet entwickelt.

Waren die Tanzschritte einstudiert?
Nein, es steckte keine Choreografie dahinter, sondern es war alles spontan und ungeplant. Als Videoregisseur entwickelt man die Bühne, auf der die Künstler sich frei bewegen können. Ich gebe keine Anweisungen, was sie tun sollen, denn so verbringen sie den Rest ihrer Zeit.

Hast du ein Lieblingsmeme von Drake?
Das mit Star Wars, wo er mit seiner Tanzpartnerin mit dem Lichtschwert kämpft. Das Tennis-Meme ist auch lustig. Daneben mag ich noch das mit Star Trek, wo Drake vor Spock und Captain Kirk tanzt, fast so wie im Film. 

Das ist mittlerweile dein viertes Musikvideo für Drake. Wieso arbeitet ihr immer wieder zusammen?
Wir arbeiten gut zusammen, wir kommen aus derselben Stadt und wir kennen uns schon lange, noch lange bevor Mixtape herauskam. Bevor ich ihn überhaupt zum ersten Mal traf, habe ich von ihm gehört. Die gemeinsame Herkunft verbindet.

Mit wem hat die Arbeit am meisten Spaß gemacht?
Mit jedem auf eine eigene Art und Weise. Die Zusammenarbeit mit Drake hat viel Spaß gemacht. Er interessiert sich nur für das, was er gerade macht.

Du hast dich für eine Weile mit Hype Williams zusammengetan. Was hast du von ihm gelernt?
Hype hatte einen großen Einfluss auf mich. Er hat einen bestimmten Style und eine bestimmte Ästhetik. Der grafische Stil in seinen Performance-Videos hat mir gefallen. Ich hatte das Glück, dass er mein Lehrer war. Allein schon, dass ich in seiner Nähe war und ihm zuschauen konnte, war unglaublich. Keiner bringt einem bei, wie man ein Musikvideo dreht. Man muss es einfach machen. 

Ich bin mit MTV aufgewachsen und ich habe immer viele Musikvideos geschaut. Deine waren ein großer Teil davon. Hat sich die Art und Weise, wie Leute Videos anschauen und wie sie promotet werden, verändert?
Damals wurde vorgegeben, was angesagt ist. Wenn es auf MTV lief, dann war es cool. Danach musste man selber entscheiden, was man mag und was nicht. Heutzutage muss man sich selbst informieren und selbst danach suchen. Wie man an Musik kommt, hat sich massiv verändert. Sogar die Art und Weise, wie Musikvideos heute produziert werden, ist anders. Man kann sich ein iPhone 6 schnappen und drehen.

Was ist das unvergesslichste Musikvideo, was unter deiner Regie entstand?
Ein paar meiner Videos sind Set-lastig wie „Gimme the Light" von Sean Paul und ein paar der Videos enthalten dramatische Elemente wie „You Got it Bad" für Usher. Je nach Entstehungszeitpunkt sind es andere Musikvideos. Bei „Trick Me" von Kelis habe ich mit viel Pfeilen und Farben gearbeitet. Wenn ich aus dem Vollen schöpfen kann, dann tue ich das. Die Herangehensweise erschließt sich nicht jedem. Ich musste mit Skizzen arbeiten, weil man das Pfeil-Konzept schwer erklären kann.

Hast du einen Grafikdesign-Hintergrund?
Ja, ich habe einen Illustrations- und Grafikdesign-Hintergrund. In der Grundschule wollte ich Comiczeichner werden. Später auf der Schule wollte ich dann Grafikdesigner werden. Ich habe das eher für mich gemacht und bin so in hineingewachsen.

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