im gespräch mit years & years

Die drei Jungs hinter dem Hit „King“ träumen im Interview und wagen einen Ausblick in die Zukunft.

von Francesca Dunn
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09 September 2015, 3:02pm

Diesen Sommer haben die drei Briten ihr Debütalbum Communion veröffentlicht, nachdem sie mit „King" und „Desire" ihren internationalen Durchbruch feierten, verbrachten sie eine Woche vollverdienten Urlaub auf den Balearen. Olly war mit seinem Freund (Neil von Clean Bandit), Mikey mit seiner Freundin da und Emre verpasste den Flug und blieb zu Hause. Wir trafen das Trio in Finnland, wo sie beim Flow Festival auftraten. „Wenn es nicht dieses Augenzwinkern gegeben hätte, wäre ich nicht da", beginnt Mikey unser Gespräch. Was? „Mein Opa war Cricketspieler und meine Oma war für die Sandwiches im Cricketclub zuständig und er zwinkerte sie an, kurz bevor er den Ball abschlug. Dann kamen sie zusammen, bekamen meine Mutter und so fing alles an", erklärt er. Wir sprachen mit Years & Years über genetische Modifikation, wieso mehr schwule Popstars gleichgeschlechtliche Pronomen in Songs verwenden sollten und welchem Charakter aus SATC sie am ähnlichsten sind.

Zu erst das Wichtigste: Welcher fiktionalen Crew seid ihr am ähnlichsten?
Mikey: Ich nehme an Buffy …
Olly: Oh mein Gott, Buffy!
Mikey: Emre, du wärst Xander.
Emre: Olly, du wärst Willow.
Olly: Willow ist einfach die Beste! Und sie ist lesbisch. Das ist toll. Emre, sorry, aber keine Chance, dass du Buffy sein könntest.
Mikey: Ich behaupte nicht, dass ich es wäre. Vielleicht wäre ich Seth Green - Oz -, der verwandelt sich manchmal in einen Wolf. Aber müssten wir nicht eine Weile daten, Olly?
Olly: Ich würde ja als Lesbe enden, das wäre also schon in Ordnung.
Emre: Wann outet sie sich? Ich erinnere mich daran, dass sie diese Hexe datet, aber ich erinnere mich nicht daran, dass sie sich wirklich geoutet hat oder mit Oz darüber gesprochen hat.

Vielleicht ist sie bisexuell?
Olly: Oh mein Gott, was ist mit Sex and the City?
Mikey: Ich wäre …
Olly: Du wärst Charlotte, auf jeden Fall!
Mikey: Wer war das nochmal?
Olly: Die zickige, vornehme. Emre, du wärst Miranda. Hmmmm, und ich bin mir nicht sicher, ob ich Carrie oder Samantha wäre.
Emre: Vielleicht bist du aber auch Miranda? Ich wäre die Schlampe.
Olly: Wo du es jetzt sagst …
Mikey: Ja, das könnte hinhauen.

Jetzt kommt die Wahrheit ans Licht. Olly, du hast dich neulich dafür ausgesprochen, dass mehr homosexuelle Popstars mehr gleichgeschlechtliche Pronomen in ihren Texten verwenden sollen. Was waren die Reaktionen?
Olly: Überwiegend positiv. Ich glaube, einige Medien haben es versucht, so zu drehen, als ob ich andere schwule Popstars schlecht machen will.

Was du ja ganz offensichtlich auch beabsichtigt hast.
Olly: Genau. Ich suche immer Streit mit Leuten. Nein, im Ernst, das wollte ich nicht im Geringsten erreichen. Die meisten Leuten dachten sich nur ‚Ja, recht hat er, Wieso passiert das nicht schon längst?' Das hat sich gut angefühlt. Es ist langweilig, nur eine Stimme, nur eine Richtung und nur einen Typ Beziehung in der Popmusik zu haben. Es geht nicht nur um männliche Schwule, sondern auch um Frauen und genderneutrale Künstler, einfach um alle. Es gibt das bereits, aber die Mainstream-Musik ist immer etwas spät dran.

Gibt es Musiker, die ihr respektiert, weil sie ihre Plattformen für etwas Gutes einsetzen?
Olly: Es gibt einen Elektro-Produzenten namens Lotic, der darüber geschrieben hat, wie es ist, queer in der Musikindustrie zu sein - ein guter Beitrag!
Mikey: Rage Against The Machine ist ziemlich gut. Sie spenden viel von ihren Einnahmen.
Olly: Ich war mir bis vor Kurzem über Miley Cyrus nicht so klar, aber dann nutzte sie ihre Plattform, um auf Probleme aufmerksam zu machen, über die keiner sprach - wie Transgender-Probleme. Ich habe das Gefühl, dass sie wirklich an diese Dinge glaubt und ich respektiere sie dafür.
Mikey: Chris Martin engagiert sich viel für Tinnitus-Betroffene. Auf seinen Konzerten gibt es Ohropacks.

Oh nein, ist die Musik wirklich so schrecklich?
Mikey: Guter Witz!

Was waren eure Teenage Dreams?
Olly: Ich wollte ein Sänger sein! Ich wollte berühmt werden!
Emre: Ich wollte in einer Band sein.

Also lebt ja ihr ja den Traum. Was war der letzte Traum, den ihr hattet?
Mikey: Ich habe letzte Nacht davon geträumt, dass ich auf eine Katze pisse.

Deine Katze?
Mikey: Nein, eine Katze. Sie war schwarz-weiß und sie war einfach in einem Waschbecken und ich habe auf sie draufgepisst.
Emre: Ich habe ziemlich lebendige Träume. Vorgestern habe ich davon geträumt, dass Olly und ich einen großen Streit haben. Als ich dann aufgestanden bin, ging er mir auf die Nerven.
Olly: Ich habe letzte Nacht davon geträumt, dass ich Mechaniker bin und dass ich diese mechanische Lochmaschine habe und mich wirklich schnell durch die Erde grabe.

Und was bedeutet das deiner Meinung nach?
Olly: Ich weiß nicht. Ich habe mich aber von etwas weggegraben.

Was möchtet ihr, was ihr nicht habt?
Emre
: Oh Gott, Seelenfrieden? Und ein DAB-Radio.
Mikey: Ein Riesenrad! 
Olly: Ich möchte eine Maschine, die dieTräume herunterlädt, sodass man sie sich hinterher anschauen kann.

Das wäre toll.
Mikey: Sie sollten Kopfhörer entwickeln und die einer anderen Person aufsetzen, mit der man zusammenschläft, und kann man in denselben Träumen zusammen sein.
Emre: Das wäre fantastisch, aber auch irgendwie wie Nightmare on Elm Street.
Olly: Ihr würdet euch gegenseitig umbringen.
Mikey: Man würde sich aber nur in Träumen umbringen und das macht doch nichts.
Emre: Du wärst zu beschäftigt damit, auf eine Katze zu pissen! Ich möchte das nicht sehen.

Aber Emre, du bist doch die Katze.
Emre: Das wäre aber gefährlich, weil man wahrscheinlich nicht will, dass deine Freundin oder dein Freund weiß, was man träumt.

Es wäre aber lustig, wenn beide aufwachen und so wären wie ‚Verdammt, das war krass!'.
Mikey: Und wie! Was hast du gerade mit Daisy Lowe getan?! Vielleicht kann man auch auf seinem iPad auswählen, was man träumen möchte. So wie ‚Wohin sollen wir gehen, Schatz?' Und sie antwortet ‚Lass uns nach Frankreich gehen'. Dann drückst du Frankreich und …
Olly: Das klingt aber ziemlich langweilig.
Emre: Ja, und ihr beide esst die ganze Zeit nur Baguettes.

Dream big, Mikey! Das wird aber wirklich passieren.
Emre: Bald kann man sich auch das Geschlecht von seinem Baby aussuchen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es jetzt schon möglich ist.
Emre: Wirklich?!
Olly: Ja, und man kann sich auch die Augenfarbe des Babys aussuchen und so. Man muss sich Sorgen machen, wenn das privatisiert wird und die Reichen anfangen, das Aussehen ihrer Kinder als Standard zu etablieren.
Mikey: Wie in Gattaca.

Und die Reichen werden noch schöner.
Olly: Zukünftig wird man die Klassenzugehörigkeit einer Person daran erkennen, wie sie aussieht, weil alle Reichen wirklich schön aussehen werden. Das passiert zum Teil schon jetzt mit plastischer Schönheitschirurgie, aber zukünftig wird es auch genetische Modifikationen geben. Keiner wird sich das sonst leisten können, also wird es normale, hässliche Leute wie uns jetzt geben und die Leute werden dann denken ‚Du bist arm, du darfst nicht mitmachen'.
Mikey: Habt ihr Gattaca gesehen?
Olly: Ja! Hör auf über Gattaca zu reden!
Mikey: Aber du beschreibst doch genau, was im Film passiert.

Was ist der beste Ratschlag, den ihr jemals bekommen habt?
Mikey: Fass dir nie in die Augen, nachdem du Chilischoten geschnitten hast.
Olly: Ich weiß nicht. Benutze immer ein Kondom. Das ist ein guter Rat.
Emre: Immer?

Olly packt grad eins aus.
Emre: Für alle Fälle.
Mikey: Permanent ummantelt.
Olly: Benutzt ein Kondom, das will ich sagen. Und lasst euch testen.
Mikey: Aber genauso wichtig: Hebt immer ein wenig vom abgekochten Pastawasser auf, spült die Pasta ab und gießt das restliche Wasser zusammen mit der Sauce über die Pasta.
Emre: Und ich habe keine Ahnung, wieso der Guardian denkt, dass wir Mittelschicht sind.

Communion ist bei Polydor erschienen und überall erhältlich.

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Credits


Text: Francesca Dunn

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