wenn instagram wegen menstruationsblut wieder mal einen account sperrt ...

Nach einem Sturm der Entrüstung hat die Plattform den Account von Harley Weir zwar wieder entsperrt, aber alleine das er überhaupt gesperrt wurde, zeigt doch eines ganz klar: Die sozialen Netzwerke haben ein Problem mit dem weiblichen Körper.

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Sep. 14 2016, 9:40am

Letzte Woche wurde der Instagram-Account der i-D Fotografin Harley Weir gesperrt, weil sie ein Foto von ihrem i-D Covershoot Portraits of a Woman für die aktuelle i-D Ausgabe The Female Gaze Issue gepostet hat. Darin sind unter anderem das Model und die Aktivistin Adwoa Aboah, Corey Washington und Alix zu sehen.

Die Fotografin hat zuerst ein Nacktbild von Alix gepostet und dafür deren Brustwarzen und Vagina verpixelt, um nicht die Sittenwächter von Instagram auf den Plan zu rufen, die vor der nackten weiblichen Form eher Angst haben. Doch das Verpixeln hat nichts genutzt, das Foto wurde trotzdem entfernt.


Nachdem das Foto durch Instagram gelöscht wurde, hat Harley Weir eine andere Version des Fotos gepostet. Dieses Mal nur die untere Körperhälfte von Alix' nacktem Körper, die Vagina wurde wieder unkenntlich gemacht. Doch dieses Mal wurde nicht das Foto gelöscht, sondern ihr ganzer Account gesperrt. Was auf beiden Fotos zu sehen ist und was offensichtlich die Grenze überschritten hat: Zwischen ihren Beinen war Menstruationsblut zu sehen. Uns hat die Fotografin erklärt, wie es zu den Fotos kam: „Bei Alix, die neben Adwoa gemodelt hat, hat einfach während des Shootings die Periode eingesetzt. Ich habe das einfach nur als wunderschön empfunden. Es hat so natürlich ausgesehen, das rote Blut auf dem gelben Gras. Es ist eine Fantasie von mir, nackt durch die Wüste zu laufen und der Natur bei ihrer Magie zuzuschauen. Diese Szene hat mich daran erinnert."

Sie habe vor dem Löschen des Fotos keine negativen Kommentare dazu erhalten, sondern ganz im Gegenteil sowohl von Männer als auch Frauen positives Feedback bekommen. „Meine Fotos sind nicht pornografisch und ich glaube wirklich, dass Fotos wie dieses sehr wichtig sind", so die Fotografin. „Es wäre mehr als angebracht, endlich im Natürlichen etwas Schönes zu entdecken, anstatt es als grotesk und eklig abzutun."

Das Problem mit feministischer Körperbehaarung: Haare scheinen zum Hauptschlachtfeld auf dem Weg zur Befreiung der Frau geworden zu sein. Werden dabei aber Women of Color ignoriert?

Instagram ist bekannt für die Zensur weiblicher Körper. Die amerikanische Fotografin und i-D Fav Petra Collins hat ein Foto von Schambehaarung, die an den Seiten hervorquillt, gepostet und das Bild wurde prompt gelöscht. Das löste eine internationale Diskussion aus. Und dass Instagram ein großes Problem mit weiblichen Brustwarzen hat, braucht man traurigerweise wohl kaum noch erwähnen. Das hat zur globalen Feministenbewegung #freethenipple geführt. Im letzten Jahr wurde ein Foto der Autorin und Künstlerin Rupi Kaur gelöscht, weil sie auf dem Bild eine blutgetränkte Hose trägt. Doch sie ließ das nicht auf sich beruhen und veröffentliche ein Statement, indem sie die Frauenfeindlichkeit der Plattform und der Gesellschaft attackiert. Denn die hätten kein Problem damit, den weiblichen Körper zu objektivieren, aber würden ausrasten, wenn eine Frau vollständig angezogen menstruiert und das auch zu sehen ist. Die Geschichte hat eine Solidaritätswelle mit Rupi Kaur ausgelöst und die Wut auf Instagram wuchs. Die zum Facebookkonzern gehörende Plattform hat schließlich das Bild wieder entsperrt und betont, dass das Bild aus Versehen gelöscht worden sei.

Eine 16-Jährige zeigt hier der Welt, dass Körperbehaarung mehr als OK ist.

Die britische Fotografin Harley Weir kommentiert die Zensur durch Instagram so: „Ich verstehe, wie schwierig es für Instagram sein muss, in so einer großen App Polizist zu spielen. Ich verstehe auch, dass es Regeln in Bezug auf Nacktheit geben muss. Denn wenn die App erst ab 18 Jahren wäre, gäbe es sehr viel weniger User. Aber ich fühle mich falsch behandelt. Instagram ist voll mit beleidigenden Dingen und Fotos, die nicht kontrolliert werden. Die Grenzen sind sehr unklar."

Viele haben sich mit Harley solidarisiert und Instagram dazu aufgerufen, den Account wiederherzustellen. Außerdem wurden die Einstellungen hinter der Sperrung kritisiert und dass es im Jahr 2016 möglich sei, die Arbeit von Künstlern so zu zensieren. Mittlerweile hat Instagram auf den Druck reagiert und den Account und die Fotos wiederhergestellt. In der Presseerklärung heißt es: „Wir entschuldigen uns für den Fehler, der hier passiert ist. Wenn aus der Instagram-Community Inhalte als anstößig gemeldet werden, gehen wir damit nicht immer richtig um und entfernen das Foto fälschlicherweise und sperren den Account vorübergehend. Sobald wir auf diesen Fehler aufmerksam gemacht werden, stellen wir die Inhalte wieder her."

@harleyweir

Credits


Text: Clementine de Pressigny
Fotos: Harley Weir